Kirchheim im Ilm-Kreis: Nach dem Titel "Kirche des Jahres" geht es an die Wagner-Orgel

Die wunderschöne, leider defekte, Wagner-Orgel unter lapislazuliblauem Himmel.
 
Das Deckengemälde zeigt biblische Szenen.
Kirchheim: ... |

Für den Titel "Kirche des Jahres" hat im Ilm-Kreis ein ganzes Dorf gerackert - auch jene Bewohner, die mit Kirche nichts zu tun haben. Im Sommer wird der Titel im 850-Seelen-Dorf Kirchheim groß gefeiert.

Was haben der Kölner Dom und die Saalkirche St. Laurentius in Kirchheim im Ilm-Kreis gemeinsam? – „Sie werden vermutlich beide nie ganz fertig“, sagt Wolfgang Gräser und lacht. Der Gemeindekirchenrat und Mathias Jedicke, Chef des zehn Jahre alten Fördervereins „St. Laurentiuskirche“, sind dennoch stolz auf ihr Gotteshaus: Die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa) kürte es zur Kirche des Jahres 2015. Als Kirche des Monats November war St. Laurentius automatisch in das Ranking um die Kirche des Jahres gerutscht.
„Wir haben sicherlich nicht die schönste Kirche Deutschlands, aber wir hatten die meisten Stimmen“, triumphiert Mathias Jedicke. Über tausend Menschen hatten für die Thüringer Kirche gevotet – etwa 200 mehr als Kirchheim Einwohner hat. Dafür legte sich der Förderverein mächtig ins Zeug, nutzte Dorffeste und Events wie Bigbandnacht, Kleidermarkt oder Osterfeuer, um Menschen für die Kirche zu interessieren. „Endspurt war der Weihnachtsmarkt“, erinnert sich Wolfgang Gräser. „Da hatten wir die Unterschriftenliste mit am Bratwurststand und am Bierausschank.“

Kostbare Ausstattung


Jedickes Bescheidenheit in allen Ehren, aber die Kirche St. Laurentius ist für ihre kostbare Ausstattung bekannt. Zu ihr gehören die von Ernst Liebermann gemalten biblischen Szenen an der Decke. Das älteste Ausstellungsstück ist ein spätgotischer Schnitzaltar mit bemalten Außenflügeln, der um 1440 in einer Erfurter Werkstatt entstand.
Für einen Ort wie Kirchheim ist die Kirche bemerkenswert groß. Wolfgang Gräser weiß, weshalb: „Das Dorf war reich, lebte vom Waidanbau. Sieben Waidmühlen wurden hier betrieben. Das gab es so schnell nicht wieder in der Umgebung. Außerdem waren die Äcker fruchtbar. Es gab also einige wohlhabende Bauern in Kirchheim.“ Hinzu kam, dass Kirchheim an der Handelsstraße lag und über einige Ausspannen für Handelsreisende verfügte.
Doch Reichtum hin oder her – Anfang des Jahrtausends war die Kirche ein Sanierungsfall. Im Mauerwerk saß der Schwamm, die Emporen waren baupolizeilich gesperrt. Der damalige Pfarrer Holger Lübs - heute betreut er eine deutsche Gemeinde in Barcelona - setzte sich 2006 für Fördergelder ein. Gleichzeitig gründete sich der Verein zur Erhaltung der Kirche und kümmerte sich um den geforderten Eigenanteil. Viel ist inzwischen passiert: „Fußboden, Putz und Beleuchtung sind neu. Jetzt fehlen noch ein Teil des Außenputzes, Wegbeleuchtung und die Außentreppe“, erklärt Mathias Jedicke, der sich freut, dass 18 junge Menschen des Kirchspiels dieses Jahr in der sanierten Kirche St. Laurentius konfirmiert werden.

Im Sommer wird gefeiert


Die Auszeichnung „Kirche des Jahres“ wird im Sommer mit einem großen Dorffest gefeiert. Dass sich nicht nur Kirchenmitglieder für das Gotteshaus einsetzen, finden Gräser und Jedicke großartig: „Jeder Kirchheimer hat gespendet, deshalb hat auch jeder Dorfbewohner seinen Anteil am Erfolg“, sagt Gräser. „Die Dorffeste sind außerdem eine gute Gelegenheit, Neukirchheimer zu integrieren“, ergänzt Jedicke.
Die Arbeit des Fördervereins ist noch lange nicht beendet. Das nächste große Projekt wird bereits diskutiert: „Unsere wertvolle Wagner-Orgel ist derzeit nicht bespielbar“, bedauert Wolfgang Gräser und fügt hinzu: „Die Sanierung kostet etwa 80 000 Euro.“ Es ist also doch ein kleines bisschen wie in Köln.
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