Spannende Zeitreise: Im Mai öffnen Thüringens Heimatmuseen - auch Angelroda im Ilm-Kreis ist gerüstet

Eigener Herd war schon immer Goldes wert.
 
Die Abteilung Landwirtschaft kündet von der schweren Arbeit unserer Vorfahren.
Angelroda: ... |

Für die einen sind Heimatmuseen ein Hort amüsanten Kleinbürgertums, für die anderen ein Stück eigene Vergangenheit. Letzlich sind diese Einrichtungen aber das, was ihre Betreiber daraus machen. Thüringen ist reich an Heimatmuseen, vor allem im ländlichen Raum sind sie weit verbreitet.

1998 - anlässlich der 1050-Jahrfeier des Ortes - beschlossen die Einwohner von Angelroda im Ilm-Kreis, eine Heimatstube zu eröffnen. Und zwar im ehemaligen Wirtschaftsgebäude der Familie von Witzleben. Dass Karin und Reiner Taubert deren gute Seele sind, spürt man sofort. Ab 1. Mai ist wieder jeden Sonntagnachmittag geöffnet. Wer außerhalb der Öffnungszeiten in die Vergangenheit abtauchen möchte - Anruf genügt.
"Eine Führung kann bis zu zwei Stunden dauern, es kommt darauf an, wie die Besucher drauf sind", erzählt Reiner Taubert gutgelaunt und will sofort in die erste Etage, wo alte Eisenbahntechnik und Uhren der Firma Kühn aus Gräfenroda zu bewundern sind. Doch seine Frau zieht es in die Wäschekammer in Parterre, wo Unterwäsche unserer Altvorderen wohlsortiert auf der Leine hängt. Außerdem gibt es dort jede Menge Handwerk zu sehen.

Karin Taubert: Wir suchen noch einen Kinderstuhl aus einem Friseursalon


Stadtmenschen lassen die Landwirtschaftstechnik mit ihren von harter körperlicher Arbeit kündenden Utensilien möglichst schnell hinter sich, doch spätestens im Friseursalon des vergangenen Jahrtausends kommt Freude auf, Erinnerungen erwachen. "Den Salon haben wir originalgetreu nachgestaltet", erklärt Karin Taubert und fügt hinzu: "Wir suchen noch einen Kinderstuhl aus dieser Zeit. Vielleicht hat ein Frisörsalon einen dieser hölzernen Drehstühle auf dem Dachboden stehen."
Es macht nichts, wenn die Sachen vom Speicher schon ein wenig angegangen sind. Reiner Tauberts geschickte Hände bekommen fast alles wieder hin. Sogar ein Harmonium, das er vom anderen Zipfel Thüringens nach Angelroda holte und wieder flottmachte, spielt - bis auf einen Ton - wie in alten Zeiten.

Schüler nutzen die Heimatstube als Lektion in Geschichte


"Die Alten sollen sich wiederfinden, die Jungen ihre Vergangenheit kennen lernen", erläutert seine Frau die Philosophie des Heimatvereins Angelroda und berichtet, dass viele Schulklassen das Angebot für ihren Geschichtsunterricht nutzen.
Zwischenstation in der Schusterwerkstatt. "Schuhmacher, bitte", präzisiert Karin Taubert und erklärt den Unterschied zwischen einem Schuhmacher, der Schuhe fertigte, und einem Schuster, der sie lediglich reparierte.
Auch in der Schmiede gibt es Interessantes zu entdecken. Reiner Taubert macht es spannend: "Was ist das Besonderes an diesen Hufeisen?" Kopfschütteln. "Früher arbeiteten Pferde auf dem Feld, im Wald und im Schnee. Jedesmal mussten sie neu beschlagen werden. Ein findiger Schmied erfand auswechselbare Stollen, die man mittels Schraubverschluss an die Hufeisen anbringen konnte."

Ein Stiefelknecht? Ein Keuschheitsgürtel für Männer? Fehlanzeige!


Endlich - in der ersten Etage - ist Taubert in seinem Element. Schwärmt von Eisenbahnbrücken, präsentiert die Fußballecke und das Modell des Schlosses, das Angelroda bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hatte.
Am längsten halte es die Besucher im Wohnbereich, zu dem auch das liebevoll gestaltete Bauernschlafzimmer und die Küche gehören, erzählt Taubert und hält plötzlich ein schmales Brett mit einem Riemen in der Hand. Natürlich macht er es wieder spannend. Ein Stiefelknecht? Ein Keuschheitsgürtel für Männer? Fehlanzeige. Taubert beugt sich über eine Kloßschüssel und die Erklärung liegt nun auf der Hand: Weil die Hausfrauen früher Männer hatten, die die Küche scheuten wie das Reh den Jäger, mussten sie - um die Kloßmasse zu verrühren - jemanden haben, der die Schüssel hielt. Und schon war er in der Welt: der Kloßschüsselhalter.

Heimatmuseum Angelroda in Zahlen:
Über 1050 Jahre zählt der Ort Angelroda zwischen Arnstadt und Ilmenau in der Gemeinde Geratal.
1998 eröffnete die Heimatstube anlässlich dieser Jahrfeier.
2 Etage und 330 Quadratmeter stecken voller Erinnerungen vergangener Generationen.
Etwa 2850 Eponate trug der Heimatverein Angelroda zusammen, über 50 Infotafeln hat er entwickelt.
23 Mitglieder gründeten den Verein 2003, heute sind es 33.
In 20 Themen von Bäckerei bis Schulzimmer ist die Heimatstube untergliedert.
Über 1000 alte Fotos trugen Angelrodaer für das Archiv der Heimatstube zusammen.
Etwa 85 Prozent der Exponate stammen aus dem Ort.
Zwischen 500 und 600 Besucher zählt das Heimatmuseum pro Jahr.
1 bis 2 Stunden kann eine Führung dauern.

Öffnungszeiten: 1. Mai bis Mitte Oktober sonntags 15 bis 17 Uhr oder nach Bedarf.
Kontakt: Vereinsvorsitzende Karin Taubert, 0176/32310649
www.heimatstube-angelroda.de
Eintritt frei, der Verein freut sich über Spenden.
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Constanze Fuchs aus Gotha | 27.04.2016 | 19:26  
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