Eine Reise in die Vergangenheit

Gebstedt: Dorfgemeinschaftshaus | Die Kirche liegt auf einem Hügel. Die Anlage ist Spätgothisch, aus dem 15 Jahrhundert; im Einzelnen: das Mauerwerk des nördlich vom Chor gelegen, viergeschossigen Turmes mit zwei Gesimsen, welche das Erdgeschoss vom ersten Obergeschoss und das zweite vom dritten Obergeschoss trennte, gut erhalten; ferner eine jetzt halb im Boden steckende Spitzbogentür vom Chor zum Turmerdgeschoss, eine Spitzbogenblende außen an der Nordseite des Turmerdgeschoss, je ein schlichtes Vorhangbogenfenster im ersten Turmobergeschoss an der Ostseite und an der Nordseite, einige seiner Fensterschlitze und die großen mit Maaswerken versehen (aber ihrer Zwischenpfosten beraubten) Spitzbogenfenster im dritten Turmobergeschoss. Im übrigen Bau des 18. Jahrhunderts nach dem Brande von 1644; im inneren die an den Seiten flachen, in der Mitte tonnenförmigen Holzdecken über Chor und Langhaus; ferner die großen Flachbogenfenster mit Schlussstein (eines ander Chorostseite, je zwei an der Chorsüdseite und Langhaussüdseite); die rechteckigen Fenster im zweiten Turmobergeschoss; die rechteckige Westtür des Langhauses, darüber außen eine Inschrift-Tafel, aus neurer zeit stammen die zwei Rechteckfenster über dieser Tür, die rechteckigen Türen, welche in der Mitte der Langseiten in das Langhaus führen, und die spitzbogigen Eingangstür an der Nordseite des Turmes. Den Turm deckt eine durch Knicke in das Achteck übergeführte Schweifkuppel, ohne weiteren Aufsatz. ( Hess, in Thüring. Vereins.-Zeitschr. 1865 (VI), S.183. in Kronfeld )

Als Wahrzeichen aus katholischer Zeit befindet sich in der nördlichen Außenwand des Kirchturmes eine eingemauerte Nische (siehe Bild) , die zur Aufnahme eines Heiligenbildes gedient haben wird. Gerade dieser Platz war dazu wie geschaffen. Nach dem Ortskataster führte in alter Zeit an dieser Stelle am Kirchturm ein Weg vorbei, so das jedermann das Heiligenbild sehen sollte und sehen musste. Auch lag bereits der Friedhof um den Turm herum. So das bei Beerdigungen das Muttergottesbild mit den Jesuskind auf die damaligen gläubigen Katholiken trostspendend gewirkt haben wird. Auf dem sogenannten Pfarrberge wohnte schon zur Zeit der Reformation nach alten Urkunden der katholische Pfarrer. Die Pfarrei muß ihm damals von seinen frommen Gläubigen, vielleicht zwecks Vergebung ihrer Sünden, als Eigentum überlassen worden sein; denn die Pfarrei Gebstedt kann bis auf den Heutigen Tag ihren Eigentumserwerb (Besitztitel) nicht urkundlich nachweißen.( Kronfeld)

1590 wurde die erste Glocke von Eckhart Kicher mit einen Durchmesser von 50 cm gegossen. 1593 kam der Taufstein durch eine Stiftung von Kunstheimer und seiner Ehefrau in die Kirche Taufstein; ein Renaissauce- Stil. Achteckiger Fuß; Sockel in Balusterumriss; Becken halbkugelig, achtkantig mit Eiern. 1595 Gedenktafel an der südöstlichen Chorwand oben. Links kniet in Relief ein Geistlicher, rechts eine Frau, Laut lateinischer Lobschrift (A), Pfarrer Theodor Stheim, + 1603, und seine Witwe Elisabeth, die Stifterin der Gedenktafel; über dem Ehepaar ein Gesims, dann ein schmaler Aufsatz mit dem Relief der Taufe Christi, darüber ein Rundbogenfeld mit den Relief Gott Vater als Halbfigur; der Bogengiebel ist cartbuchenartig aufrollt. Das ganze leidlich ausgeführt, von Stein, überweist.

1715 wurde die zweite Glocke von Jon. Sorber in Erfurt, mit Akanthusblätter- Fries mit einen Durchmesser von 65 cm Durchmesser gefertigt. Aus den Jahr 1720 stammt der Klingelbeutel: Platte mit A.D.H. und gravierten Mustern, Silber .1731 wurde die dritte Glocke unter den Insicien Ernst August´s, Herzog etc. von J. Chr. Rose in Apolda, mit Akanthusfries und: S(axo)-W(imaria) VIVAT ET CRESCAT. 90 cm Durchmesser gefertigt .1755 schlug der Blitz in die Kirche, an der Kanzel herunter, zündete zum Glück nicht. 1782 erfolgte eine Stiftung eines Kelchs von Pfarrer F.C. Hennings Kelch: Der Fuß besteht aus vier großen und acht kleinen Schweifungen. Der Schaft geht in den achtheiligen Knauf über; die Kuppe ist Stark geschweift, wie auch der ganze Kelch der 26,5 cm hoch und Silber vergoldet ist. Die Hostienbüchse, in gleicher Weise wie der Kelch gebogen, bei im ganzer ovaler Form, Silber, vergoldet.

1790 wurde im Kirchengewölbe ca. 1000 Taler gestohlen. 1810 ließ Meister E. Michael Müller die kleine Kanzel erbauen. (Die Alte Kanzel ist nach Rastenberg gekommen und im Rectors-Garten zu einer Laube verwendet worden). 1839 hat der Orgelbauer H, Maurer den Acord zu einen neuen Orgelwerk abgeschlossen. Ebenfalls wurde die Turmfahne und Spindel durch den Schlossermeister Drescher zu Apolda gefertigt, Zimmermeister Carl Schwarz setzte den Knopf und die Fahne wieder aufs Dach. 1845 am 22. Juli starb J.M. Petri im 79 Lebensjahr
als Pfarrer von Gebstedt sein Bildnis befindet sich noch heute im Jahr 2010 in der Kirche .1847 wurde das alte Pfarrhaus abgerissen. 2.Nov.1847 feierte die Kirche ihr 100jähriges Jubelfest es wurden 15 Taler und 22 Silbergroschen durch Spenden von den Einwohnern gesammelt 1848 wurde das Kirchendach neu umgedeckt und 1849 wurde der Grundstein für das neue Pfarrhaus gelegt. Und der Kirchturm wurde im Sommer von Schieferbaumeister Kötschau aus Weimar mit Schiefer gedeckt. 1850 war das Pfarrhaus durch den Zimmermann Prießer zu Willerstedt für 2208 Mark fertig gestellt worden.

1851 am 29.März früh 1.00 Uhr wurde der Gemahlin unseres Erbgroßherzog Karl Alexander Johann eine Tochter glücklich entbunden und auf dem Namen Maria Anna Sophie Elisabeth Ida Bernhardine Augusta Helene Amalia Charlotte getauft.
Am Palmensonntag den 4 April 1852 früh gegen 1 Uhr verschied nach 6tägigen Leiden an einen langen Schlag die Gemahlin von Bernhard von Sachsen- Weimar, geborene Prinzessin von Sachsen-Meiningen und wurde am 7 April früh 8.00 Uhr in der Großherzoglichen Familiegruft beigesetzt. Ihr Gemahl weilte zu dieser zeit in Italien, wo er seit Februar 1848 als „Niederländischer Militärcovanöur gewesen war. Am 27.Mai 1852 wurde eine Abschiedsfeier mit allen Einwohnern von Gebstedt für die nach Nordamerika auswanderten gehalten. Am 3.Juni 1852 traten die Auswanderer ihre Reise an die Nordsee an, Sie wurden von den Gebstedter Einwohnern mit den Pferdegespann nach Bad Sulza zum Bahnhof gefahren , am 7. Juni ging die Seereise mit den Schiff los. Es waren Fam. Friedrich August Beyer mit 4 Kindern, Witwe Marie Hänske mit 5 Kindern die erwachsen waren, Fam. Johann Christian Koch mit 3 Kindern, Fam. Johann Gottfried Koch mit 2 Kindern, Fam. Johann Gottfried Ferdinand Schiller mit einer angenommenen Tochter seinens Bruders aus Umpferstedt und Fam. Friedrich August Schiller mit 6 Kindern.
Am 19 Mai 1853 wurde in Weimar die feierliche Vermählung der Prinzessin Amalia Herzogin zu Sachsen-Weimar Tochter Herzogs Bernhard mit den Prinzen Heinrich der Niederlande in der Schlosskapelle vollzogen . Am 15. Juni wurde im ganzen Land zu Folge Hoher Verordnung ein Kirchliches Dankfest wegen des 25jährigen Regierungsjubiläums unseres geliebten Großherzog Carl Friedrich gefeiert.
Im Ort wurde ein Freudenfest so begangen, mit den dritten Läuten mit allen Glocken Vormittags 10.00 Uhr zog die hiesige mit Kränzen und Bändern geschmückte Schuljugend, an deren Seite ein Musikchor welches mit Blasinstrumenten den Gesang des Liedes : „Lobe den Herrn“ und mehr begleitet von der Schule aus an die Kirche es folgte dem Zuge der Lehrer , der Geistliche und mehrere Gemeindemitglieder Männer und Frauen. Durch den mit Fichten und Birkenbäumchen gesetzten Hauptweg trat der Festzug in die Kirche. Der Altar war mit Immergrüngebinde und natürlichen Blumen in Zöpfen geschmückt, die Kanzel und das Kanzelpult mit Immergrüngewinde und Blättern. Neue dunkelblaue Tibetvorhänge, zu Ehren dieses Festes vom Kirchenvermögen erkauft, zierten die 3 Bogen neben und über der Kanzel, ein Kanzelvorhange selbst erhält für Spätere Zeit das Andenken an dieses schöne Fest, welches in hiesiger Gemeinde mit allgemeiner herrlicher Freude und Teilnahme begangen ward , folgende mit gelber Dreh-Seite gestickte Inschrift / gestickt von des derzeitigen Pfarrers Schwester Jungfrau Auguste Kästner.

1871 wurde die Kirchenhofmauer gebaut 1877 wurde die im inneren restaurierte und neu gemalte Kirche und die vom Hoforgelmeister Foertsch aus Blankenhain neue Orgel gebaut. 2. Mai 1886 wurde der Knopf abgenommen und der Blitzableiter angebracht. 1918 wurde der Blitzableiter und die Glocke durch das Kaiserreich beschlagnahmt. 1921 wurde die Wetterfahne durch ein Unwetter herabgeschmettert. 1922 beschloss der Kirchenrat, die Wetterfahne wieder auf dem Turm anbringen zu lassen. 1.Nov.1922 nahm der Dachdeckermeister Karl John aus Buttstädt die noch auf dem Turm vorhandenen Bestandteile nebst dem Turmknopf her runter. In den Turmknopf befand sich ein langes, offenes Bierglas, in welchen 3 Urkunden lagen, lose mit Papier umwickelt. Die kleine Bronzeglocke wurde als Ersatz für die im Kriege eingebüsste Glocke aufgehängt.

1948 beklagt der Pastor von Gebstedt beim Zusammentreffen der Pfarrer in Buttstädt mit seinen Amtskollegen den großen Schwund der Kirchengemeinden und nach der Meinung einiger Pfarrer ist die Ursache in der großen Zuneigung des Abglaubens zusehen die Pfarrer schreiben in ihren Chroniken von Tierbesprechungen, Kartenlegen und Sternedeutung vor allen Pastor Ernst Modersohn in seiner Schrift „Im Banne des Abglaubens“ 1954 wurde erneut der Turmknopf heruntergenommen. 8.Juni 1954 haben die Arbeiten am Turm durch den Dachdecker Teubner aus Weimar begonnen.
1993 wurde ein Turmknopffest gefeiert und die Wetterfahne und der Turmknopf wieder aufgesetzt.

Namen der Pfarrer seitens unserer Reschere
Dietrich Stheim (1585-1598), Johann Ranis (1624-1627), Georg Rost (1627-1629), Christian Hoskenius (1641)

Namen der Pfarrer laut Kirchenbuch in Bad Sulza
Joh. Andreas Franke (1644-1666),
Jakob Müller (1666-1693 + 59 Jahre),
Lambert Vent (1693-1696),
Joh. Friedrich Hain (1696-1706 + 68 Jahre) ,
Andras Tschipau (1706-1719 + 46 Jahre ),
Joh. Christian Henning (1719-1738 ging nach Bad Berka),
Peter Fischer unter Ihm wurde die Kirche neu aufgebaut, durch Zimmermann Michael Reise aus Rohrbach (1738-1754 +55 Jahre),
Otto Meltzer (1755-1769 +67 Jahre),
Carl Christian Wangemann (1769-1781 wegen Streitigkeiten abgesetzt ),
Christian Friedrich Henn ; Die Holz und Obstanpflanzung in Gärten und Wiesen von Gebstedt sind sein Werk (1781-1800),
Friedmann Jacob Göbel (1800-1805),
Christian Christoph Günther (1805-1808 + 48 Jahre),
Gottlieb Friedrich Biber (verstarb am 29.März 1809 bevor er das Amt übernahm), Pastor Petri aus Buttstädt (1809- 1845 +22 Juli 1845), verwaltet vom Kirchenamt Weimar (30. Mai 1846- 1851) ,
Christian Wilhelm August Kästner Er ist von seiner königlichen Hoheit zu Weimar zum Ritter zweiter Abteilung des Großherzoglichen Hausorden laut Diplom von 25. Juli 1884 verliehen hat (1851-1884),
E. Thoelle der Pfarrer von Nirmsdorf/ Ködderitzsch verwaltete die Stelle bis 1. Okt. 1887,
M. Jacobi (1887- 1903),
Otto Ape (1903- 1920),
Ludwig Schubert ( 1921-1938),
Hjalmar Carlson im Untersuchungsgefängnis (KZ),
Eberhard Roth ( März 1939 – 31.August 1939 ),
Heinrich Daum (1939-1947),
Friedrich Rudolf Hirzler (1947-1951),
Ernst Alberti (1951-1952),
Knut Göttschink (1952-1956),
Stefhan Donik (1956-1964) ,
Peter Bechmann Rudersdorf und Gebstedt (1965 –1967, 1967-1976 dann nach Camburg) ,
Eberhard Laukner (1977-1981),
Herr Kircheis (1983-1993) ,
bis heute Christine Osritz

Dies ist nur ein kleiner Einblick in die Geschichte von Gebstedt. Weitere Einzelheiten zur Entstehung der Ortschaft Gebstedt erfahren Sie in der Ortschronik von Gebstedt. Ich wünsche Ihnen jetzt schon viel Spaß beim Lesen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
13.094
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 25.09.2012 | 17:51  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige