Abenteuer Elektroauto: Elke Bouillon fährt seit einem Jahr nur noch mit Strom

Mit einem reinen Elektrofahrzeug unterwegs zu sein, ist immer noch ein Abenteur.
 
Elke Bouillon schätzt die Spritzigkeit des Renault Zoe sehr.
„Pionier zu sein ist manchmal ganz schön anstrengend. Aber meine Enkel können dann stolz berichten, meine Oma war eine der ersten“, erzählt Elke Bouillon, die seit einem Jahr mit dem Renault Zoe, einem reinen Elektroauto, unterwegs ist. Ganz gleich, ob es der tägliche Weg von 20 Kilometern zur Arbeit oder Familienausflüge am Wochenende sind. „Es war eine mutige Entscheidung, die wir gemeinsam im Familienrat getroffen haben: Den Sommerurlaub machen wir immer mit dem Fahrrad, Städtereisen mit dem Zug und für die näherer Umgebung haben wir uns darauf eingelassen. Das gewohnte Fahrverhalten musste allerdings bei längeren Strecken völlig neu überdacht werden.“

26.000 Kilometer stehen jetzt beim Zoe auf dem Tacho – dabei konnte die Thüringerin viele spannende Erfahrungen sammeln. Im Sommer schafft das Fahrzeug mit voller Batterie und vorsichtiger Fahrweise fast 200 Kilometer, im Winter sind es nur etwas mehr als 100 Kilometer. „Die Batterie verhält sich bei Kälte anders. Wie genau, versuche ich immer noch herauszubekommen. Auf alle Fälle muss ich momentan täglich laden. Mütze und Handschuhe gehören ganz selbstverständlich zur Standardausrüstung im Auto. Denn wenn der Akku langsam leer wird, geht als erstes die Heizung aus.“ Zusätzlich ist bei längeren Fahrten immer das kleine, weiße Köfferchen an Bord. Es ist das Notfallset - ein Adapter zum Laden, der es ermöglicht an jeder Starkstromsteckdose zu laden. Das ist dann notwendig, wenn nicht rechtzeitig eine Ladesäule gefunden wird, diese zugeparkt oder kaputt ist oder eben nicht den richtigen Stecker aufweist. „Bei meiner allersten Fahrt erlebte ich eine brenzlige Situation. Mit meinen Kindern war ich im Kino in Ilmenau. Danach wollte ich laden – doch die Säule war defekt! Meine Anzeige zeigte nur noch einen geringen Ladezustand an. Aufgeregt habe ich dann in Arnstadt - an der Stadtbrauerei befindet sich eine Ladesäule – angerufen und mir den Stecker ganz genau beschreiben lassen. Es war der richtige! Mit letzter Energie und sicherlich auch einem großen Quentchen Glück habe ich sie erreicht und erst einmal angestrahlt.“

Je nachdem wie die Ladesäule ausgestattet ist, dauert ein Laden ein bis zwei Stunden. An der Haushaltssteckdose würde es sechs bis acht Stunden dauern.
Ladesäulen für Elektroautos sind in Thüringen noch rar gesät. In Erfurt gibt es einige. „Leider ist auf dem Domplatz eine Steckdose seit längerem schon kaputt“, bedauert Elke Bouillon. In Weimar, Jena, Mühlhausen oder Schmalkalden befinden sich Ladesäulen, in Meiningen sogar zwei - die Stadtwerke sind hier sehr innovativ. „Viele Unternehmen sehen darin noch kein Geschäftsmodell. Meist laufen die Ladesäulen nur als Projekte oder Experimente. Deshalb gibt es oft auch ungewöhnliche Öffnungszeiten, wie zum Beispiel in Nordhausen, von 9 bis 16 oder 18 Uhr. Samstag nur bis 12 Uhr und am Sonntag ist geschlossen. Aber meist fährt man am Wochenende längere Strecken und muss zwischenzeitlich nachladen. Das funktioniert dann eben nur mit ganz genauer Planung.“ Dabei helfen mehrere Apps, die vorhandene Ladesäulen anzeigen, mit genauer Adresse, meist auch den Öffnungszeiten und wie die Bezahlung funktioniert. „Das ist immer sehr spannend, da es viele unterschiedliche Systeme gibt. Per SMS funktioniert die Bezahlung nicht immer. Im süddeutschen Raum benötigt man extra eine spezielle Prepaid-Karte. Ich verwende oft die „The-New-Motion-Karte. Mit dieser kann man an vielen Ladesäulen bezahlen. Die Strompreise sind sehr unterschiedlich. Manchmal kann man sogar kostenfrei laden – wie an der Messe in Erfurt.“

Der Austausch mit anderen Elektro-Autofahrern zum Thema Ladesäulen und weiteren Erfahrungen rund um das Fahrzeug sind noch sehr wichtig. So haben die mutigen Thüringer „Pioniere“ in Apfelstädt den Stammtisch der Thüringer Elektromobilisten ins Leben gerufen. Einmal im Monat trifft man sich Erfahrungsausstausch. Das nächste Treffen ist im Februar in Arnstadt.
Die weiteste Strecke fuhr die Thüringerin mit dem Zoe an einem Wochenende nach Heidelberg hin und zurück. Pro Strecke waren zwei Zwischenladungen von je einer Stunde nötig. „Ich sehe darin eine Entschleunigung der Reise und weiß jetzt ganz genau, wo es leckere Pizza gibt.“

Das Fahrgefühl mit einem Elektroauto möchte Elke Bouillon allerdings nicht mehr missen, ganz gleich, welche Strapazen sie auf sich nehmen muss: Das Auto fährt sehr geräuscharm und ist absolut spritzig. Und die Fahrten vermitteln ihr täglich das positives Gefühl, ökologisch unterwegs zu sein. „Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Elektromobilität in Deutschland weiter ausgebaut wird, Frankreich und Niederlande sind schon viel weiter.“ Damit das auf den Weg gebracht werden kann, arbeitet Elke Boullion an einem Projekt mit, in dem neue Lösungen für Elektromobilität entwickelt werden.

Hintergrund:

Es gibt drei verschiedene Varianten der Elektroautomobilität:
1. Das reine Elektroauto ohne Range-Extender (zusätzliche Stromerzeugung), wie der Renault Zoe.
2. Das Elektroauto mit Range Extender: Mit einem Benzin- oder Dieselmotor kann bei Bedarf zusätzlich Strom erzeugt werden - der BMW i3 bietet diese Ausstattung an.
3. Das Hybrid-Fahrzeug: Kombination von Elektromotor und herkömmlichem Verbrennungsmotor, wie der Toyota Prius.
Weitere Informationen: www.goingelectric.de


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3 Kommentare
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 03.02.2015 | 21:42  
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Renate Jung aus Erfurt | 08.02.2015 | 22:15  
Ines Heyer aus Saalfeld | 09.02.2015 | 17:10  
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