Die sieben letzten Worte Christi am Kreuz

Eröffnungskonzert in "St. Bonifatius"
Apolda: St. Bonifatius | Bedrohliches Orgelgrummeln, dann ein Schrei „Eli, Eli lama asabthani!“

Steve Wächter, der Altus aus Zürich, formt mit Sopranklang diesen existentiellen Schrei und verleiht auf diese Weise dem Weg eines sich von allen verlassenen glaubenden Menschen stimmlich Ausdruck. Die Zuhörer zucken zusammen und sind zugleich tief berührt.

Dieser Moment beleuchtet eindringlich die Stimmung des Abends - bedrückend und berührend, kein Jubel - aber tiefste Gefühle.

„Die sieben letzten Worte Christi am Kreuz“ von Johannes Matthias Michel fanden am Samstag als Auftaktkonzert der diesjährigen Stadt- und Dorfkirchenmusiken in Anwesenheit von Komponist und Maler ihre Uraufführung. Die „St. Bonifatius“ - Kirche“ in Apolda war gut gefüllt und das Ambiente äußerst passend gestaltet.

Eingang stimmte das Tanzduo Vainno aus Erfurt mit wunderbaren Bewegungen die Zuhörer auf die bevorstehende musikalische Reise ein. Und auch das Licht trug zur festlichen Stimmung des Abends bei - mehrere Strahler tauchten den Altarraum der Kirche in blauen und roten Schein. Rechts und links davon standen die beiden Kunstwerke von Uwe Appold – das erste und das siebente Kreuzeswort und gaben die Basis für ein Gesamtkunstwerk ganz besonderer Art.

Christiane Meyer-Koch befähigte das Vokalensemble „Sonum laudate“ in den sieben Motetten zu herausragenden Leistungen. Homogen mit der Orgel (Hartmut R. Meyer) verschmelzend oder in viele kleine Gruppen zerfallend konnten sie sich vervielfältigen oder verbinden, konnten kommentieren oder emotional den Solisten einbetten. Und hier trafen sich zwei großartige Partner – ein Vokalensemble aus der Region und der mit seiner Stimme tiefste Emotionen hervorrufende Steve Wächter aus Zürich.

Mit zwei rezitativischen Interpretationen zu “Bethlehem und Golgatha“ von Friedrich Rückert und „Gethsemane und Golgatha“ von Friedrich Nietzsche gestaltete Thomas J. Vogel die Brücke zwischen den großen Chorblöcken.

Das Tanzduo Vainno führte die Zuhörer am Ende wieder in die Realität zurück, verlieh der Hoffnung neuen Mut und bildete einen wunderbaren Bogen zum Beginn des Abends.

Ein Gesamtkunstwerk ganz besonderer Art – ein würdiger Auftakt für die Stadt- und Dorfkirchenmusiken 2015, der Lust auf mehr macht!
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