Jetzt wird's ernst! Ilmenau startet in die 48. Faschingssaison

Bevor es ernst wird, haben IKK-Präsidentin Beatrix Lutz (links) und Ex-Prinzessin Jennifer Schneider noch allerhand zu lachen.
Ilmenau: ... |

Fasching - das sind für närrisches Publikum zu den Festsitzungen vier bis sechs Stunden unterhaltsames Programm am Stück in einer aufwändig geschmückten Narrhalla. Ansonsten bunte Kostüme, Tanz auf den Straßen, Spaß und Alberei.
Für die Karnevalsvereine ist die fünfte Jahreszeit ein ungeheurer logistischer Aufwand, den die Protagonisten neben ihrer Arbeit betreiben. Und doch sind sie jedes Jahr mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache.
AA-Redakteurin Jana Scheiding wollte wissen, welche Mühe es kostet, eine Session auszugestalten. Zu diesem Zweck traf sie sich mit Beatrix Lutz, Präsidentin des Ilmenauer Karnevalklub e.V. (IKK), und Jennifer Schneider, Prinzessin der Session 2015/16.

Frau Schneider, wie wird man ohne blaues Blut in den Adern Prinzessin?
Ich habe mich einfach beworben. Das Übrige hat wohl meine Ausstrahlung bewirkt.

Braucht man für dieses Amt nicht einen Sack voller Geld?
Beatrix Lutz: Es stimmt schon, dass man sich in einige Vereine kaufen muss. Beim IKK ist das nicht so. Wir stellen alles – vom Ornat bis zur Insigne. Geld braucht das Prinzenpaar nur für den eigenen Verbrauch. Fröhlichkeit, ein bisschen Schönheit, Redegewandtheit, Disziplin und Zeit sollte es aber mitbringen – etwa fünf bis sechs Urlaubstage und einige Wochenenden. Wir stehen in Kontakt mit zwölf Gastvereinen, die uns besuchen und deren Besuch wir erwidern. Hinzu kommen Proben und Auftritte.
Außerdem muss die Prinzessin ins Kleid passen. Wir können aus unserer Standardgröße 40/42 zwar eine 36 machen, aber nach oben wird es schwierig.
(Lacht). Bisher haben wir es auch immer geschafft, dass unser Prinzenpaar jünger ist als die Arnstädter Paare.

Sind alle Prinzenpaare des IKK auch privat ein Paar?
Beatrix Lutz: Nicht alle. Die meisten potenziellen Prinzenpaare lernen sich erst im Verein kennen.
Jennifer Schneider: Und das mal mehr, mal weniger intensiv. Es sind auch schon Ehen aus einer Session hervorgegangen.

Wie haben Sie Ihre Zeit als Prinzessin erlebt?
Als aufregend und sehr menschlich. Ich bin Erzieherin und als ich im Ornat den Kindergarten besuchte, staunten „meine“ Kinder und riefen: „Unsere Jenni ist eine Prinzessin!“ Wir waren auch bei behinderten Menschen und erlebten mit ihnen sehr emotionale Momente. Natürlich gab und gibt es auch viel Spaß im Verein, es ist schließlich Fasching.
Beatrix Lutz: Das Prinzenpaar ist nicht nur zum Feiern da – es repräsentiert den Verein und die Stadt. Deshalb muss es vorher Vereinsleben schnuppern: Termine notieren, an Sitzungen teilnehmen, die Technik kennenlernen, Kostümanproben und Fotoshootings mitmachen. Zu den Veranstaltungen begrüßt es die Gäste, lächelt, winkt und ist schick angezogen. Vor jedem Auftritt ist deshalb ein Friseurtermin fällig.

Was ist Ihnen als Präsidentin wichtig?
Kommunikation, Disziplin und Verlässlichkeit. Jedes Mitglied ist Teil des Ganzen und für reibungslose Abläufe mitverantwortlich. Wenn die Veranstaltung beginnt, müssen alle auf ihrem Platz sein. Eine halbe Stunde vor der Eröffnung bin ich sehr emotional. Steht da ein Stuhl im Weg und die Feuerwehr will deshalb die Türen nicht öffnen, dann bringt mich das auf die Palme. Aber im IKK ist alles geregelt, der Großteil spurt.

Die nächste Saison steht unmittelbar bevor. Woran muss die Präsidentin denken?
Plakate, Einladungen, Gema, Eintrittskarten, Security, Pressetexte für Medien und Webseiten, Genehmigungen, Technik, Versorgung – die Checkliste habe ich nach sechs Jahren nunmehr im Kopf.

Unter welchem Motto steht die 48. Session des IKK?
„Gruselfasching“. Das hat aber nichts mit Halloween zu tun. Auch außerhalb dieser Nacht kann es einen gruseln. Sowohl politisch als auch lokal. Ob unser Sitz, die Festhalle in Ilmenau, saniert oder geschlossen wird, steht in den Sternen. Das finde ich schon gruselig. Wir haben das alles in unserem Programm verarbeitet.

Passt ja hervorragend zur Ilmenauer Gruselgugge.
Die Musiker lassen uns diese Saison leider im Stich.

Das ist schade, aber nicht alternativlos. Wann werden Sie in die Geschehnisse auf der Bühne involviert?
Wenn ich die Anträge der aktiven Gruppen bezüglich Kostüme und Requisiten durchsehe. Spätestens beim Besuch ihrer Proben. Das Programm muss vorher bekannt sein, es darf sich – auch mit den Auftritten unserer Gäste – nichts doppeln. Von der Dekoration bis zur Kostümbestellung läuft alles bei mir zusammen.

Werden Sie auch selbst auf der Bühne stehen?
Ja. Ich bastele noch ein wenig an meinem Auftritt herum. Im Fach Gesang bin ich leider abgewählt worden. Aber auch das ist nicht alternativlos.


Hintergrund:
Im IKK sind 109 aktive Mitglieder und 53 Kinder. Beatrix Lutz ist seit sechs Jahren Präsidentin.
Der IKK ist damit einer der größten kulturell ausgerichteten Vereine Ilmenaus.
Die 48. Session unter dem Motto „Gruselfasching“ beginnt am 11. November,
11.11 Uhr, mit der Schlüsselübergabe auf dem Marktplatz.
Am 12. November, 20.11 Uhr,

ist großer Auftakt in der Festhalle Ilmenau und Faschingsnacht.
Nach dem Programm sind die Besucher zum Tanz eingeladen. Es besteht kein Kostümzwang.

www.ikk-fasching.de
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Renate Jung aus Erfurt | 01.10.2016 | 13:18  
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