Gugge mal! Am 16. Mai veranstaltet die Ilmenauer Gruselgugge das große Guggemusikspektakel in Ilmenau

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Noch bevor die schmale Wendeltreppe in die obere Etage der Eishalle erklommen ist, sind die Bläser zu hören. Nun ja, die Töne könnten sauberer sein. Die Instrumente grollen wohl noch, weil ihre Besitzer sie durch die Kälte getragen haben. Es ist Donnerstagabend, die Musiker der Ilmenauer Gruselgugge treffen sich zur wöchentlichen Probe.

Während sich die Instrumente aufwärmen, nutzt Guggen-Chef Gerhard Juchheim die Zeit, um Termine bekanntzugeben: Sommergewinn, Autofrühling, Maibaumsetzen, Rennsteiglauf - das Orchester wird mittlerweile gern und oft gebucht. Seit seiner Gründung sind vier Jahre vergangen. In dieser Zeit erarbeitete sich das Ensemble einen Ruf über Thüringens Grenzen hinaus. Seit Februar geschieht das sogar mit Gottes Segen. „Den erhielten wir während des musikalischen Gottesdienstes in der Kirche von Unterpörlitz. Das war ein besonderer Augenblick“, erinnert sich Gerhard Juchheim. Dann entschuldigt er sich und eilt davon, weil die musikalische Leiterin Nicole Strobach das Signal zum Probenbeginn gegeben hat.

Die Trommeln donnern, gleich darauf setzen die Trompeten ein. Eine Gugge muss laut sein. Schließlich wurde diese Musik entwickelt, um den Winter zu vertreiben. Gegen den starken Rhythmus kann man sich nicht wehren. Über die Füße erfasst er nach und nach den gesamten Körper.

Von schrägen Tönen keine Spur


Gut 30 Musiker sind heute da. Wenn die gesamte Gugge zusammenkommt, sind es etwa 20 mehr. Das jüngste Orchestermitglied 4, das älteste 68 Jahre alt.
Das Zusammenspiel funktioniert jetzt immer besser, doch mitten in „Was wollen wir trinken, sieben Tage lang...“ bricht Nicole Strobach ab. Sie ist noch nicht zufrieden. „Egal, ob euch das Stück gefällt oder nicht, ihr müsst begeistert gucken“, ruft sie in die Runde. Allerdings erwecken die Akteure nicht den Eindruck, als würden sie ihre Stücke nicht mögen. Vielleicht waren sie einfach zu konzentriert.

Also noch einmal von vorn. Schlagzeug beginnt, die Bläser setzen ein. Der Rhythmus ist einfach geil und erzeugt Gänsehaut. Von schrägen Tönen keine Spur. Fehler müssen jetzt beseitigt werden, denn langsam wird es ernst. Zum ersten Mal veranstaltet die Gruselgugge das große Ilmenauer Guggemusikspektakel in eigener Regie. Mit Gästen aus Thüringen und darüber hinaus. Da können die Gastgeber kaum mit schlechtem Beispiel vorangehen.
Das Orchester geht derweil über „sieben Brücken“ und Nicole muss schon wieder unterbrechen. „Das strahlt zu wenig Glückseligkeit aus“, findet sie und wird ein bisschen blass. Wenn ihr jetzt schlecht wird, liegt das aber nicht an der Musik, sondern an zu erwartenden Mutterfreuden.

Von Anfang an arrangiert die studierte Musikerin Texte für ihre Gugge. Das Repertoire umfasst bislang etwa 25 Stücke. Dringend gesucht werden Bläser. „Sie müssen keine Vorbildung haben, wir bilden sie aus“, sagt Strobach. „Außerdem muss eine Gugge nicht so perfekt sein wie ein Blasorchester - wir betreiben hier professionellen Dilettantismus.“
Mit diesen Worten und einem Lächeln wendet sie sich wieder ihrer Gugge zu und lässt zum guten Abschluss des Abends „All You Need Is Love“ anstimmen.

Zur Sache:

Im schweizer-alemanischen Raum entstand die Guggemusik um 1874, um die Wintergeister auszutreiben und die Fastnacht zu beleben. Im Schweizerdeutsch steht der Begriff „Gugge“ für alle Arten von Blechblasinstrumenten. Die Musikstücke werden nicht nach dem Original gespielt, sondern mit eigenem Flair. Der Verein sucht weitere Mitstreiter im Jugend- und Erwachsenenalter. Im Herbst will er eine Nachwuchsgruppe gründen.
Kontakt: gerhard.juchheim@gmail.com
Termin: 5. Guggemusikspektakel, 16. Mai 2015, 19 Uhr, Festhalle Ilmenau Karten: Ilmenau-Information, BSC - Die Finanzberater an der Eishalle www.gruselgugge-ilmenau.de
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Gunter Linke aus Saalfeld | 10.04.2015 | 11:20  
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