Der Apoldaer Klaus Jäger liebt Mord und Totschlag - aber nur in seiner Krimiwelt

Bücher sind seine Welt. Klaus Jäger in der Stadtbibliothek Apolda. (Foto: Thomas Müller)
Apolda: ... |

Klaus Jäger ist ein Glückspilz: Er kann vom Schreiben ganz passabel leben. Allerdings nicht vom Schreiben seiner Bücher. Im Hauptberuf ist der Apoldaer Journalist und Redakteur. Im Nebenberuf sind Mord und Totschlag sein Ressort. Sein viertes Buch „Thüringer Quelle“ ist fast noch druckfrisch. Ich traf den Autor von Thüringenkrimis auf einer Lesung und er entdeckte das Böse in mir.

Ich hätte Ihnen weder böse Gedanken noch vulgäre Kraftausdrücke zugetraut. In „Thüringer Quelle“ kommt beides überraschend oft vor.
Da halte ich es mit Loriot, der sagte, „beim Krimiautor ist das Böse in guten Händen“. Und die Kraftausdrücke entspringen meiner ziemlich schmutzigen Phantasie.

Die Szene auf der Baustelle erinnert an schwärzeste Schweden-Phantasie á la Wallander.
Ich denke, wir tragen alle das Gute und das Böse in uns. Mir geht es um die Täter-Opfer-Geschichte in einer Person. Jeder Täter ist irgendwo auch Opfer - auf welche Weise auch immer. Der Mensch ist Opfer von Gier, Liebe, Rache, Erziehung durch das System. Ich bin ein Anhänger dieser These. Es geht mir nicht nur um die Jagd nach dem Täter, ich will das differenzieren.

Ich gebe zu, als ich den Grund für die Baustellenszene erfuhr, sah ich in dem Anschlag so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit.
Sehen Sie, auch Sie tragen das Böse in sich.

Polizeireporter Peter Hartmann ist Hauptprotagonist in „Rostbratwurst“ und „Thüringer Quelle“. Wieviel Jäger steckt in Hartmann?
Vielen Autoren wird nachgesagt, dass sie permanent über sich selbst schrieben. Ich musste für die Figur nicht aus meiner Biografie stehlen. Natürlich habe ich Hartmann geschaffen, also trägt er auch Züge von mir. Das sind aber eher alltägliche Dinge, zum Beispiel, dass er zum Frühstück lieber Wurst als Marmelade mag.

In einem Kapitel recherchiert Chefermittlerin Steffi Schmaerse in Stasiakten und geht auf Einzelschicksale ein. Sind das authentische Fälle?
Sie sind nicht wahr, aber wahrhaft. Ich hätte sonst zu sehr mit Persönlichkeitsrechten hadern müssen. Das Perfide am System war ja das Wirken im Detail. Die großen Schicksale kennt man, aber es gab Tausende unbekannter Personen, die unter Repressalien litten.

Wie schreibt man als Autor, wie als Journalist?
Bücher schreiben ist anders, also keine zweite Schicht nach Feierabend. Als Journalist muss ich mich an Fakten halten, auf Zeile schreiben, auf eigene Wertungen verzichten. Beim fiktionalen Schreiben kann ich mir eine Welt erschaffen, darf ohne Strafverfolgung Leute um die Ecke bringen. Schreiben ist für mich zum elementaren Bedürfnis geworden.

Wie lange reift ein Krimi?
Ungefähr ein Jahr. Ich habe immer sechs, sieben Ideen für ein Buch liegen - das sind meine Keimzellen. Manchmal vermehren sie sich, manchmal sterben sie ab. Inspiration gibt mir das Leben. Das schreibt die besten Geschichten. Ich brauche eine Idee, einen Ansatz, den verfolge ich dann weiter. Krimis können so oder so jederzeit passieren.


Zur Person:
Erste Geschichten schrieb Klaus Jäger mit 12. Lernte Eisenbahner, studierte später Brückenbau und Sprengtechnik. Gründungsmitglied der Gesellschaft für Fotografie. 1988 Fernstudium Journalismus. Seit 1990 Redakteur bei einer Thüringer Tageszeitung.
Bücher: „Krügers Erbe“ (2010), „Die Gruppe“ (2012), „Rostbratwurst“ (2013), „Thüringer Quelle“ (2014).
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 20.11.2014 | 17:48  
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