Trägerwerk Soziale Dienste beerbt die AWO

Bernd Zornow ist Sachgebietsleiter im Jugendamt des Weimarer Landes.
Apolda: Bahnhofstraße | Zum 31. Dezember hatte sich die Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Träger der Erziehungsberatungsstelle im Weimarer Land zurückgezogen. Einschneidende finanzielle und strukturelle Kürzungen durch das Landratsamt Apolda gab die AWO für diesen Schritt an. Als gesetzlich verankerte Pflichtleistung des Landkreises muss das Beratungsangebot für Eltern, Kinder und Jugendliche in problematischen Situationen aber auch künftig vorgehalten werden. AA-Redakteurin Simone Schulter sprach über dieses Thema mit Bernd Zornow, zuständiger Sachgebietsleiter im Jugendamt des Weimarer Landes.

Herr Zornow, ist ein Träger gefunden worden, der eine neue Erziehungsberatungsstelle für den Landkreis aufbaut?
Nach der Kündigung der AWO als alten Träger mussten wir die Leistung neu ausschreiben. Am 7. Januar konnte sich der Jugendhilfeausschuss dann auf einen neuen Träger einigen. Nach der Bewertung aller eingereichten Konzepte hat sich der Ausschuss für das Trägerwerk Soziale Dienste entschieden.

Wann wird die neue Beratungsstelle ihre Arbeit aufnehmen können?
Das Trägerwerk Sozial Dienste ist jetzt in der Pflicht, die Arbeitsplätze auszuschreiben und Personal auszuwählen. Wir als Jugendamt wünschen uns, dass die neue Beratungsstelle am 1. März eröffnet werden kann.


Was gab den Ausschlag für das Trägerwerk Soziale Dienste?
Es handelt sich um einen anerkannten Träger in der Jugendhilfe, der sich auf dem Gebiet der Jugend- und Sozialhilfe in vielen Bereichen engagiert. Er betreibt Kindereinrichtungen, unterhält zudem stationäre und teilstationäre Hilfen für Kinder und Jugendliche. Zusätzlich ist das Trägerwerk bereits für zwei Erziehungsberatungsstellen, in Gera und im Ilmkreis, zuständig. Es gibt also Erfahrungen auf dem Gebiet.

Welche Anforderungen haben Sie gestellt?
Wir wollen, dass in der neuen Beratungsstelle ein multiprofessionelles Team mit mindestens drei Mitarbeitern tätig wird. Erwartet wird nach Vorgaben des Landes Thüringen die Einstellung eines Psychologen und weiterer Sozialarbeiter. Wie die Arbeit im Detail aufgeteilt wird, ob Vollzeit oder Teilzeit, ob Honorarkräfte hinzugezogen werden, all das muss der Träger selbst entscheiden.

Steht der Standort bereits fest?
Ja, die Beratungsstelle wird sich in der Stobraer Straße 2, im ehemaligen Finanzamt befinden.

Das sind weiter Wege für Bürger aus dem südlichen Landkreis.
Uns ist wichtig, dass Beratungen im gesamten Landkreis angeboten werden. Es soll deshalb dezentrale Gesprächsangebote geben, so dass nicht jeder nach Apolda fahren muss. Das Trägerwerk Soziale Dienste stellt dafür Räumlichkeiten in seinen Kindereinrichtungen zur Verfügung.


Spart der Landkreis durch den Wechsel von der AWO zum Trägerkreis Soziale Dienste?
Es gibt einen Projektpreis, der zuletzt auch der AWO zur Verfügung stand. Für uns ist ausschlaggebend, die Pflichtleistung Erziehungsberatung zu erbringen. Wir sehen uns als Dienstleister gegenüber dem Bürger des Kreise Weimarer Land. Da es bereits im vergangenen Jahr Kürzungen gab, stellt sich die Frage des Sparens nicht. Ich würde es für fatal halten, wenn man in diesem Bereich nochmals Gelder streicht. Solche Entscheidungen sind aber politischer Natur. Wir als Sozialarbeiter können sie nicht beeinflussen.


Wie werden derzeit Ratsuchende betreut?
Wir als Jugendamt haben versucht, im Rahmen unserer Möglichkeiten das fehlende Beratungsangebot für die ehemaligen Klienten der AWO zu kompensieren. So genannte begleitende Umgänge von Kindern und getrennt lebenden Elternteilen konnten wir allerdings nicht anbieten Da sind wir an unsere Grenzen gestoßen. Das sehen wir sehr kritisch.


Eine zu lange Übergangszeit von einem zum anderen Träger also?
Ja, aus unserer Sichte hätte es schneller passieren müssen. Eine Entscheidung des Jugendhilfeausschusses über die Vergabe der Erziehungsberatungsstelle am 10.12.2012 wäre von Vorteil gewesen.


Wohin können sich derzeit Familien wenden, die Hilfe in Fragen der Erziehung suchen beziehungsweise Rat brauchen bei Trennung oder Scheidung?
Diese Familien können sich direkt ans Jugendamt wenden. Ich bin unter der Rufnummer 03644/540560 zu erreichen und werde die Betreffenden an die zuständigen Mitarbeiter weiterleiten. Wer nicht mit uns in Kontakt treten möchte, Berührungsängste hat, kann sich später direkt an die neue Erziehungsberatungsstelle wenden. Das gilt auch jene Klienten der AWO, deren Beratung und Begleitung noch nicht abgeschlossen wurde. Unser Anspruch ist es, dass diese Bürger nahtlos weiter betreut werden.
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