Mehr als 300 historische Grabmale auf dem Arnstädter Friedhof

  Arnstadt: ... | Friedhöfe sind nicht nur ein Ort der Trauer und des Gedenkens, sie sind auch ein Ort, der Zeitgeschichte widerspiegelt. Über 300 historische Grabmale zeugen von einer vielgestaltigen Zeitgeschichte des Arnstädter Friedhofs. Jedes Grabmal ist in seiner Gestaltung einzigartig und hat einen großen kunsthistorischen Wert. Deshalb sollen sie auch den nachfolgenden Generationen erhalten bleiben.
Dem Erhalt dieser kunsthistorischen Werte widmeten sich die Diplom-Restauratorinnen Diana Hennig und Andrea Neid in den vergangenen Wochen. Erst kürzlich beendeten sie die Restaurierung von zwei historischen Grabmalen auf dem Arnstädter Friedhof. Die Grabmale des ehemaligen Arnstädter Oberbürgermeisters, Julius Hülsemann, und des Gymnasiallehrers und Geschichtsforschers, Emil Einert, erstrahlen nun wieder in neuem - altem Glanz.
„Das Historische soll weiter sichtbar sein und für die nachfolgenden Generationen bewahrt werden“ betont die Diplom-Restauratorin Diana Hennig, die im Auftrag der Stadt die Restaurierungsarbeiten auf dem Friedhof Arnstadt und den Ortsteilen betreut. An beiden Grabmalen waren die Schäden auf Grund der Witterungseinflüsse inzwischen so erheblich, dass eine Restaurierung zur Erhaltung der Grabmale dringend erforderlich war.
Am Anfang der Restaurierungsarbeiten stand die Untersuchung der Grabmale auf sichtbare Schäden und deren Ursachen. Auf Grundlage dieser Analyse wurden durch Diana Hennig geeignete Maßnahmen für die Restaurierung erarbeitet. „Die Restaurierung historischer Grabmale ist ein Prozess der sich während der Ausführungsarbeiten erschließt. Ich stand während der Restaurierung ständig in Verbindung mit der ausführenden Restauratorin Andrea Neid, um die Erkenntnisse des Arbeitsfortschrittes zu besprechen und die nächsten Maßnahmen gemeinsam festzulegen“ so Diana Hennig.
Andrea Neid reinigte zunächst die Grabplatten aus Sandstein und die eingesetzten Schriftplatten aus schwarzem Glas. Feinste Risse wurden dabei verklebt, um den jetzigen Zustandes zu erhalten. Im zweiten Schritt steht die Rückgewinnung der ästhetischen Gesamtheit des Grabmales im Mittelpunkt der Arbeit. So wurde die Schrift wieder mit Gold ausgelegt. Das Gold war jedoch so hell, dass es mit einer Lasur mattiert werden musste, um die Farbintensität des Goldes etwas zu mildern. Auch ausgebrochene Kantenverläufe wurden zum Teil wieder rekonstruiert. In manchen Fällen wird der derzeitige Zustand jedoch unverändert gelassen, um nicht zu stark in die Substanz einzugreifen. Deshalb wurden rückgewitterte Ornamente nicht mehr nachgearbeitet, sondern in der jetzigen Erscheinung belassen. „Die Restaurierung von historischen Grabmalen ist ein Gesamtprojekt. Auch das Umfeld wird darin einbezogen, so dass sich für den Betrachter ein stimmiges Gesamtbild ergibt“ erläutert Diana Hennig.
Leider ist heute nicht mehr ersichtlich, welche Verzierungen einst am oberen Abschluss der Grabmale von Hülsemann und Einert waren. Wer mit alten Bildaufnahmen helfen kann, sollte sich bitte mit dem Sachgebiet Friedhöfe und Grünflächen, telefonisch erreichbar unter 03628 / 66 09 772, in Verbindung setzen. Zweckdienliche Hinweise werden gern aufgenommen.
Während der Arbeiten waren die Grabmale mit einer Plane eingehaust, um die Arbeit auch während schlechter Witterung fortsetzen zu können. Insgesamt haben die Restaurierungsarbeiten an den Grabmalen von Julius Hülsemann und Emil Einert vier Wochen angedauert.
Die Restaurierung von historischen Grabmalen auf dem Arnstädter Friedhof ist eine ständige und fortdauernde Arbeit. In jedem Jahr werden finanzielle Mittel eingestellt, um die Restaurierungsarbeiten an besonders gefährdeten Grabmalen durchführen zu können. Stück für Stück werden so die historischen Grabmale wieder instand gesetzt, bevor ihnen der völlige Zerfall droht.


Grabmal Julius Hülsemann
Julius Hülsemann wurde am 18.10.1824 in Arnstadt geboren und war als Rechtsanwalt und Notar tätig. Von 1871 bis 1888 war er Bürgermeister von Arnstadt und wurde 1872 zum Oberbürgermeister von Arnstadt ernannt. Während seiner Amtszeit begann die moderne Entwicklung der Stadt. So wurde u.a. der heutige Neue Friedhof erbaut und Vorarbeiten zum Bau des Krankenhauses getätigt. Er starb am 24.03.1888 und wurde an der nördlichen Friedhofsmauer bestattet.
Das Grabmal von Julius Hülsemann auf dem Arnstädter Friedhof besteht aus einer 0,90 m breiten und 1,40 m hohen Grabplatte aus Sandstein. In die eingesetzte Schriftplatte aus Marmor sind die Lebensdaten in einfacher Schrift eingraviert.
(Quelle: Historische Grabstätten auf dem Neuen Friedhof Arnstadt, Herausgeber: Stadtverwaltung Arnstadt, Verein Stadtgeschichte e.V., Dezember 2009)

Grabmal Emil Einert
Emil Eimert wurde am 05.06.1826 in Keula geboren und kam 1851 als Lehrer für Geschichte, Geografie, Deutsch und Religion an das Arnstädter Gymnasium. Im Auftrag des Oberbürgermeister Julius Hülsemann widmete sich Einert der Erstellung eines Arnstädter Urkundenbuches. Zudem war er besonders aktiv bei dem Aufbau des Arnstädter Stadtarchivs. Er starb am 13.02.1896 in Arnstadt.
Das Grabmal von Emil Einert auf dem Arnstädter Friedhof ist in der Gestaltung an die Renaissance angelehnt. Die 0,80 m breite und 1,20 m hohe Grabplatte aus Sandstein ist in die Friedhofsmauer eingelassen.
(Quelle: Historische Grabstätten auf dem Neuen Friedhof Arnstadt, Herausgeber: Stadtverwaltung Arnstadt, Verein Stadtgeschichte e.V., Dezember 2009)
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