"Owwacht, ca heppt net!" oder: Hau Ruck - der Westwall steht!

Der entspannte Blick aufs Meer.
Nach dem ausführlichen (was den weiblichen Teil unserer Gemeinschaft angeht, sehr ausführlichen) Ausschlafen hatten wir das vor uns, was alle Camper kennen: den Aufbau des Vorzeltes. Bei mir seit etlichen Jahren (Jana ist zum dritten Mal dabei) war dies auch (fast) kein Problem. Mit fachlicher Hilfe unseres Lothringer Freundes Henry, O-Ton: "Owwacht, ca heppt net!", wurden die im Vorjahr so idiotensicher gekennzeichneten Stangen immer wieder in neue, phantasiereiche Verbindungen gesteckt, bis sie endlich in der gewünschten Form zusammenpassten und ein erlösendes "Allors, itzt heppt`s!" erschallte.
Das Einziehen der Zeltplanen war anschließend ein Kinderspiel. Nicht so jedoch das Einschlagen der Heringe. Hierzu muss man sagen, dass sich unser Platz auf einer Bauschuttaufschüttung befindet, die im Rahmen der Trockenlegung der Sümpfe in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstand.
Der sandige Boden ist daher mit großen Steintrümmern versetzt, die sich tückischerweise etwa zehn Zentimeter unter der Oberfläche befinden. So passiert es, dass mancher Zeltnagel krumm, statt eingeschlagen wird. Der pure Frustfaktor! Jana hat jedenfalls geschwitzt wie ein Brunnenputzer. Ich auch, aber ich kannte das schon.
Als dann der neue Gebrauchtkühlschrank nicht so kühlte wie die Mietgeräte vergangener Urlaube, platzte Jana der Kragen. Sie ließ Kühltasche Kühltasche sein und verschwand wortlos mit unbekanntem Ziel. Ich hatte das zunächst gar nicht bemerkt, aber Klein Dana machte mich schließlich mit angstgeschwängerter Stimme auf diese Tatsache aufmerksam: "Und wenn Mama jetzt nicht mehr wiederkommt?"
Dabei war unsere Jana nur an den Strand gegangen, um ... ??? (Anmerkung der Ausreißerin: ... Leute zu gucken. Dabei ist es mir doch tatsächlich gelungen, minutenlang an nichts (!!!) zu denken. Dieses Gefühl stellte sich bedauerlicherweise im Verlauf des Urlaubs nicht wieder ein).
Ich verbrachte die nächsten Stunden also kindberuhigend und versuchte Dana die Grundzüge von Pétanque (= Boule) beizubringen. Leider verwechselte sie dieses Spiel mit Kegeln!!! Außerdem: Auch wenn es spielen heißt, ist es eine Kunst. Und es zählt nicht nur der nächste Ball am cochonette einen Punkt.

Als unsere kleine Familie mit einer sichtbar entspannten Jana wiedervereint war (O-Ton: "Das hab ich richtig gebraucht."), konnten wir den Tag gemütlich bei Frikadellen, Bohnen und Püree beenden.
Kochen war übrigens in den zwei Wochen eine Herausforderung. Jana hatte sich eine Zahnfüllung herausgebrochen und wollte vorsichtshalber nur leicht kaubare - ich nenne es "Janabissige" - Speisen zu sich nehmen. Die Urlaubsdiät fiel ihr daher leicht, während ich mich in der Küche mit viel Phantasie austoben durfte. (Anmerkung der Inhaberin des Steinbruchs: Haste wirklich fein gemacht, Holgi! Und weil der Anblick von Essen in mir fast immer eine gewisse Begierde auslöst, habe ich nicht einmal Deine kulinarischen Ergüsse fotografiert. Schäm.)
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