Diese Woche bin ich Lehrer! Jana Scheidings Online-Tagebuch über einen Ferien-Fotokurs, Teil 1

Das sind "meine" Mädchen vor der Lutherkirche in Apolda. Hinten v. l. Asma, Angela, Samira, Amalija. Vorn v. l. Teodora, Jasmin, Helena und Arsina.
  Apolda: ... |

Seit einiger Zeit gibt Emanuel Beer, Chefredakteur des Allgemeinen Anzeigers, in seiner Heimatstadt Gotha Deutschunterricht für Asylsuchende. Mit Erfolg. Emanuel Beer freut sich über die Dankbarkeit der Menschen, denn Sprache ist die größte Barriere in einem fremden Land. Wenn man die Einheimischen nicht versteht, führen viele Wege in die Sackgasse, bleiben viele Möglichkeiten ungenutzt.

Was ist das eigentlich für ein Gefühl, vor einer Klasse zu stehen und erwartungsvoll angeschaut zu werden? Diese Woche probiere ich es aus – als Leiterin eines Ferien-Fotokurses für Kinder. Das ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kreisvolkshochschule Weimarer Land, des Förderkreises Integration und der Kulturfabrik Apolda. Heute war mein erster Tag als Seminarleiterin. Meine Klasse besteht ausschließlich aus Mädchen im Alter zwischen 10 und 12, sechs davon kommen aus Mazedonien, Serbien oder Afghanistan. Gar nicht einfach, alle unter einen Hut - oder auf einen Level zu bekommen. Da stand ich nun und warf mein ausgearbeitetes Konzept über den Haufen. Diese Kinder kann ich mit Theorie nicht zutexten, das spürte ich sofort. Da hilft nur: Kamera schultern und hinaus in die Natur.

Erstes Ziel war die Lutherkirche


Weil die meisten meiner Schülerinnen keine Kamera dabei hatten, durften sie mit meiner üben. Unser erstes Ziel war die Lutherkirche. Sie ist nur einen Steinwurf von der Kulturfabrik entfernt, wo uns Sibylle Müller einen kleinen Raum eingerichtet hat, in dem wir schalten und walten können. Am Freitag werden wir ihn für eine Ausstellung präparieren. Die Werke der Kinder werden dann dort ausgestellt. Die ersten Fotos haben wir heute schon aufgenommen und am Laptop ausgewertet. Wir besprachen zum Beispiel, dass man weder Hände noch Füße abschneidet, und wie man den goldenen Schnitt einhält. Die Mädchen suchten schöne Motive aus und fotografierten sich auch gegenseitig. Da sind lustige Schnappschüsse entstanden. Zwischendurch interessierte sich die Thüringer Allgemeine für uns und wir gaben ein kleines Interview.

Am Nachmittag dienten die Fotos von der Lutherkirche als Vorlage für den Malkurs der Kinder. Bei Seminarleiter Toni Köhler-Terz lernten sie, wie man mit wechselseitig ausgerichteter Schraffur Räumlichkeit darstellt. Das war auch für mich interessant. Was zeichnen und malen betrifft, habe ich mich seit der zweiten Klasse nicht weiterentwickelt. Wenn meine Freundin Gudrun mal ganz traurig ist, holt sie die Prinzessin hervor, die ich irgendwann gemalt habe und wischt sich Sekunden später schon die Lachtränen aus den Augen.

Heute habe ich gelernt, dass Kinder anspruchsvoll sind. Der Lehrer sollte sich nicht zu lange mit einzelnen Schülern beschäftigen, weil den anderen dann schnell langweilig wird und man die Aufmerksamkeit verliert. Man sollte also möglichst wenig Leerlauf in den Unterricht bringen. Eine spannende Sache, solch einen Kurs zu leiten. Aber auch keine ganz einfache. Morgen wollen wir eine Exkursion unternehmen und uns das Apoldaer Schloss vornehmen.

www.volkshochschule-apolda.de
www.kulturfabrik-apolda.de
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 13.10.2015 | 08:13  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 13.10.2015 | 21:51  
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