Alles nur geklaut!? - Plagiate in der Musikgeschichte © von Beethoven, Mozart, Eisler, Smetana, Armstrong, Prinzen, Phil Collins bis Bushido

  Apolda: Lutherkirche |

Plagiate der Musikgeschichte – Showpianist Felix Reuter erweist sich als musikalischer Detektiv



Nein, es ist nicht überliefert, dass sich beim Lied "Goodbye Johnny" (1939) von Peter Kreuder in den Anfangsjahren der DDR volle Kinosäle erhoben hätten, da die Massen die Melodie mit der DDR-Nationalhymne von Hanns Eisler verwechselten. Doch tatsächlich hat sie mit Kreuders Schlager - gesungen von Hans Albers im Film "Wasser für Canitoga" - dieselben ersten acht Töne. Da wundert es nicht, dass damals Plagiatsvorwürfe in westdeutschen Zeitungen für Stimmung sorgten.

Wodurch sich der österreichische Komponist Eisler tatsächlich inspirieren ließ, ist nicht bekannt, da er sich selbst nicht dazu äußerte. Doch es könnte auch eine Anlehnung an seine eigene Komposition "Der Kirschdieb" sein, die zuvor bei seinem USA-Besuch entstand. Aber auch im Lied "Freudvoll und leidvoll" aus Beethovens Schauspielmusik zu "Egmont" findet sich dieser Sequenzaufbau. Alles nur geklaut?

Dieser Frage widmet sich auch der Weimarer Showpianist Felix Reuter in seinem jüngsten Programm: "Alles nur geklaut!? Plagiate in der Musikgeschichte ©". Und da kommt noch mehr "Verwandtes" zutage.

Der Thüringer Musik-Detektiv - Jahrgang 1972 - deckte über Jahre Ähnlichkeiten in zig klassischen Werken auf, die sich aber auch in neueren Produktionen finden lassen. So kann man die Melodie von "Morgen kommt der Weihnachtsmann" von Ernst H. Leopold Richter (1837) auch bei Mozarts Klaviervariationen und in "What a wonderful world" vonLouis Armstrong nachweisen. Ebenso in Ernst von Dohnányis Variationen über ein Kinderlied und in weiteren Versionen in "Twinkle, Twinkle, Little Star". Und bei allen stand das französische Lied "Ah! vous dirai-je, maman" (1761) Pate. Alles nur geklaut?

Allein daran erkennt man, dass Plagiaterei keine Neuzeiterfindung von Bundesministern ist. Der Diebstahl geistigen Eigentums grassierte bereits in einer gema-freien Zeit gehörig. Und endete auch nicht mit dem "Prinzen"- Aufdeckungs-Lied "Alles nur geklaut".

Bis Anfang des 18. Jahrhunderts galt es unter Musikern als schick, wenn ein anderer ihre Stücke spielte, verwendete. So wurde sie bekannter. Erst danach wurde Plagiateur zum Schimpfwort. Heute kann es richtig teuer werden - wie bei Bushido 2010. Dem Rapper wurden 13 plagiierte Songteile nachgewiesen. Fazit: Ein Gericht verhängte Zahlung von Schadenersatz und ließ die Alben schreddern.

"Ich bin der Inspektor, aber nicht der Richter", sagt dagegen Pianist Felix Reuter. Seine aufgeklärten Fälle bringt er als Show mit Unterhaltungswert auf die Bühne. Dabei sind auch 14 Stücke mit Orchester und Klavier zu hören. "Wir decken rigoros augenzwinkernd auf und biegen manches auf die richtige musikalisch-kriminalistische Spur", so Reuter.

Ein weiterer Blick in die Akten des Weimarer Musik- Kommissariats:
• Laut Spurenlage sollen der "Boléro" von Maurice Ravel, die Hauptmelodie vom Musical "Cats", Howard Carpendales "Hello Again" und Juliane Werdings "Stimmen im Wind" verwandte Gene in sich tragen. Fall gelöst!

• Smetanas "Die Moldau", die Hymne Israels, "Alle meine Entchen", "Ein Männlein steht im Walde", "Häschen in der Grube" und "A groovy Kind of Love" von Phil Collins waren Gegenstand der Ermittlungen von Inspektor Reuter. Fall gelöst!

• Es wurden auch in "Freude schöner Götterfunken" (1824) von Beethoven und "Sind die Lichter angezündet", Melodie Hans Sandig (1950), Spuren sichergestellt. Fall gelöst!

Weitere Akteneinsichten gewährt Felix Reuter in seinem Fallplädoyer "Alles nur geklaut!? Plagiate in der Musikgeschichte ©". Es wird musiziert, geplaudert und gerätselt. Vor niemandem macht Felix Reuter halt und zeigt dabei eigene Versionen klassischer Werke. Der Weimarer Pianist deckt auf, welche Melodien damals wie heute raffiniert geklaut wurden. Er zeigt, welche neuen Werke daraus entstanden sind. Ein Aha- Erlebnis für Klassik-Neulinge und musikalische Schnüffler sowie Aufklärer.


Konzert-Termine

Felix Reuter & Stüba-Philharmonie, am 17. Mai, 19.30 Uhr, Lutherkirche in Apolda und am 18. Mai, 18 Uhr, Kaisersaal in Erfurt
www.felixreuter.de
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
13.091
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 13.05.2014 | 19:27  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige