Lust-Wandel: Nur ein steinernes Wappen erinnert noch an das Lustschloss von Saalfeld

Das steinerne Wappen neben dem Fallrohr erinnert an die einstige Bestimmung.
Saalfeld/Saale: ... |

Michael Brakutt führt viele Menschen durch Saalfeld, darunter regelmäßig Einheimische. Nur sehr wenige wissen, dass der Schieferhof 4, in dem heute das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sitzt, einst als Lustschloss erbaut wurde.

Brakutt ist seit knapp drei Jahren Stadtführer und heute im Gewand eines herzoglich-kurfürstlichen Postmeisters erschienen. Der hochgewachsene Mann liebt Ringelnatz, Heinz Erhard und historische Gebäude. Das tat er schon immer – auch als er vor seiner Pensionierung noch im Maschinenbau arbeitete.
Das ehemalige Lustschloss, von dem er erzählt und das kaum jemand kennt, liegt stadtauswärts. Der Postmeister schreitet aus. Immer wieder wird er von Menschen auf der Straße angehalten. Sie wollen sich mit dem Mann im historischen Kostüm fotografieren lassen.

Lustschloss hat nie der Lust gedient


Saalfeld wurde im 17. Jahrhundert Residenzstadt, erzählt Brakutt und dringt in die Geschichte ein. „Ernst der Fromme hatte sieben Söhne, die das Herzogtum Sachsen-Gotha gemeinsam regieren sollten. Der Zweitälteste, Albrecht, bekam Saalfeld.“
1680 wird das Land geteilt, Albrecht übernimmt Sachsen-Coburg. Der jüngste Sohn, Johann Ernst, kommt nach Saalfeld und residiert dort als Herzog. 1691 bezieht er das von Bruder Albrecht errichtete Residenzschloss – heute befindet sich darin das Landratsamt. 1695 baut Johann Ernst für seine zweite Ehefrau Charlotte Johanna, Herzogin von Sachsen-Saalfeld, ein Lustschloss über der Stadt. Klein, aber fein soll es werden. Doch Charlotte erlebt die Fertigstellung im Jahr 1703 nicht mehr. Als Lustschloss wird das Gebäude Am Schieferhof 4 nie genutzt. Und so weiht man dort 1705 - wegen der guten Lage an der stark befahrenen Handelsstraße von Nürnberg nach Leipzig - das Herzogliche Brauhaus ein. Viele Jahre lang ist das Schlösschen als beliebtes Gasthaus in der Umgebung bekannt.

Von Barock nichts mehr zu sehen


„Man hat den Barockbau mehrfach umgebaut“, recherchierte Stadtführer Brakutt. „Eine Zeitlang diente er als Produktionsort für eine Drahtflechterei.“ In der DDR war in dem ehemaligen Schlösschen die Jugendherberge „Anton Saefkow“ untergebracht.
Von dem barocken Baustil ist heute kaum noch etwas zu sehen. Nur wer ganz aufmerksam ist, erblickt – direkt neben dem Steigrohr für die Dachrinne – das Wappen mit den Initialen CJ für Charlotte Johanna. Als steinerner Zeuge soll das Wappen an die einstige Bestimmung erinnern.

www.saalfeld.de
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