Eine Frage von Sekunden: Galerist Christian Finger aus Weimar ist ständig auf der Suche nach schönen Künsten

Christian Finger ist Galerist in Weimar.
  Weimar.

“Ein Kunstwerk ist in meinen Augen gut, wenn ich es mir länger als fünfzehn Sekunden anschaue“, sagt Christian Finger, Galerist in Weimar. Der Name seiner Galerie „iconotop“ www.iconotop.de ist abgeleitet von dem Begriff Biotop - Lebensraum. Ein Icon ist Fingers Raum für Bilder und der befindet sich genau hinter der Kirche am Herderplatz 12 im ehemaligen Café „Relax“.

Finger stammt aus Erfurt, studierte Kunst- und Kulturgeschichte in Jena. Er arbeitete an der Universität und als freier Kurator. 2009 wurde er sesshaft - in Weimar, genau zwischen seinen ehemaligen Lebensmittelpunkten Erfurt und Jena. 2013 eröffnete er im Herzen Weimars seine Galerie. „Ich brauche ein Zentrum, um meine Kräfte zu bündeln“, erklärt Finger.
Wer die kleine Galerie im renovierten Keller der ehemaligen Bar betritt, ist überrascht, wie viel Kunst sich hier präsentieren lässt. Bis vor kurzem standen Besucher in einer Wohnzimmerszene. Mit gemütlichem Sessel, Stehlampe und wohnlichem Accessoire. „Wenn ich talentierte Künstler gewinne, wird das hier Kulisse. Ich würde gern 'Die geschlossene Gesellschaft' von Jean-Paul Sartre aufführen“, träumte der Galerist. Doch die Schauspieler blieben aus und so wurde das Wohnzimmer abgebaut - man muss auch Niederlagen akzeptieren.
So anspruchsvoll wie das Drama des 1980 verstorbenen französischen Schriftstellers und Philosophen will Finger die Kunst in seiner Galerie verstanden wissen. Zurzeit finden sich am Herderplatz Werke von Tino Geiss www.galerie-kraetz.deund Stefan Lenke www.galerie-baer.de - Klebebandcollagen von Arbeitszimmern berühmter und weniger berühmter Persönlichkeiten. Auf geistigen Experimentierflächen funktioniere Kunst auch mit der Schleifmaschine, sagt Finger.
Nach guten Künstlern ist der Galerist stets auf der Suche. Auch außerhalb Weimars. „Hier vermisse ich die Auseinandersetzung mit Kunst“, beklagt der Kunsthistoriker. „Meist steht das Event um die Kunst im Vordergrund.“ Ob Malerei oder Fotografie, Finger gibt sich offen. Einen Trend sieht er in der Kunstszene nicht. „Es geht alles, von Holzbildhauerei bis Videoinstallation. Früher gab es Realismus, Impressionismus, Kubismus - heute leben wir im Pluralismus. Es gibt keine Kategorien mehr. Ich nenne es die postmoderne Beliebigkeit.“ Sein Lieblingsprojekt ist eine geheimnisvolle Filmdose mit einem Streifen aus dem Jahr 1971, den es konservatorisch aufzuarbeiten gilt. „Der Traum eines jeden Kunsthistorikers“, sagt Finger und lächelt geheimnisvoll.


Hintergrund:

Wo? Studium der Kunstgeschichte an einer Kunsthochschule oder Universität, Akademie der Bildenden Künste www.kunsthistoriker.org Verband deutscher Kunsthistoriker

Was? Ein Galerist arbeitet im Spannungsfeld zwischen Kunst und Wirtschaftlichkeit. Aufgabe, Ziel und meist auch Leidenschaft ist es, unbekannte Künstler zu entdecken, sie langfristig zu fördern und an den Kunstmarkt heranzuführen. Der Galerist organisiert regelmäßig Ausstellungen und macht das Werk des Künstlers öffentlich und sichtbar.

Wie lange? Auf ein viersemestriges Grundstudium folgen eine Zwischenprüfung und fünf Semester Hauptstudium. Die Teilnahme an Vorlesungen, Seminaren und Exkursionen wird durch Scheine nachgewiesen.
Voraussetzungen: Organisation und Kommunikation mit Künstlern und Kunden sind wesentliche Inhalte. Ferner solides kunsthistorisches Wissen, fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse, Mut zur Vision, gutes Auge für Qualität, Gespür für neue Trends und Durchhaltevermögen.

Kontakt: 0170/8822045
1
1
1
2
1
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
1 Kommentar
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 26.02.2014 | 06:39  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige