"Ich liebe Musik, Schuhe und die Bücher von Nicholas Sparks!"

Katharina Herz mit den berühmten Ilmenauer Ziegen.
    Ilmenau: ... | AA-Redakteurin Jana Scheiding traf sich mit Schlagerstar Katharina Herz


An einem Freitagmorgen halb zehn bin ich mit Katharina Herz verabredet. Einer Ilmenauerin, die es im Musikgeschäft zu etwas gebracht hat und die trotzdem bodenständig blieb. Entgegen sonstiger Gewohnheiten bin ich ein paar Minuten zu früh. Im Eiscafé San Marco wollen wir beim Kaffee ein wenig plaudern. Die Fußgängerzone ist schon belebt um diese Zeit. Menschen eilen geschäftig hin und her, andere bummeln durch die Stadt, betrachten die Auslagen. Am blauen Himmel steht die Sonne, langsam wird es warm. Mein Blick fällt auf die beiden berühmten Ilmenauer Ziegen und ich denke: ‚mit denen könntest du sie nachher fotografieren’.
Sechs Minuten nach halb fährt Katharina vor – im dunkelblauen Sharan. Blond, hübsch, souverän, umwerfendes Lächeln. Für die winzige Verspätung entschuldigt sie sich. Keine Starallüren, konstatiere ich erfreut. Der Grund ist ein ganz süßer, wie ich später via Handyfoto sehen werde: Die zweieinhalbjährige Ophelia wollte ihre Mama nicht gehen lassen.
Natürlich macht Katharina Herz den Joke mit den Ziegen mit, guckt sogar durch deren Beine. Ein Termin, der Spaß macht. Zum Interview gehen wir ins Café.

Frau Herz, Sie sind jetzt im 13. Bühnenjahr. Wie hat Ihre Karriere eigentlich begonnen?

Da war ich noch Schülerin des Goethegymnasiums. Musik hatte in meinem Leben schon immer eine große Rolle gespielt. Bei uns zu Hause wurde Hausmusik gemacht. Ich kannte alle Volkslieder, leitete einen Gospelchor. Mein Bruder Alexander spielte Klarinette, ich Akkordeon.

Permanentes Üben soll aber nicht zu Ihren Leidenschaften zählen...

Stimmt. Ich wurde auch bald davon befreit. Eines Tages entdeckte ein Musiklehrer mein Gesangstalent. Ich war sofort Feuer und Flamme. Meine Mutter hat schon erstaunt geguckt, als ich zu Hause mit Büchern auf dem Bauch Atemübungen machte. Aber sie ließ mich erst mal machen. Meine Eltern waren mir immer eine gute Unterstützung.

Wie ging’s weiter?

In der 12. Klasse bewarb ich mich an der Musikhochschule Weimar und hatte Glück, gehörte zu 13 Auserwählten aus 300 Bewerbern. Das Studium war für mich sehr persönlichkeitsbildend. Wir hatten ja dort nicht nur Gesang, sondern auch Tanz, Theater, Schauspiel und eine fundierte Sprechausbildung.

Wie wurde denn die Öffentlichkeit auf Sie aufmerksam?

Eines Tages war ich Gast in Heinz Quermanns Sendung „Herzklopfen kostenlos“. Von dort wurde ich zu verschiedenen weiteren Veranstaltungen engagiert. Bei einer dieser traf ich den Erfolgsproduzenten Günther Behrle, der unter anderem für das Naabtal Duo „Patrona Bavariae“ geschrieben hatte. Er machte sofort einen Plattenvertrag mit mir. Für Trompeter Torsten Benkenstein und mich schrieb er die Ballade „Addio“ und landete den Nummer-Eins-Hit in der Superhitparade der Volksmusik 1998 mit Carolin Reiber. Dieser Titel ist heute noch meine musikalische Visitenkarte. Zu jener Zeit allerdings fielen meine ersten TV-Auftritte mitten in die Abiturprüfungen. Damals wurde ja noch live im Fernsehen gesungen. Es war unheimlich aufregend.

Heute ist alles Playback?

Ja. Aus technischen und aus Kostengründen. Die Einstellung jedes einzelnen Interpreten wäre bei TV-Sendungen wohl viel zu aufwändig.

Nach Abschluss Ihres klassischen Studiums trennten sich Ihre und die Wege von Torsten Benkenstein. Warum?

Wir waren menschlich recht unterschiedlich und wollten unsere musikalischen Träume verwirklichen. Außerdem war er der Rockmusik mehr zugetan als dem Schlager. Doch für mich begann eine neue Ära als Solistin. Ich hatte viele Angebote von Agenturen und nahm mein erstes Solo-Album auf.

Sie sind ja nun etliche Jahre im Schlagerbusiness. Können Sie auch noch klassisch?

(lacht). Ich bin Mezzosopran und könnte Ihnen hier die Carmen singen – ja.

Das Musikgeschäft ist bekanntlich eine ernste Sache. Die Konkurrenz schläft nicht und viele Stars werden Opfer von Intrigen. Wie gehen Sie damit um?

Ich denke, wenn man auf dem Boden der Tatsachen bleibt, ist man dem nicht so ausgesetzt. Auch die Öffentlichkeit kann man auf Abstand halten, wenn man das will. Sicherlich werden Sie immer auf Leute stoßen, die Ihnen nicht wohlgesonnen sind. Bisher ist es mir aber gelungen, das auszublenden. Außerdem bin ich ein sehr positiver Mensch und kann Rückschläge gut wegstecken. Seit einigen Jahren bin ich mein eigener Herr. Ich manage mich selbst und mache auch meine Termine selbst. Das ist zwar viel Arbeit, aber ich bestimme, wohin es in meinem Leben geht. Und das ist herrlich.

Soweit ich weiß, hat in Ihrem Leben noch eine resolute junge Dame das Sagen...

(lacht) Ja, das stimmt. Ophelia ist wirklich ein Schatz. Aber ich kann alles gut vereinbaren. Ich habe ja noch meine Eltern und meinen Mann. Ohne diese super Familie könnte ich mich nicht so entfalten.

Es soll vorgekommen sein, dass Marianne Rosenberg das Konzert absagte, weil der Veranstalter ihren Lieblings-Orangensaft aus Argentinien nicht einfliegen wollte. Leisten Sie sich auch manchmal eine Starallüre?

Nein, ich bin absolut pflegeleicht. Und ich singe, weil ich das Publikum unterhalten will. Das macht mir einfach Spaß. Sicherlich muss ich meinen Lebensunterhalt verdienen, aber es ist schon vorgekommen, dass ich von einem Konzert nach Hause fuhr und kurz darauf der Veranstalter anrief und fragte, ob ich mein Geld nicht haben wolle. Da hatte ich doch glatt vergessen, die Gage im Konzertbüro abzuholen.

Gibt’s noch mehr lustige Episoden?

Oh ja. Eine ist mir noch sehr genau in Erinnerung. Vor Jahren gab es kaum farbige Schuhe zu kaufen. Ich war Gast in einer Fernsehsendung und hatte mir dafür ein türkises Kleid gekauft. Die Schuhe waren wirklich ein Problem. Also besorgte ich mir kurzerhand Autolack und sprühte schwarze Schuhe damit ein. Tja, in der Sendung hatte ich dann die ganze Zeit Shownebel bis zum Knie.

In Ihrer eigenen Show dürfen Sie ja selbst bestimmen, wann Nebel eingesetzt wird. Im September sind Sie Gastgeberin des 1. Katharina Herz & Freunde-Festes. Wen haben Sie eingeladen?

Ja, es ist meine erste eigene Veranstaltung und ich bin mächtig aufgeregt. Eingeladen habe ich unter anderem Andy Borg und Die Schäfer. Unterstützt werde ich von der Dance Company aus Ilmenau.

Sie sind also Lokalpatriotin?

Unbedingt. Ich bin meiner Heimatstadt Ilmenau sehr zugetan. Mein Großvater, Kurt Heunemann, war hier 20 Jahre Bürgermeister. Ich fühle mich hier zu Hause, angenommen und als Künstler akzeptiert.

Nach Ihrer fünften USA-Tournee durch die deutschen Clubs von Detroit, New York und Chicago in diesem Jahr steht auch der nächste Fernsehauftritt kurz bevor, wo Sie Ihre neue CD „Die Liebe lebt“ vorstellen?

Am 22. Juli bin ich zu Gast in der Wernesgrüner Musikantenscheune. Die Sendung wird 21 Uhr im MDR-Fernsehen übertragen.

Sie texten ja nicht nur für sich selbst, sondern auch für Ihre Kollegen. Woher nehmen Sie die Inspiration? Wie entsteht so ein Song, der mitunter Jahrzehnte im Ohr bleibt?

Manchmal inspiriert mich schon eine E-Mail, ein Satz aus der Zeitung oder ein Moderator im Radio. Manchmal schließe ich aber auch einfach die Augen und lasse mich emotional treiben. Meist habe ich zuerst die Melodie, der Text kommt dann fast von allein.

Woran arbeiten Sie zurzeit?

Sie werden lachen. An einem Weihnachtstext.

Beantworten Sie jeden Fanbrief?

Ja, jeden. Ich halte Fanarbeit für sehr wichtig. Was wäre ich ohne meine Fangemeinde? Mein ältester Fan ist übrigens 93 und hat gleich zehn Karten für meine Veranstaltung im September gekauft. Wissen Sie, wenn ich auf der Bühne vor meinem Publikum stehe, merke ich, wie es pffff macht. Das ist wie ein Ventil.

Was macht Katharina Herz fernab der Notenschlüssel und Bühnenarrangements?

Die meiste Zeit gehört meiner Familie, aber wenn ich mal Zeit für mich habe, verschlinge ich die Bücher von Nicholas Sparks, gehe in die Sauna oder shoppen.

Doch nicht etwa Schuhe?!

Und ob! Mittlerweile habe ich mehr als 150 Paar. Allerdings muss ich einschränkend sagen: seit Ophelia auf der Welt ist, kaufe ich Schuhe einige Nummern kleiner.

Was ist für Sie Luxus?

Zeit zu haben. Mit meiner Familie campen zu gehen, Rad zu fahren, ungeschminkt im Jogginganzug ein Buch zu lesen.

Also gehören Sie zu jenen, für die der aktive Tag 24 Stunden haben könnte?

(nickt) Und die Nacht dazu.
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3 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 18.07.2011 | 16:18  
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Katrin Treydte aus Erfurt | 18.07.2011 | 20:56  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 19.07.2011 | 09:09  
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