Die Spieleentwickler Martin Thiele und Michael Geithner stellen das neue "Bürokratopoly" beim Saalfelder Leseherbst vor

Das Spielerduo - Michael Geithner (rechts) und Martin Thiele. (Foto: privat)
 
Neu aufgelegt - Bürokratopoly als Lehrmaterial für Schulen. (Foto: privat)
Saalfeld/Saale: ... |

1983 erfand der Zwickauer Martin Böttger "Bürokratopoly" - ein Gesellschaftsspiel, in dem man vom einfachen Arbeiter zum Generalsekretär aufsteigen konnte. Besonders in oppositionellen Kreisen wie bei Bärbel Bohley wurde das Lehrspiel aus der DDR gern gespielt. " Ein Gesellschaftsspiel mit negativ-feindlichem Charakter, das angebliche Wege zur Erlangung und zum Verlust von Macht in der DDR aufzeigt...", beschreibt die Stasi das Spiel in Böttgers Akte.

"Beim Aufstieg zum Generalsekretär war natürlich jedes Mittel recht", sagt Medienwissenschaftler Martin Thiele. "Es gewann, wer am besten lügen, betrügen, kungeln und denunzieren konnte." Nach über 30 Jahren legen der Spieleentwickler aus Saalfeld - jetzt in Berlin lebend - und sein Projektpartner Michael Geithner "Bürokratopoly" neu auf und stellen es Schulen als Lehrmaterial zur Verfügung. "Die Neuausgabe soll Schülern einen Einblick in die Machtstrukturen der SED-Diktatur geben", erklärt Thiele, der darin Impulse sieht, wie deutsche Nachkriegsgeschichte vermittelt werden könnte.
Die Idee entstand vor drei Jahren, als sich Thiele und Geithner mit Brettspielen beschäftigten. "Wir fragten uns, welche Spiele unsere Eltern gespielt haben. Dabei stellte sich heraus, dass sowohl in seiner als auch in meiner Familie handgefertigte Brettspiele existierten."

Monopoly ist Favorit


Flugs war ein Aufruf formuliert und via Internet unter die Leute gebracht. Mit überwältigender Resonanz. "Das Lieblingsspiel der Ostdeutschen war 'Monopoly'", lautet Thieles Fazit. "Das durfte ja im Osten weder produziert noch verkauft werden. Es macht ein Viertel unserer 175 Spiele umfassenden Sammlung aus." Darunter etliche nachgemachte Westspiele und Eigenkreationen. "Viele Menschen haben auch Memory nachgestaltet. Meist mit ausgeschnittenen Verpackungen von Westprodukten", erzählt Thiele amüsiert.
Dass dieses Thema die jungen Männer so lange Zeit beschäftigten würde, hätten sie damals nicht gedacht. In der Zwischenzeit brachten sie ein Buch mit nachgemachten und handgemachten Spielen aus der DDR heraus. Martin Thiele promoviert über die Spielkultur in der DDR.
"Ein vollkommen unaufgearbeitetes Gebiet", staunt der Fan komplexer Strategiespiele. "Während sich die Spielkultur im Westen weiterentwickelte und sogar das Label 'Spiel des Jahres' hervorbrachte, stagnierte die Entwicklung im Osten. Deshalb haben wohl so viele DDR-Bürger zu Schere und Papier gegriffen."
Am 21. Oktober sind Martin Thiele und Michael Geithner Gäste beim Saalfelder Leseherbst. Mit "Bürokratopoly", ihrem Buch und einer echten Stasiakte.


Zur Sache:
Saalfelder Leseerbst - Veranstaltungen
21. Oktober, 10 Uhr, "Der kleine Maulwurf sucht einen Freund", Puppentheater Manuart, Zweigbibliothek Gorndorf; 19 Uhr "Nachgemacht" - Spielekopien aus der DDR, Stadt- und Kreisbibliothek Saalfeld (Markt 7)
22. Oktober, 10 Uhr "Rumpelstilzchen", Figurentheater, Kinderbibliothek
4. November, 16 Uhr, Vorlesezeit für Kinder bis 7, Kinderbibliothek
18. November, 19 Uhr, Krimiabend - Kriminalrat a.D. Hans Thiers berichtet von Mord- und Vermisstenfällen aus dem Bezirk Gera
21. November, 19 Uhr, Grusel-Mitmach-Krimi für Schüler, Kinderbibliothek und Zweigstelle Gorndorf

www.nachgemacht.de
www.bürokratopoly.de
www.bibliothek-saalfeld.de
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3 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 15.10.2014 | 10:46  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 15.10.2014 | 17:21  
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Renate Jung aus Erfurt | 16.10.2014 | 01:19  
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