Operetten sind verstaubt? - Mag sein. Es sei denn, man erlebt sie am Neusiedler See

Seit Jahrzehnten finden auf dem Neusiedler See in Mörbisch die Seefestspiele statt. Aktuelle Operettenproduktion: Viktoria und ihr Husar". Hier unmittelbar vor der Premiere.
 
Besucher begeben sich zu ihren Plätzen, Prominente nehmen noch schnell ein Bad in der Menge.
Mörbisch am See (Österreich): ... |

Paul Abrahams Operette "Viktoria und ihr Husar" wurde im österreichischen Burgenland zuletzt 1973 mit Johannes Heesters auf der Seebühne am Neusiedler See aufgeführt. Seefestspiel-Intendantin Dagmar Schellenberger macht in der aktuellen Saison aus der Revue der Zwanzigerjahre ein großartiges Event und spielt selbst die weibliche Hauptrolle. Jana Scheiding stellte fünf Fragen an die Sopranistin, deren Laufbahn vor 33 Jahren in Thüringen begann.

Schon viele Thüringer zog es in die Welt hinaus. Können Sie sich an Ihre Altenburger Zeit erinnern?
Natürlich, dort im Landestheater fing alles an. Ich war eine junge Mutter und musste mir schon im dritten Studienjahr einen Job suchen. In Altenburg wurde ich gut aufgenommen und mein Talent entdeckt. Irgendwann lockte die Großstadt und ich ging an die Komische Oper nach Berlin. Unter anderem durfte ich an der DDR-Aufführung der "West Side Story" mitwirken.

Sie hatten Auftritte auf der ganzen Welt - von Santiago de Chile bis Paris. Welcher Wind wehte Sie nach Mörbisch?
Ich hatte zweimal ein Engagement bei den Seefestspielen und entdeckte viele Parallelen zu meiner Heimat: die Mentalität der Menschen, die Natur, geografische Gegebenheiten. Viele Menschen aus der Heimat kommen hierher, um sich die Festspiele anzusehen und mit mir eine Backstageführung zu machen. Darüber freue ich mich sehr.

Bei der Auswahl des neuen Intendanten setzten Sie sich gegen 46 Bewerber durch. Was hatten Sie, was die anderen nicht hatten?
Die Euphorie, Begeisterung und Liebe für die Operette. Und ein Konzept, Operetten von damals mit heutigen Mitteln auf die Bühne zu bringen.

Viele glauben, die Operette habe sich überlebt. Sie teilen diese Auffassung offenbar nicht.
Ich liebe dieses Genre, es ist mein Steckenpferd. Und es gibt ein Operettenpublikum - hier in Mörbisch hat es sich sogar verjüngt. Das fasziniert mich und macht mich glücklich.

Sie werden Operetten also weiterhin in solch spektakuläre Aufführungen wie "Viktoria und ihr Husar" verwandeln?
Ja, weil das, was ich hier tue, genau mein Ding ist. Meine Vision ist, die Operette zu einer Drehscheibe zwischen Leichtigkeit und Humor, Witz und Erotik, Kulinarik, Politik und Wirtschaft zu machen. Die Operette ist sowas von flott - daran werde ich weiter arbeiten.


Hintergrund:
"Viktoria und ihr Husar", eine Glamour-Revue der Zwanzigerjahre, läuft noch bis 20. August auf der größten Open Air-Operettenbühne der Welt, in Mörbisch am Neusiedler See.
An jedem Vorstellungsabend finden 18, 18.30 und 19 Uhr Bühnenführungen statt.
Aufführungstermine: 12./13., 19./20. 8. 2016 (Änderungen vorbehalten).
Informationen und Karten:
www.seefestspiele-moerbisch.at

Die Story:
Die ungarische Gräfin Viktoria führt eine komfortable Ehe mit dem amerikanischen Botschafter in Tokio. In der Botschaft herrscht Aufbruchsstimmung, denn dessen Versetzung nach St. Petersburg steht bevor. In die Reisevorbereitungen platzen zwei ungarische Soldaten, denen die Flucht aus russischer Kriegsgefangenschaft gelang. Viktoria trifft dieser Besuch mitten ins Herz, erkennt sie doch in einem der Männer ihren Verlobten aus Jugendtagen wieder, von dem sie dachte, dass er im Ersten Weltkrieg gefallen sei.
"Viktoria und ihr Husar" wurde in Mörbisch zuletzt 1973, unter anderem mit Johannes Heesters, gezeigt.

Intendantin und Hauptrolle:
Dagmar Schellenberger, Jahrgang 1958, stammt aus dem Vogtland. Die Opern-, Operetten-, Musical- und Konzertsängerin begann ihre Theaterlaufbahn 1983 am Landestheater Altenburg in Thüringen. Seit 2013 ist sie Intendantin der Seefestspiele, spielt im aktuellen Stück die Viktoria.

Die Seefestspiele in Zahlen:
Mit 3600 m² ist die Naturkulisse in Mörbisch am Neusiedler See im österreichischen Burgenland eine der größten Freilichtbühnen Europas. Jährlich werden dort in Sommerfestivals Meisterwerke der klassischen Operette aufgeführt.
In der 5600 m² großen Dekorationswerkstatt sind etwa 30 Mitarbeiter beschäftigt.
Die Bühne wird beherrscht von einem 16 Meter hohen, 46 Meter breiten und 11 Tonnen schweren halbkreisförmigen Lichtbogen.
Die zweigeteilte Revuetreppe ist 16 Meter breit.
In den Treppen sind rund 3000 LEDs verbaut.
Ein japanischer Fächer - 6 Meter hoch und 11 Meter breit - wird mittels Seilantrieb aus dem Boden gezogen.
Mit 4 Metern Höhe ist die Buddhafigur - umringt von seidenen Lampions mit 1,5 Meter Durchmesser - eine der Höhepunkte des Bühnenbildes.
Das Dreideckerflugzeug - mit Seilen in den Lichtbogen eingehängt - misst 5 Meter Spannweite.
19 Meter Durchmesser hat die zweidimensionale Darstellung der Erde. Bis 60 Kilometer je Stunde Windstärke müssen die Aufbauten aushalten.
Verwarbeitet wurden rund 3500 m² Dreischichtplatten, 500 kg Farbe, 40 Tonnen Stahl und Gerüstkonstruktion.
Kostüme und Schuhwerk sind wetterfest, Kopfbedeckungen mit Bleibändern verstärkt, um Windstärken standzuhalten.
Für das Ballett gibt es über 200 Kostüme - vernäht wurden 2150 Meter Stoff, 980 Knöpfe, 600 Meter Borten für die Husaren, 8000 Strass-Steine und Tausende Perlen.
1
1
1
1
1
2
1
1
1
1
1
1
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
5.678
Gunter Linke aus Saalfeld | 09.08.2016 | 10:44  
1.536
Constanze Fuchs aus Gotha | 09.08.2016 | 21:34  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige