Heinz Rennhack kann auch ernst - aber meistens ist er komisch

Heinz Rennhack (links) gastiert am 1. Februar mit Heinz Behrens im Schlossgartentheater Arnstadt. (Foto: Agentur Behnke)
 
Zum Schießen: Rennhack und Behrens sind zwei Schauspieler, die sich auf einer Probenbühne treffen, weil sie von ihren Agenturen vermittelt wurden. Der eine denkt, für eine Beerdigung, der andere denkt, für eine Hochzeit. (Foto: Agentur Behnke)
Arnstadt: ... |

"Theaterspielen war und bleibt meine große Leidenschaft", sagt Heinz Rennhack. Zurzeit gastiert der Schauspieler mit dem Stück "Der Geizige" von Molière in Meiningen, wo er die Titelrolle spielt. Am 1. Februar steht er mit seinem Kollegen Heinz Behrens auf der Bühne des Schlossgartentheaters Arnstadt. Gemeinsam sind sie "Zwei Genies am Rande des Wahnsinns".
Ich durfte Heinz Rennhack an seinem heiligen Sonntag stören und sprach mit ihm via Telefon über alte und neue Bühnenmomente.

Rennhack: Sie sind ja pünktlich. Nach Ihnen kann man die Uhr von Westminster stellen.

Pünktlich wie die Maurer. Apropos: Sie waren ja mal Handwerker. Wie hielten Sie es mit der Pünktlichkeit?
Jahrelang lebte ich mit einem schlechten Gewissen. Ich fürchtete, meiner Mutter zehn Lebensjahre gestohlen zu haben, weil sie immer so viel Zeit damit verbringen musste, mich zu wecken. Aber sie ist über 90 geworden.

Und was führte den Tischler Heinz Rennhack auf die Bretter, die die Welt bedeuten?
Es geht nichts über einen soliden Beruf... Meine künstlerische Ader entdeckte man bei mir, als ich etwa acht war. Einen großen Teil meiner Freizeit verbrachte ich im Kirchenchor und eines Tages sagte jemand: "Junge, du musst zum Theater." Schließlich fand sich ein Opernsänger, der mich zum Nulltarif unterrichtete.

Später studierten Sie fünf Jahre Operngesang?
Ja. Meine Stimme war nett, aber nicht groß genug. So verlegte ich mich auf die Schauspielerei. Da bin ich immer schon talentierter gewesen, obwohl ich diesen Beruf nie gelernt habe.

Hat Ihnen Ihre fröhliche Art den Einstieg ins Schauspielfach erleichtert?
(lacht). Gewissermaßen. Ich war wohl der einzige Student, den jeder kannte. Aber es hat mich nicht eitel gemacht. Ich wurde oft eingeladen, um die Gesellschaft zu unterhalten. Doch ich bin eher ein Situationskomiker, der sich über sich selbst lustig macht, weniger über die anderen.

Sie sind seit Jahrzehnten im Geschäft, ähnlich wie Ihre Kollegin Renate Blume. In einem Interview sagte ich ihr, dass ich quasi mit ihr aufgewachsen sei. Davon war sie einerseits angetan, andererseits empfand sie es als Anspielung auf ihr Alter. Wie ist das bei Ihnen?
Das kann mich nicht schockieren, weil ich beinahe jeden Tag auf "Spuk im Hochhaus" und den "Wunschbriefkasten" angesprochen werde. Diese Serien liefen in den Siebziger- und Achtzigerjahren! Wobei „Spuk im Hochhaus“ bis heute jedes Jahr wiederholt wird.
Wenn ich nach der Vorstellung das Theater verlasse, dann warten manchmal Menschen auf mich, die mir mit Tränen in den Augen erzählen, dass ich sie durch ihre Kindheit und Jugend begleitet habe, und sie mir deshalb die Hand schütteln wollten.

Können Sie sich an besondere Leserzuschriften erinnern?
Im Wunschbriefkasten erfüllten wir die musikalischen Wünsche unser Zuschauer. Eine Dame schrieb mir, dass sie immer zu dieser Zeit den Kaffeetisch decke und hoffe, dass ich Pflaumenkuchen mag. Neulich erhielt ich einen Brief von einer älteren Frau. Sie schrieb: "Ich bin 81 (nicht weitersagen) und Ihre größte Verehrerin." Das berührt mich.

Haben Sie nach Ihren vielen Berufsjahren noch Lampenfieber?
Sagen wir mal, 20 Minuten vor Beginn der Vorstellung bin ich normal nervös. Dann weiß jeder, dass er mich nicht ansprechen sollte, weil ich mich konzentriere. Nur einmal habe ich den Text vergessen. In Erfurt musste ich deshalb ein Lied dreimal von vorn beginnen. Doch ich improvisierte und das Publikum hat den Hänger gar nicht als solchen wahrgenommen.

Am 1. Februar gastieren Sie in Arnstadt. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Theater im Schlossgarten?
Ich war schon einige Male dort. In einem Jahr herrschte so scheußliches Wetter, dass ich mich um eine halbe Stunde verspätete. Gott sei Dank fand die Regie Licht- und Tondaten meiner Show noch im Computer und so konnte ich gleich ins Programm einsteigen. Das Publikum hatte auf mich gewartet und es wurde eine der schönsten Veranstaltungen, die ich je hatte.

Ihr Kollege Heinz Behrens und Sie sind zwei Genies am Rande des Wahnsinns. Was passiert denn in diesem Schwank?
Ein neurotischer Komiker in Geldnot und ein ehemaliger Staatsschauspieler treffen sich auf einer Probebühne, um gemeinsam einen Auftritt zu erarbeiten, für den beide über ihre Agenten gebucht sind. Dass sich beide nicht ausstehen können, ist das kleinste Problem. Der eine glaubt, er sei für eine Hochzeit gebucht, der andere ist überzeugt, es gehe um eine Beerdigung. Welch‘ skurrile Wortspiele und Situationskomik dieser Irrtum hervorbringt, kann man erahnen. Das Stück gibt Einblicke in die Eitelkeiten der Theaterarbeit. Wer es oberflächlich betrachtet, wird es als Klamauk empfinden. Den tieferen Sinn versteht nur, wer genau zuhört.


Zur Person:
Heinz Paul Johannes Rennhack
1937 in Danzig geboren
lernte in Schwerin Tischler
studierte nach der Lehre Operngesang
fand über Staatsoperette Berlin den Weg ins Fernsehen
seit 1969 ohne Unterbrechung als Schauspieler aktiv

Serien, Filme und Shows (Auszüge):
Spuk im Hochhaus
Polizeiruf 110
Aber Doktor
Wunschbriefkasten
Ein Kessel Buntes
Der große Bellheim
Heinz bleibt Heinz
Liebling Kreuzberg
In aller Freundschaft
Ein Engel im Taxi

Preise:
Kunstpreis der DDR
Nationalpreis der DDR
1991 Preis "Der Goldene Vorhang für den beliebtesten Theaterschauspieler"

Theater:
Komische Oper Berlin
Theater des Westens
Theater am Kurfürstendamm
2006 Oberspielleiter und Regisseur des Hamburger Kulturdampfers "Das Schiff"
2009 Winter-Revue Friedrichstadtpalast

Rennhack lebt in der Nähe von Lübeck und hat eine Tochter.

Termine:
1. Februar, 17 Uhr, Theater im Schlossgarten, Arnstadt
12. März, 19.30 Uhr, Gesellschaftshaus Sonneberg
15. März, 19.30 Uhr, Theater Hildburghausen
„Der Geizige“ ist eine Koproduktion der Theater Eisenach und Meiningen und wird bis Ende Juni in Meiningen aufgeführt. Dafür sind noch Karten zu haben.
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5 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 21.01.2015 | 08:06  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 21.01.2015 | 10:09  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 21.01.2015 | 22:09  
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Silke Dokter aus Erfurt | 22.01.2015 | 20:14  
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 22.01.2015 | 22:11  
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