Eine Frau, ein Wörterbuch: Kunsthistorikerin Daniela Danz aus Rudolstadt wünscht sich, dass alte Begriffe neue Blüten treiben

Dr. Daniela Danz ist Autorin und Leiterin des Schillerhauses in Rudolstadt.
 
Kein Leben ohne Gedrucktes: Daniela Danz wünscht sich, dass alte Wörter neue Blüten treiben.
Rudolstadt: ... |

"Sprache im Wandel, das ist ein spannendes Thema", sagt Kunsthistorikerin Daniela Danz. "Ich kann mich noch an Begriffe wie 'fetzig' oder 'das fetzt' aus meiner Jugend erinnern. Heute sagen die jungen Leute, wenn sie etwas gut finden, "Aaaaalter..."

Mit Sprache kennt sich die zierliche Frau aus. Sie war Stadtschreiberin in Tübingen und arbeitete einige Zeit als Kunstinventarisatorin für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland. Danz schreibt Gedichte, Romane und Kinderbücher. Seit 2013 leitet sie das Schillerhaus in Rudolstadt. Sprache und Literatur sind ihre große Leidenschaft. Ein Leben ohne Gedrucktes - undenkbar. "Ich lese sehr viel. Dabei fallen mir immer wieder Wörter auf, die still und heimlich aus unserem Sprachgebrauch verschwinden", bedauert die Schriftstellerin. "Sprache wird doch erst mit einem breiten Wortschatz lebendig."

Sprache ist biegsam


Zur lebendigen deutschen Sprache gehören für die promovierte Germanistin auch Anglizismen - das sind Begriffe aus dem Englischen, die in andere Sprachen einfließen. "Sprache ist biegsam, das sollte der Mensch auch sein", findet die Literatin und erklärt ihre Philosophie: "Ebenso wichtig ist es aber, die eigene, deutsche Sprache zu erhalten."
Wer kennt den Begriff "Antlitz" für Gesicht oder "Gesäß" für die Kehrseite der menschlichen Gestalt? Das Wort "Anstand" steht heute für gutes Benehmen. "Früher bedeutete 'einen Anstand machen' die Waffen an die Wand zu lehnen, anständig zu sein und Frieden zu schließen", weiß Autorin Daniela Danz. Und Schillers "Kabale" sind heutzutage Intrigen, Ränkespiele und Mobbing.
Der Begriff "Zähre" wurde im 18. Jahrhundert durch die Träne abgelöst und gilt heute als hoffnungslos veraltet. "Auch der Landstrich ist so gut wie von der Bildfläche verschwunden", hat Daniela Danz festgestellt. Zu ihren Lieblingswörtern gehört "traut". "Zwar spricht man heute noch von sich trauen lassen, vertrauen, Zutrauen - aber die traute Familie oder das traute Heim verblassen."
Für das Wort heischen gibt es außer "nach Komplimenten suchen" keine exakte deutsche Entsprechung. "Da ist es doch gut, einen Anglizismus - 'fishing for compliments' - zur Hand zu haben", sagt Danz und lacht.

Zurzeit arbeitet Daniela Danz an einem Projekt, das sie am 24. und 26. September mit Achtklässlern des Gymnasiums "Fridericianum" im Schillerhaus Rudolstadt realisieren will. "Die Schüler beschäftigen sich mit Schillers Werken und malen anschließend Wörter, die ihnen gefallen, auf Porzellanschildchen", verrät die Sprachwissenschaftlerin. "Diese pflanzen wir im Garten ein. Dann treiben die alten Wörter mithilfe der Besucher hoffentlich neue Blüten."


Zur Person:
Dr. Daniela Danz, Jahrgang 1976, in Eisenach geboren, studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Tübingen, Prag, Berlin, Leipzig und Halle.
Promovierte über den Krankenhauskirchenbau der Weimarer Republik.
Heute lebt sie als freie Autorin in Kranichfeld.
Seit 2013 ist Danz Leiterin des Schillerhauses in Rudolstadt.
Sie schreibt Lyrik, Prosa, Essays und Kinderliteratur.
Einige ihrer Werke wurden vertont und in andere Sprachen übersetzt.
Für ihre Arbeit erhielt sie mehrere Stipendien und Preise.

Termine:
24. September, 19 Uhr, Literarischer Salon im Kellergewölbe der Friedrich-Ebert-Stiftung Erfurt (Nonnengasse 11); 22. Oktober, 19 Uhr, Lyrik im Konzert - Alte Kanzlei Bleicherode

www.poetenladen.de
www.chiragon.de
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2 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 20.09.2014 | 18:25  
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Hannelore Grünler aus Artern | 21.09.2014 | 04:25  
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