Wie rechnen eigentlich Juroren, Herr Danz?

Auf ein Neues. Die Garde des AKC zur Thüringen Meisterschaft 2014 in Meiningen. Morgen und übermorgen wird in Erfurt erneut um Titel gekämpft.
 
Michael Danz mit AKC-Tanzmariechen Maria.
Karnevalistischer Tanzsport ist ein Hochleistungssport und wird längst nicht mehr belächelt. Dementsprechend trainieren Jugend, Junioren und Aktive das ganze Jahr hindurch. Groß ist der Aufschrei engagierter Eltern, wenn die Juroren bei Turnieren nicht die erwartete Punktzahl vergeben. Schnell wird dann Parteilichkeit unterstellt.
Von Michael Danz, Präsident des Landesverbandes Thüringer Karnevalvereine und Vizepräsident im Bund Deutscher Karneval (BDK), erfuhr ich unter anderem, wie es zu Wertungsdifferenzen und Punktabzügen kommt.


Turniergäste können die Bewertung oft nicht nachvollziehen. Handeln die Juroren subjektiv?
Dafür bleibt ihnen kein Spielraum. Man muss wissen, dass die Juroren nicht auf-, sondern abwerten. Das heißt: Jeder Meisterschaftsteilnehmer geht grundsätzlich mit 100 Punkten auf die Bühne, wovon dann Fehler abgezogen werden. Ein Lapsus beim Aufmarsch kostet fünf Punkte. Wenn dann noch Synchronität, Uniformen, Schminke oder Lückenschluss nicht stimmen, gehen weitere Punkte verloren. Die Juroren haben nichts davon, jemanden zu übervorteilen. Sie verdienen mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit keinen Cent. Ich stehe zu 100 Prozent hinter ihnen, weil ich dieses Engagement für den Sport anerkenne, den Job selbst aber nicht machen möchte.

Warum nicht?
Ich glaube, bei mir würden alle Teilnehmer 100 Punkte bekommen. Ich staune immer wieder, was sich die Trainer ausdenken und wie die Sportler diese Ideen umsetzen. Natürlich verstehe ich die emotionale Reaktion der Eltern, aber sie tun den Juroren mit Unmutsäußerungen Unrecht. Hinzu kommt, dass der Laie eine andere Sichtweise hat als der Profi. Daher finde ich es sehr beachtlich, wie gut die meisten Trainer und Aktiven mit den Bewertungen umgehen.

Müssen die Juroren selbst aktiv gewesen sein?
Ja. Außerdem bildet der BDK sie aus. In den Schulungen werden Änderungen der Tanz-Turnierordnung besprochen, aber auch Trends und Richtungen bezüglich der Musik. Das ist insbesondere für die Showtänze von Belang.

Was muss ein Showtanz bieten, um hoch bewertet zu werden?
Er muss eine Geschichte erzählen, die jeder Mensch versteht. Showtanz ist Farbenfreude, bildlicher Tanz und mitreißende Musik. Das alles muss passen. Unpassend finde ich harte Musikschnitte, oder wenn zu viel Musik in den Tanz gepackt wird.

In der Tanz-Turnierordnung steht unter Punkt 4, dass unter anderem anspruchsvolle Schrittkombinationen, Drehungen und Sprünge zu höherer Bewertung führen. Also doch Spielraum für subjektive Entscheidungen?
Im Umkehrschluss kann ich natürlich auch abziehen, wenn genau diese Elemente fehlen.

Wie kommt es zu Punktedifferenzen von mehr als zehn für ein- und denselben Tanz?
Weil die sieben Juroren den Auftritt aus verschiedenen Perspektiven erleben. Der links Sitzende sieht nicht alles, was im rechten Flügel falsch läuft und umgekehrt. Die Streichwertungen sollen das ausgleichen.

Wie oft geben die Juroren 100 Punkte?
Sehr selten, weil das ja bedeutet, dass der Tanz fehlerfrei und perfekt war.


Zur Sache:
Die Juroren werden vom BDK für Turniere gestellt, ausgewählt und geschult.
Ein Juror darf nicht zwei Jahre hintereinander das gleiche Turnier bewerten.
Pro Auftritt gibt es sieben Wertungen, höchste und niedrigste Punktzahl entfallen (Streichwertung).
Obmann/Obfrau sind Chef der Jury, Ansprechpartner für den Veranstalter und treffen Entscheidungen (Wiederholungen, Disqualifikationen et cetera)
Zugrunde liegt die Tanz-Turnierordnung des BDK.
Zugelassen wird eine Garde ab sechs Mitwirkenden.
Ein Schautanzthema darf zwei Jahre bei Meisterschaften vertanzt werden, beim dritten Mal drohen Punktabzug oder Disqualifikation.

www.karnevaldeutschland.de
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