Gunther Emmerlich kommt auf ein Glas Wein nach Arnstadt. Und singen wird er auch

Mit seinem Programm zum 70. Geburtstag tourt Gunther Emmerlich durch Thüringer Städte. (Foto: Agentur)
Arnstadt: ... |

"Ich bestimme selbst, wenn etwas zu Ende ist", sagt Gunther Emmerlich. Das tat er in der DDR und er tut es heute. Trotz seiner 70 Jahre ist der sympathische Bass noch sehr präsent. Unter anderem am Sonntag - im Schlossgartentheater Arnstadt.

"Wenn ich einmal reich wär..." - den Milchmann Tevje in "Anatevka" setzte Jazz- und Klassiksänger Gunther Emmerlich unter anderem am Meininger Theater mit seiner sonoren Bassstimme wirkungsvoll in Szene. Der Wahldresdner ist ein waschechter Thüringer, den es gern und oft in die Heimat zieht. Mit seiner Sendung „Showkolade“ wurde er in der DDR ein TV-Star. Das Publikum lauerte regelrecht auf den regimekritischen Schlagabtausch zwischen dem Moderator und Schauspieler Wolfgang Stumph, den dieser stets mit den Worten „Herr Emmerlisch, darf ich Sie mal unterbrechen…?“, eröffnete.
Einen reichen Erfahrungsschatz hat der Entertainer also allemal. "Die Welt und ich - 70 Jahre Emmerlich" heißt sein aktuelles Programm, mit dem er in den kommenden Wochen in Thüringer Städten gastiert. AA-Autorin Jana Scheiding sprach mit dem sympathischen Bass über 70 Jahre, in denen er kein bisschen leise geworden ist.


Beinahe wären Sie Bauingenieur geworden. Wann kam der Schwenk zur Musik?
Die Liebe dazu war schon immer vorhanden, ich habe nicht Dienstagnachmittag den Hebel umgelegt und gesagt: Jetzt mache ich mal Musik. In der Schule fand meine Musiklehrerin, dass man meine Stimme den Leuten zumuten kann. Ich trat mit meiner Gitarre auf und habe gesungen. Eines Tages brachte mich jemand auf die Idee, an der Franz Liszt-Hochschule in Weimar vorzusprechen, wo ich dann studierte.

Wie haben Sie zu DDR-Zeiten, wie nach der Wende Musik gemacht?
(lacht). Immer mit Tönen. Nein, im Ernst. In der Klassik, bei Mozart zum Beispiel, gibt es keinen Unterschied. Beim Rock 'n' Roll hatten wir Musiker das Problem, dass es in der DDR keine Textvorlagen gab. Wir hörten die Texte also im Radio ab und gaben sie dann in abenteuerlichem Englisch wieder. Hat im Publikum nur selten jemand bemerkt, weil fast alle Russisch hatten.

Haben Sie bedauert, dass Ihre Sendung "Showkolade" nur drei Jahre dauerte?
Nein, ich selbst habe sie ja beendet. Ich führte auch in der DDR ein weitgehend selbstbestimmtes Leben und entschied selbst, wann es Zeit ist, mit einer Sache Schluss zu machen. Außerdem hätte die Sendung nach der Wende so nicht mehr funktioniert. Es war mir stets eine intellektuelle Freude, versteckte Gags einzubauen, die zwar die Zuschauer, nicht aber die Funktionäre verstanden. Weil sie vorher durch die Zensur musste, war die „Showkolade“ keine Livesendung. Was die Funktionäre verstanden, strichen sie, vieles ging aber durch. Nach der Wende durfte jeder alles sagen, da wäre dieser Effekt verlorengegangen. Ich habe aber die plötzliche Anwesenheit von Demokratie damals sehr begrüßt.

Die Sie selbst mitgestalteten...
Ja. Ich habe nicht hinter der Gardine gestanden und abgewartet, wie sich alles entwickeln würde. Ich war aktiv, bin zu den Demonstrationen gegangen und habe nach den Aufführungen im Theater entsprechende Erklärungen verlesen.

Was tun Sie heute, was Sie früher nicht tun konnten?
Mich wirkungsvoll für den Denkmalschutz einsetzen, zum Beispiel. Früher hieß es: Wir haben kein Material und keine Leute. Heute haben wir beides, da kann man auch etwas tun. Zu meinen Projekten gehören die Stadtkirche in Wittenberg, wo Luther erstmals evangelisch predigte, die Orgel in Kahla und meine Heimatstadt Eisenberg.

Solche Projekte sind sehr zeitaufwändig. Sind Sie ein geduldiger Mensch?
Ich mag nicht, wenn die Leute sagen, alles brauche seine Zeit. Die Zeit tut doch nichts, als zu vergehen. Wir Menschen müssen selbst aktiv sein und die Dinge voranbringen.

Seit Ihrer Taufe in Eisenberg ist einige Zeit vergangen. Sie haben Ihr Leben in ein Programm gepackt?
Ja. "Die Welt und ich - 70 Jahre Emmerlich", heißt es. Das Programm umreißt die Zeit, die ich auf dieser Welt bin. Ich setze mein kleines Leben ins Verhältnis zur großen Weltpolitik. Das ist zum Teil sehr witzig. Außerdem habe ich exzellente Musiker, die diese Zeit musikalisch abdecken - von Swing über Rock 'n' Roll, Musical bis Pop. Es wird ein sehr heiterer Abend, das kann ich versprechen.

Am Sonntag gastieren Sie in Arnstadt. Werden Sie Zeit für einen Stadtbummel haben?
Diese Zeit nehme ich mir. Arnstadt ist eine sehr schöne Stadt, die älteste der ehemaligen DDR. Ich war schon einige Male dort, auch mit meiner Sendung „Zauberhafte Heimat“. Ich werde die Altstadt auf jeden Fall besuchen.

Vielleicht kehren Sie ja - als Weinbotschafter - auf einen Wein ein. Wie kam es eigentlich dazu?
2006 wurde die deutsche Weinkönigin - anlässlich der 800-Jahrfeier - in Dresden gewählt, weil es auch im Elbtal eine jahrhundertealte Weintradition gibt. Ich habe diese Veranstaltung moderiert. Wenig später fragte mich der Präsident des Weinbauverbandes, ob ich nicht Weinbotschafter für die Region Saale-Unstrut werden wolle. Ich bekleide dieses Amt sehr gern, auch weil es Erinnerungen weckt. Als Jugendliche fuhren meine Freunde und ich mit den Fahrrädern nach Freyburg, deshalb war mein erster Wein ein "Saale-Unstrut". Das Ganze kann man natürlich auch sinnbildlich verstehen: Im Wein liegt die Wahrheit und ich schenke den Menschen reinen Wein ein. Außerdem ist mir die Anwesenheit von Weinköniginnen und -prinzessinnen nicht ganz unangenehm.

Hintergrund:
Vita: Am 18. September 1944 in Eisenberg bei Stadtroda geboren, studierte an der Ingenieurschule für Bauwesen Erfurt, 1967 bis 1972 Studium Operngesang in Weimar, bis 1992 im Ensemble der Dresdner Oper, 1987 bis 1990 Gastgeber der Sendung "Showkolade" im DDR-Fernsehen, seit 2004 Moderator der TV-Gala "Krone der Volksmusik".
Weitere Sendungen: 1994 bis 2006 „Zauberhafte Heimat“; zehn Jahre Dresdner Opernball.
Bücher: "Ich wollte mich mal ausreden lassen", "Zugabe".
Ehrenämter: Botschafter der Carrera-Leukämie-Stiftung, Weinbotschafter von Saale-Unstrut.
Auszeichnungen: Bundesverdienstkreuz, Bambi.
Außerdem: lebt in Dresden, Patenkinder in Kambodscha und Santo Domingo, passionierter Skatspieler, etwa 200 Tage im Jahr unterwegs (rund 70.000 Kilometer).
Termine: 16. April, 19.30 Uhr, Kurtheater Bad Liebenstein; 17. April, 17 Uhr, Theater im Schlossgarten Arnstadt; Anfang Juni Bürgel.
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3 Kommentare
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Dieter Eckold aus Zeulenroda-Triebes | 13.04.2016 | 09:42  
1.536
Constanze Fuchs aus Gotha | 13.04.2016 | 11:44  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 20.04.2016 | 07:27  
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