Herausforderung Milchhof Arnstadt: Zündende Ideen für Nachnutzung gesucht

Der ehemalige Milchhof ist heute ein Kulturdenkmal, dass die Arnstädter noch nicht aufgegeben haben.
 
Oben ohne ist auf Dauer nicht gut für die Bausubstanz.

Im oberen Stockwerk steht noch ein Name an der Tür: D. Zeitelhack. Möglicherweise ist das der Name des letzten Hausmeisters im 1928 gebauten und eröffneten Milchhof Arnstadt. Denn dieser wohnte - ebenso wie der Betriebsleiter - in dem funktionalen Bauhausstil-Gebäude in der Quenselstraße, Ecke Mühlweg. Zu einer Zeit, als es hier noch einen Milchladen, Produktionsstätten, Flaschenreinigung, Kühlung und Kontor gab.

Das ist lange her. Mit der Wende wurde das Gebäude buchstäblich ausgeweidet. Übrig blieb eine Hülle, die langsam verfällt. Einzig original sind die gelben Fliesen von 1928, die durch ihre schmale saubere Verfugung auffallen.
Eigentlich sollte der rote Kasten Bekanntschaft mit der Abrissbirne schließen, doch dann besannen sich engagierte Arnstädter und erklärten den Milchhof zum Kulturdenkmal. Geschlossen bleibt er vorerst trotzdem - es mangelt am Geld.

Kunst in morbider Kulisse

In der morbiden Kulisse eine Fotoausstellung zu zeigen, war die Idee des Arnstädter Fotografen Dr. Jan Kobel, der für die Sanierung der Alten Handschuhfabrik jüngst den Thüringer Denkmalpreis erhielt.
Gemeinsam mit Schülern der Bechstein-Schule fotografierte er alte Bauten des Architekten Martin Schwarz, der das hiesige Stadtbild in den 1920er Jahren maßgeblich prägte. „Dazu gehören die Ley-Villa am Wollmarkt 10, der Wohnturm an der Riedmauer 14 oder die ehemalige Synagoge in der Krappgartenstraße“, weiß Kobel, der die Kreativität der Schüler gar nicht genug loben kann. Fotografien von schicken Villen in heruntergekommener Atmosphäre - das hat etwas Anziehendes.

Der Zahn der Zeit nagt unaufhörlich

Tatsächlich ist die einen Tag währende Ausstellung gut besucht. Über hundert Menschen sind an diesem heißen Nachmittag in den Milchhof gekommen, um zu filmen, zu fotografieren oder einfach das zu sehen, was der Zahn der Zeit angenagt hat.
Rahmen für die Aktion ist die Internationale Bauausstellung (IBA), um deren Gunst sich Arnstadt bemüht. „Wir wollen die Menschen für die architektonischen Schätze unserer Stadt sensibilisieren“, erklärt Kobel.
Kultur im Milchhof könne er sich öfter vorstellen. Für eine erneute Nutzung werden nun innovative Ideen gesucht, die ruhig ein bisschen schräg sein dürfen. Lange sollte man damit aber nicht warten. Der Zahn der Zeit nagt nämlich weiter.


Zitate:
Petra Enders, Landrätin Ilm-Kreis: „Zukünftig werden denkmalgeschützte Strukturen zum großen Teil nur durch Privatinitiative erhalten werden können“.
Alexander Dill, Bürgermeister von Arnstadt: "Seit 20 Jahren befinden wir uns in einem Renaissanceversuch, den Milchhof wieder zu beleben“.
Michael Kühn, Eigentümer der Immobilie. „Unser Architekt spricht bestimmt schon jeden Stein mit Du an, aber die Sanierung des Milchhofs ist eine Geldfrage“.
Architekt Walther Grunwald (rettete die Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar): „Leerstand und Vandalismus sind die großen Gegner des Denkmals. Wie Maschinen und Anlagen hier herausgerissen wurden - das habe ich schon lange nicht mehr gesehen“.

Kontakt für Ideen:
Stadtverwaltung Arnstadt Landratsamt Ilm-Kreis Dr. Jan Kobel: info@jankobel.de 03628/5869991
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2 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 05.08.2014 | 11:59  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 09.08.2014 | 09:45  
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