Diese Woche bin ich Lehrer! Jana Scheidings Online-Tagebuch über einen Ferien-Fotokurs, letzter Teil

Einige meiner Mädchen mit der Collage für Sibylle Müller: v.l. Teodora, Arsina, Jenny, Angela, Samira und Asma.
Apolda: ... |

Besser hätte es „wettertechnisch“ überhaupt nicht laufen können: Wir hatten einen Tag mit Sonne und blauem Himmel für die rote Lutherkirche. Wir hatten einen bedeckten Tag, um die Architektur der Burganlage Apolda herauszuarbeiten. Wir hatten Schnee, um Ziegen und Pferde in Szene zu setzen. Und wir hatten zwei Regentage für Gestaltung und Auswertung.

Heute war nun der letzte Tag meines Ferien-Fotokurses. Die Mädchen schnippelten fleißig Bilder aus, mit denen wir weitere weiße Flecken unseres Seminarraumes bedeckten. Am liebsten hätten sie die Fotos heute schon mit nach Hause genommen, aber wir wollen ja am 22. Oktober, 17 Uhr, eine Ausstellung präsentieren. Eingeladen sind die Familien der Foto-Kinder sowie alle am Projekt Beteiligten und natürlich die Öffentlichkeit.
Zum Abschluss unseres Projektes wollten wir Frau Müller, die sich immer rührend um alles gesorgt und gekümmert hatte, eine Freude machen und uns für den tollen Service bedanken. Wir besorgten uns einen golden glitzernden Papierbogen und klebten darauf die schönsten Momentaufnahmen aus unserem Fotokurs. Verziert wurde das Ganze mit allerlei Herzchen, Schmetterlingen und bunten Steinchen. Ich nahm Sibylle Müller das Versprechen ab, diese mit Herzblut gestaltete Collage in ihrem Chefbüro gut zur Geltung zu bringen.
Heute war zu spüren, dass die Luft allmählich ausging. Die Kinder waren wie aufgezogen und manchmal schwer zu bändigen. Die bisher bravsten Mädchen in meiner Gruppe erkannte ich plötzlich nicht wieder: Sie warfen Papier aus dem Fenster und lärmten im Haus herum. Außer Rand und Band. Ich musste also einige klare Ansagen platzieren: 1. Wir sind nicht allein im Haus; 2. Die Kulturfabrik möge bitte bis auf weiteres stehenbleiben, zumindest bis zum nächsten Ferienkurs.

Alle Achtung vor dem Lehrerberuf


Ich habe heute gelernt, mich in einen Lehrer hineinzuversetzen. Nun müssen Lehrer selten etwas über zehn Kinder hüten, sondern eher das Dreifache. Alle Achtung!, kann ich da nur sagen. Später stellte ich allerdings fest, dass ich mit meinen „Autoritätsproblemen“ keineswegs allein war. Die Arbeit an der Druckerpresse mit Seminarleiter Toni Köhler-Terz verlief auch ziemlich geräuschvoll.
Dennoch kann ich aus der Woche nur ein positives Resümee ziehen. Es macht Spaß, mit Kindern zu arbeiten. Ihre Phantasie gibt im Alter fortgeschrittenen Menschen wie mir neuen Input. Zumindest habe ich das so empfunden. Und diese Erkenntnis zu erlangen, war der Selbstversuch allemal wert. Schön, dass sich Einheimische und Kinder aus anderen Kulturen heute noch ein wenig näher gekommen sind. Sie buchstabierten Worte und sangen gemeinsam das Lied vom ABC… Was heißt „sie“ – von mir haben sie es auch verlangt.
Alles in allem: Wir haben eine schöne und abwechslungsreiche Woche erlebt und alle sicher nicht nur im Fach Fotografie voneinander gelernt. Und die Umarmung zum Abschied zeigt, dass ich als Seminarleiterin wohl gar nicht so übel war.

Der Ferien-Fotokurs ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kreisvolkshochschule Weimarer Land, des Förderkreises Integration und der Kulturfabrik Apolda im Rahmen des TalentCAMPus 2015 .
www.kvhs-weimarerland.de
www.kulturfabrik-apolda.com

https://www.youtube.com/watch?v=ubIyt0qg7YE&feature=youtu.be

Und die Kollegen von der Tageszeitung interessierten sich auch für unser Tun:
http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Talente-Campus-fuer-Kinder-abgeschlossen-1717726750
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