„Der blaue Stuhl“ im Tumult-Theater Rudolstadt

Regisseur Sebastian Stefan Golser
Rudolstadt: ... |

Wenn Theaterwissenschaftler Sebastian Stefan Golser mit seinen Schauspielern ein Stück für Kinder erarbeitet, dann überlässt er nichts dem Zufall. Alles wird akribisch ausgetüftelt und wenn die Inszenierung kurz vor der Premiere steht, nimmt er die späteren Konsumenten mit in die Probe. Denn wie Kinder auf ein Stück reagieren, könne man nie vorhersagen und so bleibt immer noch Zeit, zu modifizieren.

Golser, freischaffender Regisseur und 30 Jahre jung, inszeniert für Bühnen in Österreich, der Schweiz und Deutschland. Mit AA-Autorin Jana Scheiding sprach der gebürtige Wiener über den „Blauen Stuhl“, eine Parabel auf die Kraft der Phantasie.


Können Sie uns kurz die Story erzählen?
Das Stück „Der blaue Stuhl“ wird durch zwei Personen verkörpert, Herrn Schwärzlich und Frau Klops. Sie gehen in der Wüste spazieren und geraten in einen Sandsturm. Als dieser abebbt, erscheint ihnen ein blauer Stuhl. Frau Klops findet den vielen Wüstensand langweilig und möchte lieber die Welt sehen. Also nutzt sie den Stuhl. Mal als Liegestuhl, als Pferd, Automobil oder Heißluftballon.

Ein Zwei-Personen-Stück für Kinder ab 4 Jahren - ist das nicht zu anspruchsvoll?
Keineswegs. Durch das ständige Umfunktionieren des Stuhls wird die Phantasie der Kinder beflügelt. Das Stück funktioniert meist über nonverbales Spiel mit Körpersprache. Die Bühne bietet Platz für Bewegung und Interaktion. Die Darsteller können herumkugeln, sich verstecken. Dinge tauchen plötzlich auf und sorgen für einen Überraschungseffekt. Es geht um Sensibilität. Darum, die Sinne zu schärfen. Alle Geschehnisse werden von einem Musiker und Geräuschemacher versinnbildlicht.

Geben Sie als Regisseur jeden Wimpernschlag vor?
Ich denke nicht, dass das funktionieren würde. Die Schauspieler und ich betrachten die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln. Wir erarbeiten das Stück gemeinsam. Außerdem: ein Mensch ist weit weniger kreativ als drei oder vier Menschen.

Welche Reaktion wünschen Sie sich von Ihrem jungen Publikum?
Ich will die Phantasie der Kinder anregen, sie verstehen die Bildsprache sehr gut. Vielleicht motiviert das Stück, es nachzuspielen. Überhaupt ist Phantasie das Thema. Wenn man Dinge zweckentfremdet, umfunktioniert, erkennt man den Mehrwert des Lebens. Man betrachtet die Dinge aus verschiedenen Perspektiven – wenn man sich Zeit dafür nimmt.

Haben Kinder heute weniger Phantasie als früher?
Nein. Ich denke aber, dass ihnen durch permanente Reizüberflutung ein Teil ihrer Phantasie gestohlen wird.



Hintergrund:
Julius Jensen schuf das Stück "Der blaue Stuhl" nach dem Kinderbuch "La chaise bleue" von Claude Boujon, 1999 in deutscher Fassung erschienen.
Das Stück für Kinder ab 4 Jahren dauert etwa 45 Minuten.
Ausstattung: Carolina Bellingradt
Dramaturgie: Ulrike Lenz
Musiker und Geräuschemacher: Udo Hemmann
Darsteller
Herr Schwärzlich: Günther Sturmlechner; Frau Klops: Lisa Klabunde
Premiere: 24. September, 9 Uhr, "Tumult"-Theater Rudolstadt
Weitere Termine: 25./26.9., jeweils 9/10.30 Uhr; 4.10., 16 Uhr; 6./7.10., 9/10.30 Uhr; 19.10., 16 Uhr; 20./21.11., 9/10.30 Uhr; 22. 11., 16 Uhr
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3 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 25.09.2014 | 13:13  
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.09.2014 | 07:41  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 28.09.2014 | 18:35  
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