Sehr bewegend: Der Saalfelder Künstler Andreas Düpetell stellt 20 seiner Stillleben in Ilmenau aus

Künstler Andreas Düpetell mit Eventkoch Frank Knöchel aus Ilmenau.
Ilmenau: ... |

Die Stiefmütterchen in dem brauen Blumenkasten möchte man vom Fensterbrett nehmen und an ihnen riechen. Funktioniert aber nicht, denn die Pflanzen sind letztendlich doch nur eindimensional. Ein Ölbild in einem hübschen Rahmen. Weiter nichts. Merkwürdig. Auf den ersten Blick erscheinen sie zum Greifen nah. Ein genaues Abbild der Natur.

"Zwischen Tradition und Moderne II" heißt die aktuelle Präsentation des Berliner Malers Andreas Düpetell, die bis 3. Juli in der Hauptstelle der Sparkasse Arnstadt-Ilmenau www.spk-arnstadt-ilmenau.de in der Unistadt gezeigt wird. Sie knüpft künstlerisch an die erste Werkschau, 2008, in Arnstadt an. Zu sehen sind 20 seiner insgesamt 140 Gemälde. Inklusive Ersatzbilder. Ohne die geht bei dem Künstler nichts mehr. Auf einer Ausstellung in seiner Heimatstadt Saalfeld müssen einem Besucher die Sonnenblumen wohl nicht mehr aus dem Kopf gegangen sein. An einem Sonntagmorgen rief er den Künstler in aller Herrgottsfrühe an und fragte, ob der ihm das Bild einpacken könne, er wolle es am gleichen Tag seiner Frau schenken. Anstelle der Sonnenblumen zierte den Ausstellungsraum nun ein weißer Fleck, weil kein Ersatzbild vorhanden war.

Tradition und Moderne


Traditionelles und klassisches Stilleben - Blumen, Früchte, Seerosen, Stiefmütterchen, Maiglöckchen, Dahlien, Landschaften - hat Andreas Düpetell zum Schwerpunkt erklärt. de.wikipedia.org/wiki/Stillleben
"Ich bin und bleibe ein Stilleben-Maler", sagt er. Es darf aber auch modern sein: Unter den Kunstwerken befinden sich sechs Gemälde im kubistischen Stil. Zum Beispiel die St. Jakobuskirche in Ilmenau, die Arnstädter Liebfrauenkirche und der Papstpalast in Avignon. Geschaffen als Referenz an die zeitgenössische Malerei des Kubismus, der 1907 von Georges Braque und Pablo Picasso maßgeblich begründet wurde. de.wikipedia.org/wiki/Kubismus
Diese Stilrichtung löst klassische Formen auf und zerlegt sie in geometrische Teile. Auch Andreas Düpetell hat im Fall der Kirchen die Gebäude erfasst, sie aus ihrem landschaftlichen Kontext gelöst und als architektonisches Objekt gezeigt.

Herausgesmartphont und gefacebookt


Düpetell ist ein zeitgenössischer Realist, der - unabhängig vom Zeitgeschehen und der Gesellschaftsordnung - Abbilder der Natur schafft. Auch wenn manch Zeitgenosse an seinem Stil das Moderne vermisst, der Wahlberliner lässt sich von seinem Weg nicht abbringen: "Wenn es dem heutigen Modegeschmack auch nicht entspricht, ich werde nicht die Reste meiner Jagdwurst vom Frühstück oder die Fingernägel meiner Morgentoilette als Kunst verkaufen!" Düpetell bedauert, dass die Sicht auf die Natur aus den Köpfen vieler Menschen bereits herausgemailt, gesmartphont und gefacebooked wurde.
Wer die Ausstellung in Ilmenau besucht, darf sich auch gern in das dort ausgelegte Gästebuch des Künstlers eintragen.
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1 Kommentar
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Renate Jung aus Erfurt | 21.05.2014 | 23:56  
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