Ein bisschen verrückt muss sein

  Da standen wir nun - am Samstagabend in Gera und wollten das Lichterfest im Hofwiesenpark besuchen. Doch dieser gähnte vor Leere. Wegen des Regens konnten die Lichter nicht aufgestellt und entzündet werden, so dass das Fest buchstäblich ins Wasser fiel. Na gut, dachte ich, in Görlitz ist Altstadtfest - fahren wir eben dorthin. Und mit Gera ist ja schon ein Drittel des Weges geschafft.
Ein bisschen musste ich schon über mich lachen. Früher hatte ich solche Aktionen öfter gemacht, doch mit dem Alter kommt bekanntlich die Vernunft... Und zugegeben, es war schön, mal wieder so spontan zu sein. In dieser Situation merkte ich allerdings wieder, dass ich zwei vom Charakter völlig verschiedene Töchter habe. Während meine Georgina für derlei Aktivitäten immer sofort zu haben war, wog Dana erst mal alle Eventualitäten gegeneinander ab: "Mama, das ist doch nicht dein Ernst?!; Was soll denn das jetzt noch bringen?; Wir haben keine Zahnbürste!" Schließlich ließ sie sich drauf ein - musste sie ja.
Also auf Richtung Osten. Unser Nachtlager schlugen wir nach einem Abendessen in Altenburg kurz vor Bautzen auf dem Rasthof Oberlausitz auf. Als Dana ihr Bett im Kofferraum in Besitz nahm, fand sie das total cool. Ich machte es mir auf dem Fahrersitz bequem - so gut das eben ging. Eine gute Stunde ging drauf, bis ich die beste Schlafstellung gefunden hatte. Kaum war das passiert, begann das Kind hinten zu schnarchen, dass ich Angst um den Oberlausitzer Wald bekam. 'Oh Gott', dachte ich, 'lass es Morgen werden'.
Der kam schneller als gedacht und begrüßte uns kurz nach 6 Uhr mit einem herrlichen Sonnenaufgang. Nach dem Frühstück (teurer als im Hotel) starteten wir unser Sonntagsprogramm. Der nächste Weg führte nach Kleinwelka - in den Saurierpark, der in diesem Jahr 30 Jahre alt wurde. Den hatte ich zum ersten Mal 1996 besucht und stellte jetzt nun fest, dass sich dort allerhand getan hat seit dieser Zeit. Er ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Mehrere hundert Plastiken sind dort zu sehen und es gibt viel über die Dinosaurier und die Entstehung der Erde zu erfahren. Den Grundstein für den heutigen Saurierpark hatte 1978 Franz Gruß gelegt. Die ersten Plastiken entstanden auf seinem Privatgrundstück (dem heutigen Sauriergarten). Zunächst wunderten sich die Leute über seine ungewöhnliche Gartengestaltung, doch bald schauten sie sich seine Modelle an. Gruß setzte seine Arbeit später im direkt angrenzenden Park fort.
Am Mittag brachen wir schließlich auf nach Görlitz, um uns in der geteilten und östlichsten Stadt Deutschlands in die Menschenmassen zu stürzen. Auf deutscher Seite führte uns der Weg über den Marktplatz, auf dem zwei Künstler soeben ihr Programm begannen. Wir stellten uns dazu. Die beiden waren gerade dabei, einen imaginären Theatervorhang aus dem Publikum zu gewinnen (zwei Personen wurden gesucht). Die Künstlerin suchte sich eine junge grazile Frau aus. Ihr Partner schaute durch die Menge, kam direkt auf mich zu und rief: "Und hier das üppige Pendant!" Da musste ich schon kräftig schlucken - so deutlich hatte es mir noch keiner gesagt. 'Eigentlich bist du ja nicht die 350 Kilometer gefahren, um dich auf dem Görlitzer Markt zum Obst zu machen', ging es mir zwar durch den Kopf, aber da spielte ich mit wiegenden Hüften bereits den wallenden Vorhang. Die Zuschauer johlten. Applaus hatte ich das letzte Mal erhalten, als ich mit dem Gothaer Faschingsverein auftrat. Es war jedenfalls ein Riesenspaß.
Als wir fertig waren, sagte ich zu Dana: 'So, und jetzt zeig ich dir Polen!' 'Ach nö', maulte das Kind. 'Nicht schon wieder Auto fahren!' 'Irrtum, wir brauchen nur über eine Brücke zu gehen.' Und so gelangten wir über die Neiße in den polnischen Teil namens Zgorzelec. Auf deutscher Seite herrschte ja schon Gedränge, aber im polnischen Teil war kaum durchzukommen. Und mittendrin das Kulturprogramm mit völlig verrückten Typen - eigentlich viel kreativer als drüben. Schon vor zwei oder drei Jahren hatten die Polen etwas absolut Spektakuläres gezeigt: eine Band, die an einer Hauswand spielt. Schon die Vorbereitungszeit nahm über eine Stunde in Anspruch, weil die Musiker ja abgeseilt werden mussten. Zwischendurch funkte noch das Hochwasser in die Parade der Altstadtfest (in Polen Jakubyfest)-Tradition, aber dieses Jahr erstrahlte wieder alles im schönsten Sonnenschein. Was unser Damen-Duo so erlebte und wie sich die Stadt Görlitz seit der Wende städtebaulich entwickelte, erzählen nun 126 Bilder. Auf geht's!
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7 Kommentare
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Holger Greilach aus Erfurt | 30.08.2011 | 07:50  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 30.08.2011 | 09:20  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 30.08.2011 | 17:47  
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Jana Scheiding aus Arnstadt | 08.09.2011 | 10:05  
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