Blaues Blut und weiße Pferde

Wann? 30.09.2011 18:00 Uhr

Wo? ..., Elgersburg DE
So sieht man den Autor Herbert Schida oft. Kreative Phasen gibt es genug - hoch oben über Elgersburg im "Haus Wien". Besondere Kennzeichen: ein sagenhafter Ausblick.
 
Der Wahl-Wiener kann nicht nur schreiben, sondern auch Steine behauen. Die "schlafende Nixe" gehört zu seinen gelungensten Arbeiten.
 
Garten im Spätsommer.
Elgersburg: ... | Herbert Schida, Jahrgang 1946, lebt seit 1980 in Wien, hat aber die Verbindung zur Heimat Neuroda in Thüringen nie aufgegeben. Vor einigen Jahren begann er, Bücher zu schreiben, deren Ursprünge, Historie und Story im schönen Wipfratal liegen. „Im Tal der weißen Pferde“ und „Das Blut der weißen Pferde“ sind bereits erschienen. Band 3, „Die Spur der weißen Pferde“ muss nur noch seinen Weg durch das Lektorat finden. Am 30. September findet 19 Uhr im Bücheloher Landgenuss eine Lesung statt, in deren Anschluss der Schriftsteller Bücher signiert. AA-Redakteurin Jana Scheiding traf sich mit Herbert Schida auf dessen Sommersitz, „Haus Wien“, in Elgersburg, um mit dem Romanautor bei Kaiserschmarren und Pflaumenkompott über Pumpspeicherwerke in China, Malerei und das versunkene Königreich Thüringens zu sprechen.


Herr Schida, Sie sind in der DDR aufgewachsen, studierten Elektrotechnik in Ilmenau und gingen anschließend nach Berlin, um auf dem Gebiet der Supraleitung zu forschen. Andererseits malen Sie, bearbeiten Sandsteine, schreiben Gedichte und Bücher. Haben Sie die schönen Künste als Ausgleich zu Ihrer Arbeit gesucht?

Im Grunde habe ich sie nicht gesucht, sie haben mich gefunden. In den 70er Jahren machte ich mir Gedanken, was ich wohl mit meiner Zeit nach dem Berufsleben anfangen werde. Ich wusste, ich wollte malen. Also besuchte ich Mal- und Zeichenkurse, um einen Grundstein zu legen.

Sie hatten aber auch schon weit vor Ihrer Pensionierung Erfolg als Künstler..?

Das stimmt. Die Malerei hat mir oft auch sehr geholfen. Zur Entspannung nach der Arbeit und manchmal auch über die Einsamkeit, wenn ich – weit weg von zu Hause – irgendwo im Ausland Projekte betreute.

Haben Sie in dieser Phase auch mit dem Schreiben begonnen?

Ja. Das war in meiner Zeit in Asien. Meine Firma hatte mich nach China entsandt, um in der Nähe von Shanghai eines der weltgrößten Pumpspeicherwerke mit aufzubauen. Dort begann ich in meiner Freizeit, ein Tagebuch zu schreiben, und Gedichte. Übrigens habe ich auch dort viel gemalt. Gemeinsam mit einem chinesischen Kollegen initiierte ich eine Ausstellung. Ich präsentierte meine Drucke, er seine traditionelle chinesische Malerei. So entstand ein faszinierender Gegensatz, der in einem Bildband verewigt wurde. Ich empfand das als große Wertschätzung. Wissen Sie, in China spricht man bei einem Arbeitsessen nicht über die Arbeit. Durch die Malerei hatten wir in den Smalltalks sofort eine Basis.

In welchen Ländern haben Sie noch gearbeitet?

Das Unternehmen, bei dem ich tätig war, unterhielt eine Tochterfirma mit engen Kontakten nach Israel. Wir entwickelten Identifikationssysteme, wo auf einem Chip Informationen gespeichert wurden. Zum Beispiel die komplette Krankengeschichte von Patienten. Eine andere Anwendung die Zugangskontrolle in Betrieben oder die Erkennung von Tieren. Bei Kühen war angedacht, einen Chip einzupflanzen. Wenn diese von der Weide kamen, wurden die Chips ausgelesen und verrieten, wie viel Milch die Kuh gegeben hat, was sie zu fressen bekommen muss und so weiter. Das war eine sehr interessante Tätigkeit. Wir waren jedoch damals unserer Zeit weit voraus und der Bedarf am Markt noch nicht geweckt. So wurde die Kooperation abgebrochen und ich suchte mir einen neuen Job bei einer Firma in Linz. Die benötigten einen Entwicklungsleiter. Wir stellten Notstromaggregate her. Als die Firma in Insolvenz ging, fand ich wieder eine Anstellung bei meiner alten Firma in Wien. Dort wurde ich Projektleiter für das Pumpspeicherwerk in Tianhuangping bei Shanghai.

Wann haben Sie Ihre Leidenschaft zu Steinen entdeckt?

Ich habe mich immer sehr für die Länder interessiert, in die es mich verschlagen hatte. Für ihre Kultur, ihre Kunst, ihre Geschichte. In China sah ich gern den Künstlern zu, die aus Steinen Ornamente herausschnitzten, wobei ein Teil des Steines in seinem Ursprung erhalten blieb. Das hat mich fasziniert. Ich entsinne mich, dass ich schon in den 80er Jahren in meinem Urlaub bei einem Wiener Steinmetz an einem Brunnenstein arbeitete und dabei eine ganz besondere Beziehung zu Steinen bekam. Von überall her brachte ich fortan welche mit.

Seit Ihrer Pensionierung im Jahr 2005 widmen Sie sich ganz ernsthaft der Schriftstellerei, haben bereits zwei Bücher veröffentlicht. Darin ist vom versunkenen Thüringer Königreich und weißen Pferden die Rede. Sind die weißen Pferde ein Produkt Ihrer Phantasie?

Nun, hier muss ich ein wenig weiter ausholen. Mitte der 70er Jahre besuchte ich eines Tages in Arnstadt einen Vortrag über das ehemalige Königreich Thüringen. Davon hörte ich an diesem Abend zum ersten Mal. Leider gab es in der DDR kaum Literatur zu diesem Thema. Viele Jahre später, nach der Wende, fiel mir das Buch „Thüringer Königshort“ von Reinhold Andert in die Hände, das ich regelrecht verschlang. Ich beschaffte mir Bücher, um mehr zu erfahren. Womit wir bei den weißen Pferden wären. Die hat es tatsächlich gegeben. Die Thüringer züchteten sie und verkauften sie ins Ausland. Der letzte König von Thüringen, Herminafrid, machte dem Ostgotenkönig Theoderich, dessen Nichte er heiratete, ein Geschenk von 100 weißen Pferden. Hierfür bedankte sich Theoderich der Große in einem Brief. Thüringen war damals für den Ostgotenkönig von besonderer Bedeutung. Es erstreckte sich von Magdeburg bis Regensburg und von der Elbe bis zur Werra, bis es 531 unterging. Der Königsschatz liegt noch immer irgendwo begraben.

In Ihren Büchern haben Sie geschichtliche Fakten mit fiktiven Erzählungen verbunden. Warum haben Sie kein Fachbuch geschrieben?

Anfangs wollte ich das. Bevor ich aber damit begann, fragte ich junge Leute, darunter auch meinen Sohn, was sie davon hielten. Sie winkten dankend ab und sagten mir, dass sie ein solch trockenes Buch niemals lesen würden. Also entschied ich mich für eine andere Herangehensweise. Wer jedoch Zahlen und Fakten erfahren möchte, findet in meinen Büchern Zeittafeln und Karten. Als ergänzendes Fachbuch kann ich im Übrigen „Runibergun“ von Michael Kirchschlager empfehlen.

Am Freitag laden Sie zur Lesung nach Bücheloh ein. Was darf Ihr geschätztes Publikum erwarten?

Einen unterhaltsamen Abend mit gutem Essen, spannenden Fakten und Hintergründen über die Heimat Thüringen, insbesondere das Wipfratal.
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3 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 29.09.2011 | 23:05  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 30.09.2011 | 13:55  
5.253
Hans-Gerd Born aus Erfurt | 08.10.2011 | 14:20  
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