Burg mit Zukunft

Die Wasserburg in Niederroßla.
 
Die Burg um Modell.
Niederroßla: Wasserburg | Wer sich fragt, warum Rapunzel nicht fliehen konnte aus ihrem Turm, der findet die Antwort in Niederrroßla. Zwei Türme zieren den Ort, der Kirchturm und der Bergfried. Letzterer gehört zur Wasserburg, deren Wassergraben aber seit Jahren verfüllt ist.

Der Bergfried gilt mit seinen 57 Metern als der höchste in Deutschland. „Bei klarer Sicht kann man aus der Turmstube heraus bis nach Kapellendorf sehen“, schwärmt Ernst Preller vom Burg- und Heimatverein. Doch der Weg hinauf ist allerdings beschwerlich. Erst muss man den Torsims ersteigen, von dort geht es über eine Leiter durch eine höher gelegene Tür in den Turm. Einen bequemen Ein- und Ausgang gibt es nicht – so wie bei Rapunzel.

 Doch so soll es nicht bleiben. Die Niederroßlaer möchten den Turm für Touristen zugänglich machen. Zwei Wendeltreppen, hinaus zum Torbogensims und dann hinein in den Turm, sollen den Zugang erleichtern. 85 000 Euro sind für den Umbau notwendig. Die Gemeinde als Eigentümer der Burg hofft, dass zwei Drittel der Kosten über Fördermittel abgedeckt werden können. „Die Aussichten sind gut“, gibt sich Bürgermeister Andreas Trübner optimistisch. In zwei Jahren will man es geschafft haben.

Bis dahin sind aber weit wichtigere Arbeiten abzuschließen. Am 1. April 2008 stürzte der Nord-Ost-Giebel der Burganlage ein. Die Außenwände konnten bereits neu errichtet werden. Die abschließende Dachkonstruktion fehlt aber noch. Auch im Ostgiebel gibt es viel zu tun. Während die restliche Burg zwischen 1966 und 1972 durch Feierabendbrigaden saniert wurde, fehlte für den Ostgiebel damals das Geld. Heute ist dieser Gebäudeteil nur notgesichert. Alle Holzbalken sind morsch, müssen ersetzt werden. Das Mauerwerk ist porös.

In den nächsten Jahren soll sich die Wasserburg zum kulturellen und politischen Zentrum im Ort entwickeln. Schon heute können die ortsansässigen Vereine die Räume im Westflügel nutzen. Auch der Bürgermeister hat dort sein Büro. Die Turnhalle in der ehemaligen Kapelle wird gut genutzt. Der Ostflügel hingegen liegt brach.

Doch die Gemeinde sowie die Mitglieder des Burg- und Heimatvereins haben Visionen. Sie möchten hier moderne Sanitäranlagen einbauen, dazu ein Treppenhaus zum Rittersaal im Nordflügel und einen Fahrstuhl. Der soll den Zugang zum Rittersaal auch für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer ermöglichen.

Auch die Bohlenstube aus dem 16. Jahrhundert, die sich im Obergeschoss des Ostgiebels befindet, soll saniert werden. 350 000 Euro sind allein für die Sanierung des Ostflügels notwendig – ohne die gewünschten Einbauten. „In den nächsten drei Jahren wollen wir das schaffen“, gibt Ernst Preller ein Etappenziel vor.

Visionen haben er und seine Mitstreiter auch für das Kellergewölbe. „Das könnte museal genutzt werden“, umschreibt Bürgermeister Trübner eine der Ideen. Auch als Gaststätte kann er sich die Räume vorstellen.

Gastronomisch will man Besuchern schon in Kürze etwas anzubieten haben. Die Wasserburg liegt unmittelbar am Ilmradweg. Viele Radfahrer rasten an der Burg. Für sie wird derzeit im Torwärterraum eine Schenke eingerichtet. „Die soll von einem Pächter saisonal betrieben werden“, blickt Preller in die nahe Zukunft.
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