Erst zum Pilzberater, dann in die Küche - rät Wolfgang Herzig aus Apolda

Wolfgang Herzig hat einen Riesenporling gefunden.
 
ein kegeliger Saftling, schwach giftig
Apolda: Utenbacher Straße 79 |

Seit über 40 Jahren arbeitet Wolfagn Herzig aus Apolda als Pilzberater. Rund 1000 Pilzarten kennt er und hat sogar eine ganz neue entdeckt.

Vor Eichen soll man weichen! Der Rat gilt nicht nur bei Gewitter. Unter dem deutschen Traditionsbaum sollen auch vorzüglich Giftpilze gedeihen. So zumindest berichtet es Wolfgang Herzig aus Apolda. Er kennt sich aus. Seit seiner Kindheit sammelt der 68-Jährige Pilze. Rund 1000 Arten kennt er: „Die habe ich alle in meinem Döskopf.“

Leichtsinnig wird der ehemalige Lehrer und Berufsmusiker dadurch aber nicht. Ist er sich unsicher, schaut auch er in einem Bestimmungsbuch nach oder nimmt ein Mikroskop zu Hilfe. Schließlich trägt er Verantwortung. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für Fremde. Denn Herzig arbeitet seit 1981 als Pilzberater. Manchmal, so erzählt er, stehen die Leute bei ihm bis auf den Flur. Es stört ihn nicht. Im Gegenteil: Niemand sollte sich scheuen, zum Berater zu gehen, lautet sein Rat.

Auch Giftnotzentrale fragt um Rat


Nicht jeder nutzt das Angebot, obwohl es kostenlos ist. Dass merkt Herzig, wenn wieder einmal die Giftnotzentrale bei ihm anruft und um Rat fragt. Aber im Nachhinein ist es immer schwierig zu bestimmen, welcher Pilz eine Vergiftung verursacht hat. Bisher hat er aber immer helfen können.

Lila Zwergschuppen-Wulstling entdeckt


Sein Fachwissen erweitert Herzig stetig. In der Pilzsaison ist er fast jeden zweiten Tag im Wald. „Ich laufe dann nur gebückt durch die Gegend.“ Fündig wird er immer, auch in mageren Zeiten. Manchmal entdeckt er sogar eine kleine Sensation. In Müllershausen bei Blankenhain hat er den ersten lila Zwergschuppen-Wulstling in Deutschland entdeckt. Der Fund wurde zwischenzeitlich von einem Fachmann bestätigt. Zudem hat Herzig dabei geholfen, die Großpilze im Weimarer Land zu kartieren. Unter seiner besonderen Beobachtung steht zudem der Friedhof in Apolda. Hier untersucht er, wie Klimawandel und Schadstoffe das Pilzvorkommen beeinflussen.

Pilzunterricht an Schulen gefordert


Rund 70 Pilzberater gibt es in Thüringen. „Davon ist aber höchstens die Hälfte noch aktiv“, so Herzig. „Unsere Zunft stirbt aus.“ Deshalb würde er gern sein Wissen an Jüngere weiter geben, Kurse durchführen. Doch es mangelt an Unterstützung. Weder Landratsamt noch Volkshochschule haben ihn bisher bei der Umsetzung geholfen. Deshalb wünscht er sich, dass im Biologieunterricht zumindest die sieben tödlichen Pilzarten behandelt werden.


Zur Person

+ Wolfgang Herzig ist Lehrer für Deutsch und Kunsterziehung, war später als Berufsmusiker tätig. Noch heute steht er ab und an auf der Bühne, gibt zudem privat Musikunterricht.
+ Herzig ist Mitglied in der britischen mykologischen Gesellschaft und der Thüringer Arbeitsgemeinschaft Mykologie.
+ Sein größter Pilzfund war ein Riesenporling in Bad Berka. Er hatte einen Durchmesser von 1,80 Metern.
+ Besonders gern isst er panierten Schwefelporling. Er schmeckt nach Hühnerfleisch und wächst unter Obstbäumen.
+ Zu Herzigs Lieblingspilzen zählen die Krause Glucke, ein Speisepilz, sowie der Tintenfischpilz. Er sieht aus wie eine Krake, ist allerdings ungenießbar. Ursprünglich stammt er aus Australien und verbreitet sich immer mehr in Thüringen und Sachsen.

Zur Sache

+ Thüringen ist reich an Pilzen. Allein 300 Speisepilzarten kommen hier vor. Der geologische Untergrund aus Muschelkalk und Buntsandstein sind dafür verantwortlich.
+ Besonders gute Pilzgegenden sind die Region um Blankenhain, das Holzland, der Südharz und der Thüringer Wald.

Kontak

Wolfgang Herzig führt täglich, von 11 bis 13.30 Uhr Pilzberatungen in der Utenbacher Straße 79 in Apolda vor, abends nach Vereinbarung unter Tel. 03644/5731721 oder 0177/9701322 sowie unter der E-Mai-Adresse wolfgang-herzig@gmx.de.
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Harald Schnöde aus Apolda | 12.12.2015 | 08:59  
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