Lebens-Setups: „Ich therapiere mich mit Musik“, sagt SascH aus Apolda

Sascha Köhler hat sein Leben gerastert – in heilende Neustarts.
 
Sascha Köhler hat sein Leben gerastert – in heilende Neustarts.
Apolda: Landesgartenschau |

Sascha Köhler tut ein Neustart richtig gut, dabei erneuert er sich doch seit über zehn Jahren stetig – so auch mit „Kapitel 2“ und dem Thüringentagsong




„Ich habe mein Leben ­formatiert und starte neu durch“, sagt gelöst ­Sascha Köhler (32). Doch diese ­neuerliche Daseins-­Ausrichtung war wohl ein mehrjähriger Etappenweg. Jetzt hat der ­E-Gitarrist und Songschreiber einen musikalischen Berg erklommen – er ist ­Texter und Komponist des ­Thüringentag-Liedes 2017 und veröffentlicht sein erstes Album.

 Sascha Köhler – Künstler­name SascH – machte schon als Schüler Musik. Geprägt von seinem Vater, der in der Interflug-Combo spielte. Nach der Schule folgte erstmal eine Tischlerlehre des Erfurters. Doch das sollte nicht SascH‘ s Weg werden. Zu verlockend war das Angebot, in einer ­italienischen Band ab 2006 mit Paolo Fusi aufzu­treten. Und von der Europatour – London, Paris, Amsterdam, Dublin, Hamburg, Berlin – schwärmt SascH heute noch. Das war wohl der erste Formatierungs-­Lebensklick.


Bühnenerfahrungen

 Die Zeit auf den Bühnen der Großstädte wäre wohl weiter so verlaufen, wenn nicht nach zwei Jahren die Bundeswehr angeklopft hätte. Der ­Erfurter wählte Zivildienst und landete prompt in der Band der Serie Schloss Einstein beim MDR im Kinderkanal. „Das hat Spaß gemacht. Ich konnte hinter die Kulissen schauen und hatte manchmal auch einen klitze-klitzekleinen Nebensatz“, erinnert sich SascH. So hängte der Musiker 2009 noch ein soziales Jahr dran. Und mit den oder durch die Kika-Erfahrungen erfolgte wieder ein Lebens-Setup: Sascha Köhler begann eine Ausbildung zum Erzieher.

 Musik und Kindergarten sind eine gute Kombination. Na ja, vielleicht war die Musik der damaligen Erfurter Band „Pool“ zu laut für die ­Kleinen, aber der Gründer SascH genoss die Zeit in der Vierer-­Formation. Während dieser Zeit zog der Musiker nach Apolda und hatte auch gleich wieder eine Stelle als Kindergärtner. „Und das macht mir richtig viel Spaß“, sagt er. Wieder so ein Schritt, der den Lebens-Datenträger für die Aufnahme von Neuem geprägt hat. Ohne Umzug wohl kaum ein Apolda-Lied.

 Doch 2011 zerbrach „Pool“, da Musiker zum Studium nach Leipzig abwanderten. „Ich fühlte mich plötzlich allein“, sagt SascH. Doch die Festplatte war nicht geleert. „Mach‘ ich halt auf Solo. Jetzt mache ich mein eigenes Ding“, speicherte Sascha Köhler ab. „Das fühlt sich so gut an“, fügt er hinzu. Eben die ständige Formatierung seines Lebens. Und keine Daten gingen verloren. Sie reihten sich aneinander, wurden ergänzt, flossen in Netzwerke und ergeben zusammen den SascH-­Datenträger.


Apolda-Lied-Legende

 „Weihnachten 2014 sprach ich den Bürgermeister an, ob wir nicht mal ein neues Lied für Apolda machen ­könnten“, erinnert sich SascH. Er fand es gut und die Macher der Landesgarten­schau (LGS) unterstützten das Projekt. Zum Tanz in den Mai 2015 wurde das Lied uraufgeführt und kam im August 2016 per CD in den Handel. Für das Thüringentaglied wurde eine Textzeile im Refrain geändert. „Und es gewann. Ich bin ganz schlimm dankbar, Thüringen vertreten zu dürfen“, freut sich SascH. „Glockenstadt – Das Apoldalied“ erklang zur Eröffnung der LGS mit dem Schulchor der Grundschule Herressen-Sulzbach. Das war wieder so ein Datensatz-­Baustein in SascH‘s Leben.

 Doch das war es musikalisch in diesem Jahr noch nicht für Sascha Köhler. Da ist ja noch das erste Album „Alles was du willst“, welches im Juli rauskommt, mit elf Songs. „An denen habe ich 2015 / 2016 insgesamt ein dreiviertel Jahr geschrieben“, sagt SascH. Es sind Songs in autobiografischer Farbe – Rock mit tiefgründigen deutschen Texten. „Ich wünsche mir, dass beim Zuhören was rüber kommt. Dass sich andere mit ihrer eigenen Geschichte in den Songs wiedererkennen“, sagt Sascha Köhler.

 Auf der CD ist auch der Titel „Schöne kleine Welt“. Er entstand während des „Auschwitzprojektes“ des ­Gymnasiums Bergschule. „Ich war als Betreuer dabei. Ein spannendes Projekt mit komplexen Eindrücken. Richtig toll, was die Schule da bewerkstelligt“, sagt SascH. Und dann ist da ja noch der Titel „Kapitel 2“. „Mein ­Zweites-Leben-Song. Damit habe ich meine Seele gereinigt“, so der Musiker. Und er meint sein neu­­for­matiertes Dasein. „Überhaupt, ich therapiere mich mit der Musik, den Texten selbst. Das tut mir gut. Das sollte mir nie verloren gehen“, wünscht sich SascH, genau wie ­demnächst viel Live-Musik zu machen.

 „Der Neustart ist das beste was mir passieren konnte“, sagt SascH. Er fügt an: „Klar, ich habe Hilfen gehabt, mir wurden ‚Brücken‘ gebaut. Doch letztendlich, müsste man sich viel mehr trauen“, philosophiert Sascha Köhler. Also, wenn bei SascH beim Formatieren seines Lebens seine bisherigen Daten nicht gelöscht werden, sollte er weiterhin Platz für neue schaffen.


Zur Sache

• Der Thüringentag findet vom 9. bis 11. Juni in Apolda statt.
» thüringentag.de

• Oft war zu hören, dass „Glockenstadt – Das ­Apolda Lied“ eine LGS-Hymne sei. Das ist laut Sascha Köhler falsch.

• Für dasThüringentaglied gingen 17 Bewerbungen ein.

• In den Endausscheid kamen: Die Tönsmänner (213 Stimmen), Günter von Dreyfuß (995 Stimmen) und SascH (1153 Stimmen).
» facebook/tönsmänner
» guentervondreyfuss.jimdo.com
» www.saschmusik.de

• Das Apolda-Lied und das Album wurden bei Arne Lakenmacher im Studio produziert. Co-Produzentin ist Lady Catman.

• Mehr zum Auschwitzprojekt:
www.bergschule-apolda.de

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