Arnstädter Kulturstätte verschwindet für immer: Das Lichtspieltheater Merkur wird abgerissen

Die Reste des Kinosaals des Arnstädter Lichtspieltheaters Merkur. Foto: Andreas Abendroth
Arnstadt: Lichtspieltheater Merkur | Nach Verfall und Feuer nun der Abriss

Erinnerungen bleiben an schöne Kinoabende

Von Andreas Abendroth

Arnstadt. Nur noch Schutt und verkohlte Balken sind vom einstmals schönsten Lichtspieltheater des Bezirkes Erfurt übrig. Es wird derzeit abgerissen.
Grund genug, noch einmal in den Chroniken zu blättern.

Eröffnet wurde es am 28. Oktober 1927 unter den namen "IMA-Lichtspiele". Eigentümer war Johannes Mohr. Das Lichtspieltheater setzte Maßstäbe. Die Maße des Zuschauerraums: Länge 18 Meter lang, Breite 15 Meter breit und Höhe 10 Meter. Im unteren Bereich sowie in den Logen und auf dem Rang konnten rund 800 Kinogäste Platz nehmen.
Die Rezession zur damaigen Zeit macht auch vor Kultureinrichtungen nicht Halt. Für Johannes Mohr bedeutete das, er verlor sein Kino an eine Grundstücksverwertungsgesellschaft. In der zweiten Hälfte 1928 firmierte das Kino unter dem Namen "Merkur-Lichtspiele".
Beim Bombenangriff anglo-amerikanischer Flieger am 6. Februar 1945 wurde das Kino schwerbeschädigt, musste geschlossen werden. Es wurde renoviert und mit modernster Kino- und Tontechnik ausgestattet. Die Neueröffnung unter dem Namen „Filmtheater Merkur“ erfolgte am 21. Januar 1958.

Das Kino entwickelte sich für Generationen, über Jahrzehnte, zu einem Magneten für jung und alt in der Kreisstadt Arnstadt. So ging es bis 1992. Dann wurde es durch die Ausverkäufer, die Treuhandanstalt, an die Ufa-Vertriebsgesellschaft Düsseldorf verkauft. Der Tenor damals: "Alles nur Gerüchte - das Kino wird weiter betrieben." Der letzte Film flimmerte am 18. März 1995 auf der Leinwand. Das letzte Kino in Arnstadt wurde geschlossen.

Bürgerproteste und schriftliche Bitt-Briefe halfen nicht. Die Betreiber blieben hart bei ihrem Konzept. Auch das Ansinnen zu einer Möglichkeit der Übernahme zur Weiterbetreibung wurde ausgeschlagen. Geschlossen ist geschlossen.
Und dann musste kommen, was passiert, wenn ein Gebäude nicht mehr bespielt wird. Es wurde vom Eigentümer dem Verfall preisgegeben.

Zu guter Letzt stand das gesamte Gebäude, aus bisher ungeklärten Gründen, am 24. Februar 2010 in Flammen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Momentan wird der ausgebrannte Kinoanbau im Auftrag des neuen Eigentümers, der Erfurter Firma Spezialbau, aus Sicherheitsgründen abgerissen. Die Firma erwarb das Gebäude von der Ufa. Nach Angaben des Eigentümers könnte das Hauptgebäude In der Bahnhofstraße wieder als Wohnhaus ausgebaut werden.

Während meiner Fotoaufnahmen tauchte neben mir Edwin Langgut (83 Jahre) auf. Sein Kommentar: "Ohne die richtigen Einnahmen und Zuschüsse kann heute kein Kulturbetrieb mehr überleben. Aber es ist eine Schande, wenn gut etablierte Kinos aus Gewinngier sterben müssen. Filmkunst ist Kultur, und ein Ausverkauf an Kultur hat sich noch nie ausgezahlt."
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7 Kommentare
Axel Heyder aus Erfurt | 03.03.2014 | 12:00  
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Uwe Heinemann aus Arnstadt | 08.03.2014 | 09:29  
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torsten vogelsberg, DER"KLEíNE"TORSTEN. aus Ilmenau | 24.06.2014 | 17:44  
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Uwe Heinemann aus Arnstadt | 25.06.2014 | 09:08  
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torsten vogelsberg, DER"KLEíNE"TORSTEN. aus Ilmenau | 25.06.2014 | 17:30  
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Uwe Heinemann aus Arnstadt | 26.06.2014 | 11:07  
8
torsten vogelsberg, DER"KLEíNE"TORSTEN. aus Ilmenau | 04.07.2014 | 12:05  
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