Im Interview mit Rüdiger Nehberg

Rüdiger Nehberg hat immer spannende Geschichten im Handgepäck. (Foto: Imago)
Rüdiger Nehberg ist Menschenrechtsaktivist, Konditor und Überlebenskünstler, weshalb man ihn gern "Sir Vival" (survival - überleben) nennt. Mit vier Jahren verschwindet er von zu Hause, zwei Tage später bringt die Polizei ihn zurück. Schon damals spürt der heute 75-Jährige die unbändige Abenteuerlust in sich.

Herr Nehberg, bei Google existieren 74 Seiten über Sie. Aber auch außerhalb des Internets sind Sie ja nicht unbekannt. Wie fühlt man sich im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses?

Ich freue mich, dass meine Art zu leben, andere interessiert. Mein Leben ist ja ein einziger spannender Krimi.

Sie haben 25 Jahre lang als Bäckermeister mit zum Teil 50 Angestellten gearbeitet. Was veranlasste Sie, Ihrem Leben eine derart krasse Wendung zu verpassen?

In den 1960er Jahren hörte ich zum ersten Mal von den so genannten Survival-Reisen. Wie baut man eine Blockhütte, wie ernährt man sich von den Früchten der Natur und so weiter. Das war damals in den USA ein ganz großes Thema. Hier überhaupt nicht.

Und Sie fingen Feuer...?

Das Ganze hatte durchaus auch eine pragmatische Seite. Wohlstand kann schnell vorbei sein. Ich wollte für alle Eventualitäten des Lebens gerüstet sein.

Beim Abenteuer allein ist es ja nicht geblieben. Sie setzen sich auf Ihren Reisen für Menschenrechte ein. Was sehen Sie als Ihre größten Verdienste?

Der Kampf gegen die Ausrottung der Indianer in Brasilien und das Engagement gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen. Als ich damit begann, stieß ich auf offene Herzen, aber auch viele Bedenkenträger. Also gründete ich 1998 meine Organisation "Target".

Auf Ihren Reisen durch gefährliche Gegenden überstanden Sie 22 Raubüberfälle. Wird das irgendwann zur Routine?

Nein. Ich hatte immer Angst, denn ich wusste ja nie, passiert das jetzt unerwartet oder habe ich Zeit, Überlegungen anzustellen. Aber ich wollte immer lieber kurz und knackig leben als lang und langweilig. Jetzt lebe ich lang und knackig - das weiß ich täglich neu zu schätzen.

Haben Sie Vorbilder?

Ja. Nelson Mandela zum Beispiel. Ich bewundere jemanden, der nach dreißig Jahren Misshandlung noch derart großmütig sein kann.

Ihre super Vision?

Den saudischen König für meinen Kampf gegen die Genitalbeschneidung von Frauen zu gewinnen. Er weiß zwar noch nichts davon, aber ich weiß es schon.


Informationen über Rüdiger Nehberg

• Rüdiger Nehberg wird am 4. Mai 1935 in Bielefeld geboren und lebt heute in einer umgebauten Mühle in Schleswig-Holstein
• Charakterisiert sich selbst mit: kein Sternzeichen, keine Haare, kein Clip im Ohr
• 1972 bezwingt er im selbst konstruierten Boot als Erster den Blauen Nil
• Seit 1980 setzt er sich für das Indianervolk der Yanomami ein; dafür überquert er den Atlantik auf einer Tanne
• 1981 durchquert er Deutschland und lebt nur von dem, was die Natur am Wegesrand bietet
• 1998 gründet er die Menschenrechtsorganisation "Target" und kämpft gegen die weibliche Genitalverstümmelung
• 2002 Bundesverdienstkreuz aufgrund Engagement für Völkerverständigung (insbesondere mit dem Islam); 2008 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für Einsatz gegen Verstümmelung weiblicher Genitalien
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige