Chinesen haben ihre Hunde lieber auf dem Schoß - Globetrotter Andreas Pröve hält sein Publikum in Atem

  Arnstadt: ... | Wenn ich noch an die langweiligen Diavorträge von früher denke... alle paar Sekunden wurde eine Fotografie in den Projektor gesteckt und dann endlos lange erzählt. Gähn... Diavorträge heutiger Tage - so genannte Multivisionsshows - bewirken, wenn sie gut gemacht sind, bei uns das genaue Gegenteil: Sie halten uns in Atem. So geschehen am vergangenen Freitagabend, als der Fotograf und Globetrotter Andreas Pröve sein Publikum mit an den Mekong nahm. Dabei mussten sich die Leute in der Stadthalle Arnstadt nicht mal von ihrem Sitz erheben...
Zu Beginn ein sichtlich und hörbar gerührter Veranstalter - Detlef Brückner - der im Vorverkauf für die Veranstaltung sage und schreibe vier Karten losgeworden war. Am Freitag traute er seinen Augen nicht, als der Saal plötzlich (fast) voll war.
Pröve ist seit über 30 Jahren Weltreisender. Die Zeit, die er nicht damit verbringt, den Erdball zu umrunden, verbringt er damit, den Menschen von seinen Reisen zu erzählen. Dabei verliert er nicht viel Zeit. Am Freitag war er in Arnstadt, Samstag stand Wien auf dem Programm und am Sonntag? - "Bin ich in Rostock. Aber schon mittags".
23 Jahre alt ist Pröve, als er mit seinem Motorrad auf dem Weg zum Nürburgring ist. Einmal auf dieser weltberühmten Strecke ein paar Runden drehen. In Limburg an der Lahn verliert er in einer Kurve die Kontrolle, stürzt über die Leitplanke - und ist zu drei Vierteln querschnittsgelähmt. An die Worte seines Arztes kann er sich noch genau erinnern: "Hoffen Sie nicht auf Wunder in der Medizin, gewöhnen Sie sich lieber an den Zustand".
Pröve beschloss, nicht das zu tun, was viele getan hätten: zu resignieren. Bis heute war er vierzehn Mal in Indien, bereiste - als bislang einziger Rollstuhlfahrer - den Mekong von der Mündung bis zur Quelle in etwa 5000 Meter Höhe im Himalaya.
Was er auf diesem Weg erlebt, versteht Pröve auf nahezu atemberaubende Art zu erzählen. Die Technik unterstreicht das Ganze mit sensationellen Effekten. Am Freitag hörte man es im Saal weder tuscheln noch wispern, das Augenmerk der Zuschauer war einzig und allein auf die Leinwand und den Mann im Rollstuhl gerichtet. Die phantastischen Bilder - von denen einige in der Galerie zu sehen sind - haben Pröve und sein zeitweiliger indischer Begleiter selbst aufgenommen.
Andreas Pröve versteht es nicht nur, stimmungsvolle Momente zu zaubern. Seine Dokumentation liefert auch jede Menge Informationen. Im Strom tausender Motorroller - beim Hinsehen wird einem schon angst und bange - fühlt er sich wie in einem Fischschwarm voller Harmonie. Fasziniert ist der Fotograf von den Yaknomaden, die bei 40 Grad minus in ihren Zelten auf dem Boden schlafen. Und die kleinen Häusschen in den Gärten von Kambodscha sind keine Vogelfutterstellen, sondern Aufenthaltsorte für die Geister, die es milde zu stimmen gilt. Die schwimmenden Häuser auf dem Mekong steigen und sinken mit dem Flusspegel. Anstatt eines Kellers haben die Menschen Fangkäfige für Fische installiert. Um an frischen Fisch zu gelangen, brauchen sie also nur die "Kellerluke" zu öffnen. Die monumentalen Götter in Laos tragen stets ein Lächeln auf dem Gesicht, um die Harmonie zu wahren. Die Chinesen finden es unhygienisch, ihren Naseninhalt in ein Taschentuch zu schneuzen und es darüber hinaus den ganzen Tag in der Hosentasche mit sich herumzutragen. Sämtliche Sekrete werden also an Ort und Stelle ... entsorgt. Die Namensgebung für den Nachwuchs wird in der Regel der jeweiligen Entwicklung im Land angepasst. So heißen die Kinder zum Beispiel: "Bau den Staat auf" oder "Sei fleißig und arbeitssam". Die Enttäuschung über ein Mädchen könnte so lauten: "Komm, kleiner Junge, auf dass es das nächste Mal besser klappt".
Auf der Leinwand erscheint eine Frau, die getrocknetes Getier auf dem Markt verkauft. Sofort geht ein kollektives "IIIeeeeehh" durch den ganzen Saal. "Halten Sie ihr mal einen Harzer Roller unter die Nase. Sie würde auf und davon laufen!" sagt Andreas Pröve. Übrigens: Gut die Hälfte der Chinesen habe ihre Hunde lieber auf dem Schoß als in der Suppe.
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7 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 27.02.2012 | 14:50  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 27.02.2012 | 15:15  
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Katrin Treydte aus Erfurt | 27.02.2012 | 18:48  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 27.02.2012 | 18:52  
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Katrin Treydte aus Erfurt | 27.02.2012 | 19:18  
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Hannelore Grünler aus Artern | 27.02.2012 | 19:57  
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Renate Jung aus Erfurt | 27.02.2012 | 22:42  
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