Anne Löpers Spuren im Sand. In Arnstadt zeigt die Göttinger Künstlerin, dass man auf Sand durchaus bauen kann

So entstehen Anne Löpers Kunstwerke. Dafür benutzt sie feinen Sand aus der Wüste Gobi. (Foto: Oliver Reetz)
 
Dass man mit Sand wunderbare Kunstwerke erschaffen kann, entdeckte Anne Löper zufällig bei ihrem Kunststudium. (Foto: Oliver Reetz)
Arnstadt: ... |

Wie bei Edgar Wallace: Ein Kunstwerk ist bei Anne Löper eine Sache von mehreren Tassen Tee.
Zu den Künsten in Haus und Hof führt die Göttinger Künstlerin ihre Sandvorstellungen in der Emil-Petri-Schule Arnstadt auf.
Anne Löper: "Meine Kunst ist nicht vergänglich. Ich kann sie ja fotografieren."

Der Schriftsteller Edgar Wallace soll - während er einen Krimi schrieb - literweise schwarzen Tee getrunken haben. Eines Tages rief sein Verleger an und fragte, wann mit dem neuen Buch zu rechnen sei. Wallace: "Ich denke, es ist eine Frage von 70 Tassen Tee."
Bei Anne Löper ist es eine Frage von grünem Tee. Denn damit inspiriert sie sich für ihr Tagwerk. Allerdings schreibt sie keine Bücher und muss somit auch keine Verleger hinhalten. Die Künstlerin wohnt in einem wildromantischen Kirschblütental an der Werra und baut ihre Existenz auf Sand. Täglich neu und täglich anders.
Anne Löper ist Sandmalerin. "Ich nenne es bewegte Malerei. Denn ich arbeite mit Sand auf einem Lichttisch. Weil das Licht von unten nach oben strahlt, entstehen interessante Schattierungen." Die Künstlerin lächelt. "Ich werde oft gefragt, ob ich nicht traurig sei, dass meine Kunst vergänglich ist. Aber ich schaffe ja Platz für Neues, gebe anderen Bildern eine Chance."
Tatsächlich ist Löpers Kunst gar nicht vergänglich. Die gelungensten Werke fotografiert sie, druckt sie auf Büttenpapier und vollendet sie mit einigen Pinselstrichen schwarzer Tusche. Mit diesen Bildern hat Löper schon einige Ausstellungen ausgerichtet.
Wenn die 34-Jährige malt, dann wird nie eines ihrer Bilder dem anderen gleichen. "Ich male nicht mit Linien, sondern mit Sandkörnern. Dafür braucht es Körperbeherrschung, Konzentration und Feinmotorik." Nicht jeder, der ein Meister mit Pinsel und Farbe ist, könne mit Sand malen, hat Anne Löper festgestellt. "Ich glaube, das ist eine Typsache."
Für eine Collage braucht die begabte Frau zwei bis drei Kilo Sand. "Das ist Spezialsand aus der Wüste Gobi", verrät sie. "Der ist hellrot. Beleuchtet man ihn aber von unten, wird er sepia."
Anne Löper liebt das Zeitlose ihrer Kunst. Eine Malerei, die sich zwischen Plastik und Farben fließend bewegt. Nichts ist eingefroren. "Bei mir sehen die Menschen noch Pixel", sagt sie.
Dass man mit Sand malen kann, entdeckte sie während ihres Grafik-Kunststudiums. "Wir mussten alte Fotos mit Sand retouchieren und das Gegenlicht zeigte Erstaunliches." Die Sandmalerei ließ Anne Löper nicht mehr los. Um die Technik zu erlernen, reiste sie um die halbe Welt. "In Indien malen die Frauen riesige Ornamente vor ihre Häuser. Von ihnen habe ich viel gelernt."
In Indien ticken die Uhren auch in anderer Hinsicht anders als in Deutschland. Wenn Anne Löper öffentlich Sandbilder malt, wird das besonders deutlich. "Das deutsche Publikum ist höflich und sehr still. Nach der Vorführung suchen viele das Gespräch mit mir und erzählen, was sie in den einzelnen Bildern gesehen haben. In Indien rufen die Menschen einfach dazwischen."
Ein bisschen schade ist das schon, denn Anne Löper malt nicht einfach nur Bilder. Sie führt sie auf. Die kürzeste Vorstellung dauert sechs, die längste 75 Minuten. Das Tangostück gehört zu Löpers Lieblingsstücken. Da sitzt eine Frau am Fenster und der Zuschauer hört, was sie denkt. Es ertönt entsprechende Musik und auf dem Lichttisch entsteht die Illustration. "Es gibt immer ein Startbild. Etwas lasse ich stehen, andere Teile verändere ich. So entstehen fünf, sechs Bilder in Folge. Sie gehen ineinander über, dabei gibt es auch surreale Momente. Das ist sehr spannend."
Wie spannend das ist, wird man in Kürze in Arnstadt erfahren. Zur Veranstaltung "Künste in Haus und Hof" wird die Hessin mit Wurzeln in der Oberlausitz ihre Sandmalerei in der Emil-Petri-Schule zeigen.

Zum Thema:
11. Juli ab 16 Uhr: 12. Kleinkunstveranstaltung "Künste in Haus und Hof", Innenstadt von Arnstadt.
Anne Löper tritt im Speiseraum der Emil-Petri-Schule (Rosenstraße 45) auf.
Programm in der Arnstadt-Information oder www.kuenste.arnstadt.de
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