Eule-Karikaturen von Arno Funke im Knöpferhaus Holzhausen

  Amt Wachsenburg: ... |

Eva Römer, Chefin des Knöpfervereins Holzhausen, betrachtete eines Tages das Wandbild "Thüringer Abendmahl" im Bratwurstmuseum, als ihr ein Gedanke durch den Kopf schoss: "Diese Handschrift kennst du doch." Und als klar war, dass Eulenspiegel-Karikaturist Arno Funke hinter der Parodie auf das Kirchengemälde steckte, beschloss sie, dass "Dagoberts" Popularität auch dem Knöpfer-Museum gut täte.

Am Sonntag wurde die Funke-Ausstellung im Knöpferhaus eröffnet. Der aus Berlin angereiste Künstler signierte Poster und einige seiner Bücher, die seine Fans mitbrachten. Mit AA-Autorin Jana Scheiding sprach er unter anderem über Seehofers Frisur und die unvergleichliche Thüringer Bratwurst.

In meinem Flur hängen einige original Funkes. Wenn Sie mir eins davon signieren, bekomme ich dann im Archiv fünf Zilles dafür?
(Lacht). Keine Ahnung. Das müssen Sie wohl ausprobieren.

Wann hat es zwischen Ihnen und der "Eule" eigentlich gefunkt?
Vor mehr als 16 Jahren. Die haben sich bei mir gemeldet, als in der Zeitung stand, dass ich gut zeichnen kann.

Wie viele Karikaturen haben Sie seitdem für das Satiremagazin gemacht?
Schätzungweise 300.

Wie finden Sie Ihre Themen?
Das sind meistens aktuelle Themen. Die Maut zum Beispiel. Oder Putins merkwürdige Vorschläge und Ankündigungen. Und da der sich am liebsten mit freiem Oberkörper in der Natur präsentiert, gibt das allerhand Stoff für einen Karikaturisten.

Arbeiten Sie mit Bleistift und Papier?
Nein, meine Arbeiten entstehen am PC.

Eignet sich jeder Mensch für Karikaturen?
Je weniger markant ein Gesicht ist, umso schwieriger wird es. Wir Karikaturisten brauchen ein kräftiges Kinn oder gar kein Kinn, Überbiss, Unterbiss - markante Merkmale eben.

Wer bereitet Ihnen Schwierigkeiten?
Ich hadere manchmal mit Seehofers Frisur, insbesondere mit dem Scheitel. Absolut ungeeignet ist Manuela Schwesig - eine gutaussehende Blondine, aber das war es auch schon. Die braucht nur mal die Frisur zu ändern, kein Mensch würde sie mehr erkennen.

Lieblingsfiguren?
Für die WM habe ich die Fußballnationalmannschaft karikiert. Löw, Reus, Schweinsteiger, Lahm. Sehr schöne Gesichter haben auch Kloße und Müller. Damit kann man etwas anfangen.

Können Sie eigentlich auch ernst?
Durchaus. Ich habe neulich die Bleistiftzeichnung wiederentdeckt. Der Mensch bleibt in jedem Fall Mittelpunkt. Eine Landschaft kann noch so schön sein und Gefühle wecken, es berührt einen anders, wenn ein Mensch zu sehen ist.

Szenenwechsel. Was schmeckt besser - die Berliner Currywurst oder die Thüringer Bratwurst?
Die Currywurst ist ja nur eine Brühwurst mit oder ohne Darm. Kann man mit der Thüringer Bratwurst nicht vergleichen. Die ist schon etwas Besonderes. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn in Berlin Bratwurst nacht Thüringer Art angeboten wird, die dann nicht den Hauch einer Thüringer hat.

Gott sei Dank gibt es zur Ausstellungseröffnung echte Thüringer. Wie viele Ihrer Werke zeigen Sie im Knöpferhaus?
Ich habe 40 mitgebracht und alle 40 hängen. Der Knöpferverein hat keine Mühen gescheut und Rahmen in ausreichender Zahl besorgt.



Hintergrund
Durch Funkes Wandbild entstand der Kontakt zum Verein "Freundeskreis Otto Knöpfer". Bis 3. Oktober stellt Funke im Knöpfer-Museum (Arnstädter Straße 32) aus.
Arno Martin Franz Funke, Jahrgang 1950, ist gelernter Lichtreklamemacher und arbeitete als Fotograf, Bauhelfer, Kraftfahrer, Pressefotograf, Kunstmaler und Kunstlackierer. Aufgrund der eingeatmeten Lösungsmittel litt er an Depressionen. Ende der 1980er Jahre erpresste er Kaufhäuser. Weil die Bereitschaft zur Geldübergabe durch eine Zeitungsanzeige mit dem Text "Dagobert grüßt seine Neffen" signalisiert wurde, bezeichnen die Medien Funke seitdem als Dagobert. 1995 wurde er verurteilt. Während der Haftzeit entstand der Kontakt zum Satiremagazin "Eulenspiegel", das endlich sein Talent entdeckte.
Das Elternhaus des Thüringer Malers Otto Knöpfers wurde 2003 von der Gemeinde Holzhausen vor Zwangsversteigerung und Abriss gerettet. Um 1643 erbaut ist es eines der ältesten Wohnhäuser im Ort. Knöpfer lebte von 1911 bis 1993, war freischaffender Maler und Leiter des Mal- und Zeichenzirkels im Chemieanlagenbau Arnstadt. Stationen waren unter anderem Erfurt, Meiningen, Mühlhausen, Bleicherode, Sömmerda, Luisenthal, Ruhla, Weißensee, Ebersdorf. Ausstellungen gab es in ganz Thüringen.
Der Otto-Knöpfer-Wanderweg ist Teil des Hauptwanderweges Jena - Eisenach (Erfurt, Wandersleben, Freudental, Burg Gleichen, Mühlburg, Schlossleite). Als Knöpferweg führt er von der Wachsenburg über Holzhausen und Haarhausen nach Arnstadt.
Heinrich Zille (1929 verstorben) war Maler, Grafiker, Fotograf und Karikaturist. In seiner Kunst bevorzugte der "Pinselheinrich" Themen aus dem Berliner Volksleben.

www.otto-knoepfer-haus.de
www.otto.knoepfer.de
www.wachsenburggemeinde.de
www.bratwurstmuseum.de
www.eulenspiegel-zeitschrift.de
www.arnofunke.de


Die untenstehende Bildergalerie zeigt Impressionen von der Vernissage.
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Hannelore Grünler aus Artern | 02.09.2014 | 06:16  
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