Abenteurer Andreas Pröve erreichte als erster Mensch im Rollstuhl die Quelle des Mekong

Seine Spinnenphobie verlor Andreas Pröve in Kambodscha, wo ihm Kinder Vogelspinnen auf den Kopf setzten. (Foto: privat)
Arnstadt: ... | Als Andreas Pröve 1981 nach einem Motorradunfall querschnittsgelähmt ist, hat
er zwei Möglichkeiten: zu resignieren oder das Leben unter veränderten Bedingungen neu anzupacken. Er entscheidet sich für letzteres. Hebt seine ersparten 3000 D-Mark vom Konto ab und reist nach Indien. „Eigentlich wollte ich damals nur meine Arbeitslosigkeit überbrücken“, erinnert sich der Weltenbummler. Heute, nach über dreißig Jahren Reisen via Rollstuhl durch die Welt, resümiert der inzwischen verheiratete Familienvater: „Ohne den Unfall
wäre mein Leben komplett anders verlaufen. Ich habe Dinge erlebt, die ich wohl niemals unternommen hätte.“
Andreas Pröves Lebensphilosophie orientiert sich an einer Aussage des schottischen Autors Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“): „Es kommt im Leben nicht darauf an, ein gutes Blatt in der Hand zu halten, sondern darauf, mit schlechten Karten gut zu spielen“. So lautet auch Pröves persönliche Botschaft: „Es ist wichtig, eigene Maßstäbe zu finden und sich nicht an anderen zu orientieren, um irgendwann an völlig überhöhten Anforderungen zu verzweifeln.“
Andreas Pröve lebt heute von seiner Arbeit als Buchautor und den Vorträgen über seine Reisen. Mit seinem Rollstuhl fuhr er von Dezember 2010 bis Juni 2011 etwa 5000 Kilometer von der Mündung des Mekongs in Vietnam bis zur Quelle in Tibet und war damit der erste Mensch im Rollstuhl, der dieses Ziel erreichte. Durch sieben Länder ging die Reise: Vietnam, Kambodscha, Laos, Thailand, Burma, China, Tibet.
„Der Mekong hat mich schon immer sehr interessiert“, sagt Pröve. „Die
Nachrichten vom Vietnamkrieg sind bei mir noch sehr präsent“. Mit seinen Fotos, Tonaufnahmen, Videos und Filmen ist der Abenteurer im deutschsprachigen Raum unterwegs und fasziniert die Menschen mit seinen sprachlichen und lebenden Bildern.
„Ich reise meist allein“, sagt er. „Wer zu zweit ist, gilt als Gruppe und würde
von Einheimischen höchstwahrscheinlich nicht angesprochen“. Übernachtet wird im Zelt, beim Bauern – wie es gerade kommt. Mitunter geht die Reise über die Kräfte. „In 5000 Metern Höhe war ich ziemlich am Ende. Und sechzig Prozent
Luftfeuchtigkeit bin ich als einer, der vom Südrand der Lüneburger Heide stammt, einfach nicht gewöhnt“.
Überfallen wurde Andreas Pröve bislang kein einziges Mal. Die Gefahr sieht er eher in wilden, tollwütigen Hunden und dem Straßenverkehr. „Nach einem Biss kann ich nicht innerhalb von drei Stunden bei einem Arzt sein und in Ho-Chi-Minh-Stadt oder Neu-Delhi gilt auf der Straße das Gesetz des Stärkeren.
Die Laster werden gefahren, bis sie auseinander fallen. Da kann immer ein Achsenbruch passieren, wenn ich gerade um die Ecke biege“. Wenn er wollte,
könnte sich Pröve ein Auto zulegen. „Dann könnte ich aber niemals das tun, was ich im Rollstuhl tun kann: Mich dem Land, seinen Menschen, seiner Kultur und seiner Gesellschaftsform aussetzen".
Am 23. und 24. Februar besucht Andreas Pröve Arnstadt und Ilmenau.
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10 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 22.02.2012 | 17:37  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 22.02.2012 | 17:49  
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Karin Jordanland aus Artern | 22.02.2012 | 21:14  
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Renate Jung aus Erfurt | 22.02.2012 | 21:23  
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Katrin Treydte aus Erfurt | 27.02.2012 | 12:31  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 27.02.2012 | 12:34  
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Jana Scheiding aus Arnstadt | 27.02.2012 | 14:49  
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Jana Scheiding aus Arnstadt | 27.02.2012 | 18:47  
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