Lehrerpaar lässt Puppen tanzen: Ludwig und Leanthe Peil betreiben in Schmiedebach ein Papiertheatermuseum

Leanthe und Ludwig Peil mit Künstler Dietger Dröse aus Hanau (links).
 
Szene aus einem Papiertheater.
Lehesten: ... | Schmiedebach“.

Kleine Bühne aus Papier, auf der sich die technische Vielfalt einer Menschenbühne in modellmäßiger Form nachahmen oder erproben lässt.“ - Diese Definition stammt von Walter Röhler, der einst diverse Ausschneidebögen unter dem Begriff „Papiertheater“ zusammenfasste. Ursprungsländer der 1810 aufkommenden Miniaturtheater waren England und Deutschland.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden daraus Kindertheater, in denen Märchen gespielt wurden. Die Technik verdrängte die hübschen Papiertheater. Erst in den 1970er Jahren wurden sie von Sammlern und Antiquaren wiederentdeckt. Eine Renaissance erlebte das Miniaturtheater auch in Schmiedebach, einem Ortsteil von Lehesten, wo das Mainzer Lehrerehepaar Leanthe und Ludwig Peil vor zwei Jahren ein Marionetten- und Papiertheatermuseum in der alten Schule eröffnete.

Frau Peil, seit wann sammeln Sie Papiertheater?

Den ersten Kontakt hatte ich während meines 2. Staatsexamens als Kunstlehrerin, als ich eine barocke Bühne baute. Dann geriet das wieder in Vergessenheit und ich sammelte Schildkrötpuppen, Puppenstuben und alte Spiele. Mein Mann liebt ohnehin alles, was alt ist. Wir versuchten zwar, uns gegenseitig zu bremsen, aber wenn zwei Sammler aufeinander treffen... Wir besuchen leidenschaftlich gern Floh- und Antikmärkte. Und in Karlsbad stießen wir auf unser erstes Papiertheater. Das ist ungefähr zehn Jahre her. Seither kennt man uns dort als die beiden Radwanderer aus Mainz, die ausschließlich Papiertheater suchen.

Bald wurden es so viele, dass Sie damit ein Museum eröffnen konnten?

Ja, es hat sich einiges angesammelt. Wir haben 500 Marionetten und etwa achtzig Theater.

Wie kamen Sie aus Mainz, wo Sie nach wie vor wohnen, nach Schmiedebach?

Über das Internet. Die Vorbesitzer der alten Schule handelten mit Spielzeug. Eines Tages verkauften sie eine Kiste mit Kulissen und ließen nebenbei verlauten, dass sie die Schule loswerden wollten. Ich nahm sofort Kontakt auf. Mein Mann war alles andere als begeistert. Aber als er das erste Mal von unserem jetzigen Grundstück aus den Blick über das weite Land schweifen ließ, war er wie ich Feuer und Flamme.

Vor zwei Jahren eröffneten Sie das Museum. Ging es immer nur bergauf?

(lacht). Am Eröffnungstag, dem 27. Oktober 2012, fiel der Strom aus. Wir mussten ein Notstromaggregat anschließen. Ein Besucher ging wieder nach Hause und holte seine Wohnzimmerlampe. Trotz allem war es ein sehr lustiger Tag. Der Wasserrohrbruch wenig später hat uns bedeutend mehr zu schaffen gemacht. Für uns war das ein herber Rückschlag. Die Sanierung kostete Geld, das wir nicht eingeplant hatten.

Und seit zwei Jahren pendeln Sie?

Ludwig Peil: Wir sind in den Ferien und jedes zweite Wochenende hier. Zwischenzeitlich habe ich mich sogar an die typisch thüringischen Arbeiten gewöhnt: Rasen mähen und Holz hacken. Aber es gibt ja noch vieles andere.

Ein eigenes Museum, zum Beispiel. Was ist denn das Charakteristische am Papiertheater?

Leanthe Peil: Bei den alten Theatern waren die Figuren fest mit der Kulisse verschlossen. Erst später löste man sie heraus. Folglich lebte das Stück nicht von den Figuren, sondern von dem ganzen Drumherum, das meist aus Rauch, Knallen, Action und Gewittern bestand. Damals wurden sämtliche Theaterstücke auf die Papierbühne übertragen. Es gibt unzählige Szenen und Kulissen, die man sich in unserem Museum anschauen kann. Das deutsche Theater war bürgerlich, das englische eher von der Mittelschicht geprägt. Um 1850 enthielt das Theaterspiel pädagogische und moralische Aspekte. Man hatte die Kinder als Zuschauer entdeckt, Geköpfte Menschen gab es also fortan nicht mehr. In einer Jugendzeitschrift von 1835 wird das Papiertheater als „eine Quelle nützlicher Beschäftigungen zum Vergnügen der Jugend“ bezeichnet. 1890 kamen die Märchen hinzu, wo meist das Gute siegte.

Besuchen mehr Kinder oder mehr Erwachsene Ihre Aufführungen?

Ludwig Peil: Die Erwachsenen überwiegen. Sie müssten erleben, wie gebannt sie eine Dreiviertelstunde lang auf einen Kasten mit 45er Diagonale schauen. Marionettentheater dauert sogar zwei Stunden. Davon sind Erwachsene und Kinder gleichermaßen begeistert.

Gibt es noch viele Puppenspieler in Deutschland?

Es gibt noch etwa 25 Spielergruppen in Deutschland. Die meisten davon sind übrigens Paare, die damit völlig neue Facetten an sich und ihrer Partnerschaft entdecken. Bekannte Gruppen sind das Theater Manuart aus Ilmenau oder Familie Ruf aus Nürnberg. Sie alle und wir wollen, dass das Papiertheater weiterlebt.


Zur Sache:
Das Marionetten- und Papiertheatermuseum von Ludwig und Leanthe Pein in Schmiedebach 82, Lehesten, zeigt 80 aufgebaute Theater mit mehr als 500 Marionetten und Papierfiguren. Zu sehen ist auch ein nostalgisches Klassenzimmer von 1880.
Die nächste Sonderausstellung im April präsentiert 23 Theater einer spanischen Familie um 1930. Am 12. April Puppenspiel „Dornröschen“, im Mai voraussichtlich „Faust“. Am 12. Juli Sommerfest im Museum Kontakt: Leanthe und Ludwig Peil, 0151/57427901. Besuchstermine nach telefonischer Vereinbarung oder per E-Mail: l-peil@gmx.de
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Gunter Linke aus Saalfeld | 25.02.2014 | 17:16  
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