Der Glöckner von... Apolda klingt im globalen Glockenklang

Micky Remann, Medienkünstler und Intendant Weltglockengeläut hinter dem Glockenmuseum in Apolda, im Paulinenpark.
 
Das Glockenmuseum in Apolda an der Bahnhofstraße.
Apolda: Herressener Promenade |
5. Weltglockengeläut verbindet Apolda mit Indien, Norwegen, Thailand und einem noch geheimen Ort


Nach 1999, 2003, 2007 und 2012 wird es während der Landesgarten­schau das 5. Weltglocken­geläut aus Apolda geben. Es ist eine Hommage an die Tradition der hiesigen Glockengießer mit ausschließlich Welturaufführungen. Über das „Wissen, was die Glocke geschlagen hat“ sprach AA-Redakteur Thomas ­Gräser mit dem Medienkünstler und Intendanten des Events Micky Remann.

Was bedeuten Ihnen ­Glocken?

Das drückt am besten unser Motto aus:„Glocken sind Musik, Glocken verbinden, Glocken lassen aufhorchen.“Sie erklingen in Kirchen, im öffentlichen Raum als Glocken­spiele. Sie über­brücken mit ihrer Botschaft große Entfernungen, geben Signale und sind als Medium präsent. Es ist das lauteste Klanginstrument. Mancherorts ist es immer noch Nachrichtensender, gibt Alarm und verkündet freudige Ereignisse. Glocken vermelden die Zeit, bitten zu Tisch, sorgen für Ruhe in Parlamenten, geben Kommandos auf Schiffen und läuten die Börse ein.

Was verkündet das ­Weltglockengeläut?
In Apolda wurde das Glocken­gießen nicht erfunden. Doch ab Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelte sich hier, dank emsiger Künstler und Handwerker, ein Zentrum für Glockengießereien. Und da Glocken langlebige Kultur­güter sind, erklingen sie vielerorts auf der Erde, auch wenn sie Thüringen bereits vor mehr als 200 Jahren verlassen haben. Apolda ist die Welthauptstadt der Glockenkultur. Und Glocken sind fantastisch. Sie sind die wohlklingendsten ­Instrumente, die Menschen je geschaffen haben. Daran soll das Weltglockengeläut erinnern.

Wer schwingt denn in den vier Himmelsrichtungen alles mit?
Kotagiri in Indien vertritt den Osten. Hier erklingt seit 1908 die Missions­glocke, die von der Gießerei Carl ­Friedrich ­Ulrich / Franz Schilling stammt. Ein Glockenspiel im norwegischen ­Sandefjord steht für den Norden. Es ­wurde 1930 von Franz ­Schilling mit 24 Glocken in Apolda hergestellt und ­voriges Jahr um 25 ­Glocken aus den ­Niederlanden ­erweitert. Bangkok in ­Thailand repräsentiert den Süden. Dort wird ein Musik­instrumente-Museum ­gegründet. Welche Apoldaer Glocke für den Westen steht, ist noch ein Geheimnis. Aus den vier ­Orten werden kurze Wort- und Musikbeiträge gesendet.

Wie kommt man denn an den Glöckner von Kotagiri?
Dank der Historikerin, Archivarin und Autorin Margarete Schilling. In den zwei Jahren dauernden Vorbereitungen gab sie wertvolle Hinweise wie in den 20 Jahren zuvor. So konnten wir diesen Schatz - eine 110-jährige Apoldaer Glocke - in Indien heben.

Wer gibt vor Ort den Ton an?

In den Ländern haben wir „Klassensprecher“. Aus Indien wird Daniel Schad, Geiger der Staatskapelle Halle live zugeschaltet. Seine Urgroßmutter Susanna Schad war zur Zeit der Glockenanlieferung, dort als Missionarsfrau tätig. Prof. Dr. Tiago de Oliveira Pinto, Musikhochschule Franz Liszt Weimar führt in Bangkok zirka um 1.30 Uhr Ortszeit durchs Glockendepot.

Wann schlagen bei Ihnen alle Alarmglocken?
Wir möchten nicht, dass Alarmglocken schrillen. Doch wir haben schon einiges erlebt: Regenschauer – doch diesmal wird schönes Wetter herrschen – oder Blitzeinschlag in den Internetknoten. Mal schauen, ob alles klappt. Wir lassen uns überraschen. Life Is Life. Und das hat auch einen gewissen Reiz.

Was hängen Sie an die ­große Glocke?
Das sehe ich pragmatisch: das Weltglockengeläut in Apolda mit künstlerischen Beiträgen – alles live aus der Welt und in die Welt. Leute kommt und erlebt mit: Alles was am 5. August in Apolda geschieht, wird live in die Welt, auch über Internet, gesendet.

Wie kommen die Schalten nach Thailand, Indien, ­Norwegen zustande?
Wir mieten keine Satellitenleitungen. Heute weltweit zu kommunizieren, ist ganz einfach. Das Bild kommt per Skype und der Ton zusätzlich per Smartphone live, mit eventuell kleiner Verzögerung. Das macht den Charme dieser Veranstaltung aus. Und wer will, kann bei diesen welt­umfassenden Schwingungen dabei sein. In jedem der vier Orte werden wir rund zehn Minuten verweilen.

Und in Apolda?
Auf der großen Videowand können Besucher die Darbietungen aus den vier Orten verfolgen. Und die Bühne in der Herressener Promenade hat noch mehr zu bieten. Zum 5. Weltglockengeläut wird es die Uraufführung eines eigens komponierten Stückes geben. Außerdem gibt es Musik von den „Apolda Bell All Stars“ unter Leitung von Ludger Nowak. Die Schauspielerein Lena Liberta und ich übernehmen die Moderation. Wir wollen ein unterhaltsames Glockenevent bieten – ein Weltglockenkonzert. Und alles wird live per Internet in die Welt gesendet.

Gibt es vielleicht noch ein Glocken-Schmankerl?
Auch wenn die letzte gegossene Glocke 1988 Apolda verließ, wurde die Tradition 2003 mit der Herstellung von Rohrglocken wieder belebt. ­Damals zeigten Schüler einer 4. Klasse der Grundschule „Am Schötener Grund“, wie man damit musiziert, und das Publikum konnte mitmachen. Das hinterließ wohl bei der damaligen Schülerin Natalie Barth aus Mattstedt einen so nachhaltigen Eindruck, dass sie mit ihrer Familie und einem französischen Freund ein Apoldaer-Rohrglocken-Revival-Orchester gründete. Zum 5. Weltglockengeläut wird es die Uraufführung eines eigens komponierten Stückes geben. Überhaupt gibt es nur Premieren, Welturaufführungen an diesem Abend.



 ZUR SACHE

5. Weltglockengeläut, 5.  ­August, 19.15 Uhr, Bühne der Landesgartenschau
    in ­Apolda,
 Informationen im Netz: www.lgs-apolda-2017.de, www.weltglockengelaeut.de,
  Livestream: www.original.livestream.com/salveworld


ZITATE Micky Remann

“Apolda ist die Welthauptstadt der Glockenkultur. Daran soll das Weltglockengeläut erinnern.“
„Die Sprache der Glocken ist sehr präsent. Sie war einst das lauteste Mittel, mit dem man sich verständigen konnte.“
„Wir nehmen das Publikum mit auf eine Weltreise im Glockenklang.“
Der Glockenklang wird nicht sterben. Die Glocke klingt heute noch so wie sie vor 200 Jahren geklungen hat.“
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5 Kommentare
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 27.07.2017 | 20:47  
Thomas Gräser aus Erfurt | 27.07.2017 | 21:23  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 27.07.2017 | 23:11  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 28.07.2017 | 06:46  
Thomas Gräser aus Erfurt | 28.07.2017 | 08:07  
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