Sie sind wieder da! Wie die Thüringer Autorin Heidi Zengerling die Großen der Geschichte zurück ins Leben holt

Mit Rembrandt auf du und du: Vier seiner Radierungen werden in Heidi Zengerlings Debütkrimi aus einem Museum gestohlen.
 
In dieser Anthologie findet man Heidi Zengerlings fantasievolle Bach-Geschichte.
Heyerode: ... |

Ein junger Mann erwacht schweißgebadet aus einem Traum. Um ein Haar hätten ihn Pferdehufe erschlagen, während er am Brunnen vor der Arnstädter Oberkirche lag und friedlich schlief. 'Wieso eigentlich am Brunnen?', fragt sich der Mann. 'Ich wohne doch hier und arbeite in der Kirche als Organist. Und warum sind die Menschen so seltsam gekleidet und fahren in Kutschen ohne Pferde?'

Bücher sind Heidi Zengerlings Welt - das spürt man schon beim Betreten ihres Hauses im 2500-Seelen-Ort Heyerode zwischen Eisenach und Mühlhausen. Der Blick bleibt an hunderten Bücherrücken hängen, die - nach Themen sortiert - in einer riesigen Regalwand stehen.
Zengerling liest nicht nur leidenschaftlich gern, sie rezensiert auch Bücher. Eines Tages, erzählt sie, traf sie den Arnstädter Verleger Michael Kirchschlager. Als er nach der Besprechung in sein Auto stieg, fragte er sie, ob sie eine Geschichte für seine Anthologie anlässlich des Literaturpreises Arnstadt beisteuern möchte.
Heidi Zengerling hat inzwischen ins lichtdurchflutete Wohnzimmer gebeten und fährt fort: "Das Angebot hat mich natürlich gereizt, aber ich hatte dafür nur zwei Wochen Zeit. Das war schon eine Herausforderung." - Heidi Zengerling nimmt sie an.

300 Jahre später


Trotz des knappen Zeitbudgets beginnt sie zu schreiben. Über den Komponisten Johann Sebastian Bach, der im Arnstadt der Gegenwart aus einem seltsamen Traum erwacht und vom Wirt der "Goldenen Henne" darüber aufgeklärt wird, dass seit seinem Wirken in Arnstadt 300 Jahre vergangen sind.
"Den Preis habe ich leider nicht bekommen, aber meine Geschichte wurde gedruckt", frohlockt Zengerling, die sich über ihren Erfolg von Herzen freut, wenngleich es nicht ihre erste Veröffentlichung ist. Trotzdem ist sie ein neuer Stern am Autorenhimmel. "Zum Schreiben kam ich quasi über das Lesen", erklärt sie. "Während einer Rezension hatte ich Ideen für ein eigenes Buch."
Ihr Debüt, für das sie vier Jahre braucht, ist ein Regionalkrimi aus Schwerin. Kommissarin Maike Bramow hat es mit einem Kunstdiebstahl zu tun. Und weil Autorin Zengerling Kunst, Geschichte und Rembrandt ebenso liebt wie Gedrucktes, stehlen Diebe aus dem Museum vier Radierungen des großen Malers. Wenig später wird ein Kunsthistoriker tot auf seiner Yacht gefunden und schnell steht fest, dass beide Fälle zusammenhängen.

Ganz schön mutig!


Bei allem Selbstvertrauen ist es mutig, seine Autorenkarriere mit einem Krimi zu beginnen. "Stimmt", bestätigt Heidi Zengerling und lacht. "Ein Krimi ist eigentlich eine große Sache mit viel Vorbereitung, aber ich schrieb einfach darauf los. Deshalb habe ich wohl auch etwas mehr Zeit gebraucht."
Gut Ding will eben Weile haben. Nach einem Verlag brauchte die Thüringer Autorin jedenfalls nicht lange zu suchen. Der Verleger war sehr angetan von der Tatsache, dass Zengerling den ersten Kriminalroman zum Thema "Staatlich organisierter Kunsthandel zur Zeit der DDR" geschrieben hat. Und Kommissarin Maike Bramow wird vorerst nicht arbeitslos - ihr zweiter Fall nimmt im Kopf von Heidi Zengerling bereits Gestalt an.


Hintergrund:
Eine Anthologie ist ein Lesebuch, in welchem Erzählungen verschiedener Autoren zusammengefasst werden.
Die gelernte Sekretärin Heidi Zengerling arbeitet im eigenen Schreibbüro, als freie Mitarbeiterin verschiedener Regionalzeitungen und als Versicherungsvertreterin.
"Die Rembrandt Radierungen", erschienen im Oktober 2015, ist ihre erste Veröffentlichung, die auch als E-Book erhältlich ist. Die Autorin hat eine erwachsene Tochter und lebt mit ihrem Mann in Westthüringen.
Termine: 6. August Sommerlesung auf der Terrasse der Eisenacher Bücherstube; 19. November im Rahmen der Krimiwoche Lesung mit Anneliese Blacha und Beate Funke in der Lengefelder Warthe bei Mühlhausen.
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