Erika Ringler lässt die Puppen tanzen! Heute eröffnet sie in Rudolstadt ein Museum mit bezaubernden Puppen und Teddybären

  Rudolstadt: ... |

"Kinder und Puppen sind Herzenssache", sagt Erika Ringler. Tatsächlich wollte sie lediglich Entwicklungsstufen ihrer Kinder in Holz und schicker Seide festhalten. Doch dann wurde mehr daraus. Viel mehr.

Die Fabrikgebäude haben ihre besten Zeiten unverkennbar hinter sich, nur die solide Bausubstanz verhindert den schnellen Verfall. Jetzt zieht wieder Leben ein in Rudolstadts ehemalige Ankerwerke: Erika Ringler, Puppenkünstlerin aus Winterberg im Hochsauerlandkreis, bringt ihr Lebenswerk - etwa 280 preisgekrönte Puppen - hierher. Ihre Bekanntschaft mit der hübschen Residenzstadt verdankt sie einer langjährigen Freundin. Am 1. August will die Künstlerin ihr Museum auf zwei Etagen eröffnen. Bis dahin ist viel zu tun, doch wenn jemand ihre Puppen sehen will, lässt sie gern alles stehen und liegen.
Die Fabrikhalle mit den großen Fenstern passt zu Ringlers Vorhaben. Noch steht alles eng beieinander. Manche Puppen sitzen im Orchester, andere auf einem Karussell, ein Puppenjunge hängt im Uhrenkasten, eine Gruppe sitzt im Waggon. „Sobald im Obergeschoss das große Bett aufgebaut ist, werden einige Puppen umziehen“, verrät Erika Ringler. Auch die Krippe, die sich mit Kamelen, Heiligen und Jesuskind in einem winzigen Nebenraum drängt, soll ein Stockwerk höher ziehen.

"Mein Vater war Tischler und so lernte ich, den Werkstoff Holz zu lieben." Erika Ringler, Puppenkünstlerin



Vor 45 Jahren begann Erika Ringler, Puppen zu fertigen. Aus Ahornholz – einem Werkstoff, den sie liebt. „Mein Vater war Tischler und ich durfte als Kind in der Werkstatt helfen.“ Für Puppenkörper und -gesichter sei dieses Holz sehr gut geeignet, weil es haltbar ist und nicht reißt. Allerdings muss es vorher gut getrocknet werden.
Eigentlich will Ringler Entwicklungsstufen ihrer Kinder für die Nachwelt festhalten. Doch es wird mehr daraus und irgendwann müssen auch sämtliche Patenkinder herhalten.
„Kinder und Puppen sind Herzenssache“, meint Ringler, die sehr detailverliebt ist. Ihre Puppen sind hübsch anzusehen und elegant gekleidet. Seide, Wollstoffe und Leinen hat die Künstlerin verarbeitet. Die Perfektion einer Puppe besteht darin, dass sie… „eben nicht perfekt ist. Das sind wir Menschen ja auch nicht. Wichtig ist, dass die Puppe mich anschaut und keinen toten, leeren Blick hat.“
Die Achtzigerjahre, sagt Ringler, waren die Boomzeit aller Puppenmacher. Sie selbst beschäftigte zehn Mitarbeiterinnen. Von 1982 bis 2000 entstanden im Ringler’schen Atelier etwa tausend Puppen. „Zur Spielzeugmesse in Nürnberg belegten wir zwei Hallen, heute tummeln sich die Puppenmacher in einer kleinen Ecke.“

Sieben Mal in Folge gewinnt Erika Ringler den SuperDoll



1990 findet der erste Europawettbewerb in Neuss statt und Erika Ringler nimmt daran teil. „Ich war enttäuscht, weil meine Bergsteigerpuppe nicht einmal die Bronzemedaille gewann.“ Doch dann wird der ranghöchste Sonderpreis, der EuroDoll, aufgerufen und Ringlers Name fällt. Sie gewinnt ihn sieben Mal in Folge und darf sich damit in den Jahrbüchern der Puppenkunst verewigen.
„Ich bin nicht traurig, dass diese Zeit vorbei ist“, sagt Erika Ringler. „Ich bin froh, dass die Puppen in Rudolstadt eine neue Heimat bekommen. Und vielleicht entwerfe ich noch mal eine. Das Handwerkszeug und die Maschinen habe ich noch.“ Ihre Kinder sind zwar schon erwachsen, aber Erika Ringler hat zwei Enkelinnen im Vorschulalter. Das wäre doch eine Herausforderung.



Zur Sache:
Eröffnung des Puppenmuseums von Erika Ringler: 1. August, 14 Uhr, ehemalige Anker-Werke Rudolstadt, Schwarzburger Chaussee 82
Der Eintritt ist frei.
Auf 200 qm präsentiert die prämierte Puppenkünstlerin über 250 handgefertigte Puppen aus Ahornholz in Designerkleidung. Die Puppen sind 95 Zentimeter groß, bis zu 8 Kilo schwer und wirken lebensecht.
Erika Ringler mag keine Prinzessinnen, sie liebt Lausbuben und Lausemädchen. Auf Messen zogen ihre Puppen die Aufmerksamkeit vieler Männer auf sich, die sich in ihre Kindheit zurückversetzt sahen.
Erfolg hatte Erika Ringler mit ihren Puppen insbesondere bei autistischen Kindern, die in den Puppen einen Spielkameraden und Freund sahen.
Kontakt für Führungen nach dem Eröffnungstag: 01522/9206300

www.puppenmuseum-rudolstadt.de
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 02.08.2015 | 00:01  
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 04.08.2015 | 21:46  
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