Alles so schön bunt hier

Ein alter Wildwest-Groschenroman, welchen ich gelesen habe (Ja ja, Jugendsünden), begann mit den Sätzen: "Diese Stadt ist wie eine alte Hure, die sich für den letzten Freier geschminkt hat. - Grell, bunt und erst auf den zweiten Blick sieht man die Falten unter der Tünche."
Marseillan Plage wirkt genauso wie solche Westernstädte: In der Saison bunt und laut, voller Bling-Bling-Läden, billigen - und wenn man weiß wo, auch guten und etwas teureren Restaurants - und allem, was das Touristenherz braucht.
Ab Mitte September aber wandelt sich das Bild und die Goldgräber- wird zur Geisterstadt. Spätestens wenn das Bresscadou - Frankreichs größtes Harleytreffen - zuende geht, schließen die meisten Läden bis zum kommenden Jahr. Es fehlen nur der rollende Ginsterbusch und der Mexikaner, der einsam in der Ecke auf seiner Mundharmonika spielt, um die Illusion perfekt zu machen.
Aber bis dahin High-Live in Dosen und wen stört es, dass die Läden Baracken sind, wenn vierzehn Killometer ununterbrochener Strand zur Verfügung stehen. Dazu ein Meer, das so flach ist, dass selbst Dana über 50 Meter ins Wasser laufen kann, ohne dass es ihr über die Brust reicht.

Und dann gibt es noch den Markt. Eigentlich die Märkte. Einen täglichen mit Obst und Gemüse, auf dem der Bäcker seine Kuchen anbietet und Mari - die selbsternannte Königin der Oliven - lautstark ihre Ware anpreist. Und dann gibt es den wöchentlichen großen Markt. Heute ist Markttag und Jana verfällt dem Konsumrausch. Über 500 Meter reihen sich bunte Stände aneinander. Tücher,Taschen, Uhren, Schnickeldies, Strandkleider, Seifen, Gemüsehobel, Gummibärchen (hab ich schon erwähnt, dass französische Gummibärchen besser schmecken als deutsche, auch wenn sie ebenfalls von Haribo kommen?)... (Anmerkung der vermeintlich Kaufsüchtigen: eine bunte 5-Euro-Uhr für Danchen und ein paar Kleinigkeiten nennst Du Kaufrausch? - Da hast Du mich aber noch nicht wirklich in Aktion erlebt!)

Nachmittags dann Strand. 70 Meter breit, 14 Kilometer lang flach. Der ideale Kinder- und Familienstrand mit weißem, feinkörnigem Sand. Das Wasser warm (24 Grad), ohne spürbare Gezeiten und nur mäßigem Wellengang.
Genügend Raum, dass auch in der Hochsaison keiner Platzangst haben muss. Flächen, auf denen man Volleyball oder Fußball spielen kann, ohne dem Nachbarn übers Handtuch latschen zu müssen, ab und zu ein fliegender Händler, der gutgelaunt mit improvisierten Liedern und Tänzen seine Beignets - mit Apfelmus gefüllte Berliner - (Anmerkung der Hauptabnehmerin: ein Genuss, vor allem, weil der Typ so schnuckelig war) anpreist und jede Menge Material zum Sandburgenbauen.
Das Buddeln hat Dana dann auch ausgiebig genossen. Abendessen: Geflügelgeschnetzeltes, Reis und Gurkensalat. Garantiert Janabissig.
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