Trommle Samba mit mir: In Arnstadt werden noch Mitstreiter gesucht

  Arnstadt: ... | "Reden, klatschen, laufen. Reden, klatschen, laufen." Der Kreis betet diese Worte vor sich hin wie ein Mantra. Tatsächlich ist es nicht einfach, diese drei unterschiedlichen Handlungen, die das Gehirn vereinen muss, eine Zeitlang durchzuhalten, denn das Klatschen geht gegen den Rhythmus und nebenbei muss man noch nach links oder rechts laufen und den Namen des Rhytmhus' richtig aussprechen. Wer den Kreis beobachtet, ahnt nicht, dass hier in den nächsten Minuten die Post abgehen wird und man ohne Gehörschutz nicht im Raum bleiben sollte.
Eine junge Frau löst sich aus der Gruppe und stellt sich als Sue Bähring vor. Sie leitet Sambagruppen in Weimar und Pößneck. "Der Klatschkreis ist ein wichtiger Bestandteil des Anfängerkurses, weil das Gehirn lernen muss, verschiedene Trommelrhythmen und Handlungen zu koordinieren, ", erklärt sie. Die Trommler agieren ohne Noten und reagieren lediglich auf Handzeichen des musikalischen Leiters.
Wenige Minuten später schnallen sich die Männer, Frauen und Kinder die Instrumente um. Sue Bähring erklärt die wichtigsten: "Surdo ist eine Trommel mit sehr dunklen Bässen, die den Takt vorgibt. Sie ist der Puls der Bateria - der Trommelgruppe." Die Tempohalter im Mittelfrequenzbereich nennen sich Caixa. Sie spielen nach vorn und sollen die Leute zum Tanzen animieren. Als Signalinstrument dient die Repinique, für die Melodie ist Agojo verantwortlich. Wer Tamborin spielt, steht in der Gruppe immer vorn, weil es sehr hart und hochfrequent klingt. "Der Shaker ist eines der lautesten Instrumente der Karnevalsbateria", schließt Bähring ihren kleinen Fachvortrag.

Die Trommelgruppen, die nach und nach in Thüringen etabliert oder wiederbelebt werden, nennen sich "Escola Popular" und sind ein seit 20 Jahren von der evangelischen Kirche forciertes Projekt, um jungen Menschen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu ermöglichen. "Unsere Arbeit orientiert sich an den Sambaschulen in Rio de Janeiro, die auch den Karneval ausrichten", erklärt Stephan Müller, der die Kurse in Erfurt und Arnstadt leitet. „Der rhythmusstarke Samba soll bei den Menschen Prozesse zur Wahrnehmung ihrer eigenen und anderer Personen anstoßen.“ Zur Samba kam Müller durch eine Freundin, die er zur Probe begleitete. „Die Energie des gemeinsamen Trommelns hat mich sofort inspiriert und ich wollte das auch lernen.“
Musikalisch bestehe ein großer Unterschied zwischen Brasilien und Deutschland, sagt Stephan Müller. „Samba ist in Brasilien Volksmusik, zu der sich auch viele junge Menschen hingezogen fühlen. Hierzulande ist dieses Genre bei den Jungen verpönt.“ Überhaupt seien die Brasilianer sehr viel europäischer als man meint. „Ich habe dort auf der Straße gespielt. Die Menschen dort sind nicht so distanziert wie hier. Obwohl im Süden Brasiliens viele Nachfahren von europäischen Auswanderern leben“, weiß Müller.
Neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Wer mitmachen will, muss keiner Konfession angehören. Zur Probe treffen sich die Arnstädter Trommler jeden Freitag, 17 Uhr, im Gemeindehaus Pfarrhof 4.


Hintergrund:

Samba ist ein Musikstil aus Brasilien, der in den Armenvierteln entstand. Die Musik erzählt von der Hoffnung auf ein besseres Leben. Escola Popular nutzt die Energie, um durch gemeinsames Trommeln Gemeinschaft zu schaffen. Auf Originalinstrumenten werden Rhythmus, Groove, Instrumentaltechnik und Zusammenspiel erlernt. Die Instrumente werden gestellt.
Die Escola Popular ist eine internationale evangelische Capoeira (Kampftanz)- und Sambaschule und Teil der Bildungsarbeit der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Sie interpretiert Kirchenlieder neu, gestaltet Schulprojekte, Konzerte, Auftritte, Gottesdienste und baut lokale Gruppen auf. Sie will das gesellschaftliche Leben mitgestalten und Brücken zwischen Kulturen bauen.
Kontakt Escola Popular der EKM: Hans-Jürgen Neumann, 0171/8395902

www.escola-popular.de
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Hannelore Grünler aus Artern | 23.02.2015 | 17:45  
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