Bildungs- und Teilhabepaket: Meist gibt's was auf den Tteller

Gesprächspartnerin Anke Schmidt. Sie leitet das Sozialamt des Weimarer Landes.
 
800 000 Euro gab der Landkreis bisher für das Bildungspaket aus. Meist wird das Mittagessen bezuschusst. Foto: Torsten Silz (Foto: Steinfeld)
Apolda: Bahnhofstraße | Es ist nicht leicht, in einem Elternhaus groß zu werden, das beständig mit Geldsorgen zu kämpfen hat. Die Ursachen sind vielschichtig: Die Eltern beziehen Hartz IV oder verdienen so wenig, dass sie auf Wohngeld oder einen Kinderzuschlag angewiesen sind.

Vor zwei Jahren, am 1. April 2011, trat das Bildungs- und Teilhabepaket in Kraft – rückwirkend zum 1. Januar 2011. Es soll Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus benachteiligten Familien finanziell fördern und damit Ausgrenzungen vermeiden. Wie das Programm im Landkreis Weimarer Land umgesetzt wird, darüber sprach AA-Redakteurin Simone Schulter mit Anke Schmidt. Sie leitet das Sozialamt in der Kreisverwaltung.


Frau Schmidt, wie viele Kinder sind bisher über das Bildungs- und Teilhabe­paket im Landkreis gefördert worden?
Seit dem Start im Jahr 2011 waren es insgesamt 2244 Kinder und Jugendliche. Bisher gab der Landkreis rund 800 000 Euro für das Paket aus. Zumeist werden die ­Anträge für Kindergartenkinder und Schüler gestellt.

Welche Leistungen können finanziert werden?
Es können die Kosten für Kindergartenausflüge und Klassenfahrten übernommen werden. Gezahlt werden die Kosten zur Schülerbeförderung, sollte kein Dritter dazu verpflichtet sein. Zudem gibt es 100 Euro pro Schuljahr für Schulmaterialien: 70 Euro zum Schuljahresstart und noch einmal 30 Euro im Februar. Das Mittagessen kann bezuschusst werden. Allerdings müssen die Eltern einen Eigenanteil von einem Euro tragen. Der Rest wird übernommen. Für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben kann bis zu 10 Euro im Monat für die Mitgliedschaft in Vereinen oder den Musikunterricht beantragt werden. Auch notwendige Nachhilfe wird finanziert.

Welche Leistungen werden im Landkreis beantragt?
Die Hälfte der Anträge betrifft Zuschüsse zum Mittagessen. Dafür gaben wir bisher etwa 300 000 Euro aus. Der zweitgrößte Förderschwerpunkt ist der Schulbedarf, gefolgt von Zuschüssen für Kindergartenausflüge und Klassenfahrten. Bis auf die Zuschüsse für den Schulbedarf und die Schülerbeförderung werden die Gelder allerdings nicht direkt an die Eltern ausgezahlt, sondern beispielsweise an die Vereine, Musikschulen oder Essenversorger überwiesen.

Konnten Kinder und Jugendliche durch das Bildungs- und Teilhabe­paket verstärkt für Vereine gewonnen werden?
Für Vereinsmitgliedschaften haben wird bisher 56 000 Euro ausgegeben. Die ­Gelder flossen aber zumeist für Kinder und Jugendlichen, die bisher schon in Vereinen organisiert waren. Ich habe allerdings nicht die Resonanz erhalten, dass Kinder und Jugendliche verstärkt in die Vereine gegangen sind, nur weil diese Kosten übernommen werden.

Wie hoch ist der Aufwand, um Leistungen zu ­beantragen?
Auf jeden Fall muss jede Leistung separat beantragt werden. Dazu ist eine Kopie des aktuellen Bewilligungsbescheides über Hartz IV oder Wohngeld beziehungsweise Kinderzuschuss einzureichen und ein Antragsformular auszufüllen.

Wie lange werden diese Leistungen bewilligt?
Der Bewilligungszeitraum deckt sich mit dem für Hartz IV beziehungsweise der anderen Leistungen.

Wie lange dauert es, bis ein Antrag bearbeitet ist?
Die Bearbeitungszeit liegt bei zwei Wochen.
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