Die jungen Wilden von Gebstedt. Wie ein Dorf im Weimarer Land sich aufrafft und die Kultur ankurbelt

Die Tanzgruppe aus Gebstedt mit ihren Trainerinnen Nathalie Meese (links) und Michelle Weckesser.
 
Sie geben nicht alles vor, sondern setzen auch um, was die Kinder sich wünschen.
Bad Sulza: ... |

Die Gebstedter wollen den Zusammenhalt in ihrem Dorf fördern. Und die jungen Dorfbewohner sind mittendrin. Jeden Samstag treffen sie sich zum Tanzen.

Sonntagnachmittag im Saal der „Post“ in Gebstedt. Das Kirmeswochenende klingt mit einer Veranstaltung für Kinder aus, die der lustig gekleidete DJ auf der Bühne mit Musik unterstützt. Der Saal ist flankiert von Tischen und Stühlen, in der Mitte viel Platz für Spiele. Kinder im Vorschulalter werfen mit Feuereifer nach Farben sortierte Bälle in Glasröhren. Beim Schubkarrenfahren dürfen Mamas und Papas mit anfassen.

Die „Post“ ist ein wichtiger Anlaufpunkt, um das Gemeinwesen am Leben zu erhalten. Einige sehr engagierte Gebstedter wollen verhindern, dass jeder seiner Wege geht und man sich irgendwann nicht mehr kennt. „Mindestens viermal im Jahr soll das Dorf gemeinsam feiern“, erklärt die freundliche Frau am Kuchenstand. Tochter Jenny nebst Freundin Helena verdrücken noch schnell ein Stück Kuchen, bevor sie sich für ihren Tanz bereit machen, den sie dem Publikum gleich vorführen werden. Aber noch ist nicht die gesamte „Gebstedter Tanzgruppe“ angerückt. Bleibt Zeit für eine rote Brause.

"Wir fragen die Kinder, was ihnen Spaß macht. Das setzen wir dann um." Melanie Weckesser, Tanztrainerin


Nathalie Meese und Michelle Weckesser sind zwei junge tanzerfahrene Frauen, die einen Beitrag zum Dorfleben leisten wollen. Deshalb gründeten sie im Oktober 2014 die Kindertanzgruppe. Jeden Samstagvormittag treffen sie sich mit den zwölf fünf- bis zwölfjährigen Mädchen aus Gebstedt und Umgebung zum Training. „Es geht nicht nur ums Tanzen“, erzählt Michelle. „Die Mädchen tauschen sich auch über ihre Lieblingsbands oder schulische Probleme aus. Der Samstagvormittag ist zu einem festen Termin geworden, den niemand verpassen möchte.“ Tanzen wollen die Kinder, um Spaß zu haben. Ihre Trainerinnen bauen keinen Druck auf. „Hip Hop, Line Dance - wir probieren Verschiedenes aus“, gibt Nathalie Einblick in das noch kleine Repertoire und Michelle ergänzt: „Wir geben auch nicht alles vor, sondern fragen die Kinder, worauf sie Lust haben. Das versuchen wir dann umzusetzen.“ Die Tanzgruppe gehört inzwischen zum festen Programm: Dorffest, Kirmes, Weihnachtsfeier. Aber auch zu Geburtstagen oder Hochzeitsfeiern wird das Ensemble gern eingeladen.

Dass dabei nicht alles professionell abgehen kann, erschließt sich, wenn man die Altersspanne betrachtet. „Es ist nicht leicht, alle auf einen Stand zu bringen. Immerhin liegen sieben Jahre zwischen den jüngsten und den ältesten Kindern“, erklärt Nathalie Meese. Dass die Kinder ehrgeizig sind und sich außerhalb des Trainings privat zum Üben treffen, freut die beiden jungen Frauen und bestärkt sie in ihrem Handeln. „Wir wollen etwas an die Jüngeren weitergeben, denn auch wir wurden als Kinder und Jugendliche gefördert“, sagt Michelle Weckesser.

Das Tanztraining trägt nicht nur zur Dorfkultur bei, sondern erfüllt auch einen sportlichen Zweck. „Wir wollen mit der Bewegung die Gesundheit der Kinder stärken, denn wir merken bei der Erwärmung, wie schnell die Kondition nachlässt“, erklärt Nathalie. „Aber die Kinder ziehen durch und das finden wir bemerkenswert.“
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