Am Wochenende ist sie Fee

Melissa Gierth ist Wasserfee im Feenweltchen der Feengrotten Saalfeld (Foto: Matthias Frank Schmidt)
Saalfeld/Saale: ... |

Früher waren Feen einfach nur Wesen, die Wünsche erfüllten. Heute führen sie ein Doppelleben und können zum Beispiel im Nebenjob Staatsanwältin oder Richterin sein. Melissa Gierth aus Rudolstadt ist ein Paradebeispiel: Montag bis Freitag Jura-Studium in Dresden, doch am Wochenende ist sie Fee.

Das kleine Mädchen nähert sich schüchtern der Fee im blauen Glitzerkleid. "Kannst Du meine Puppe anmalen?", fragt es. "Unser Haus ist abgebrannt und die Puppe ist jetzt mein einziges Spielzeug. Und da soll sie doch hübsch sein." Wenn Melissa Gierth, Fee im Feenweltchen der Feengrotten Saalfeld, solche Schicksalsgeschichten hört, braucht sie ganz viel Feenstaub, um die Tränen wegzublinzeln. Tränen ganz anderer Art fließen, wenn ein Brautpaar in den Grotten heiratet und keine andere Begleitung als die der Feen wünscht - wie neulich geschehen.
Als Abiturientin hat die zauberhafte Melissa in den Feengrotten begonnen. Heute ist sie 20, studiert Jura in Dresden und will Staatsanwältin werden. Eine Welt ohne Glitzer und Glamour? "Nicht für mich", sagt die Rudolstädterin, die mit ihrer Frisur und der elfenhaften Gestalt an Königin Cleopatra erinnert. "Selbst wenn ich in Eselsmilch baden würde - der Glitzerstaub würde nie ganz verschwinden. Alles glitzert: meine Bücher, mein Umfeld, mein Freund." Wenn Melissa Gierth lacht, zeigt sie zwei Reihen perlweißer Zähne und man ist für einen Moment verzaubert. "Ein bisschen wie eine Fee muss man schon aussehen", sagt die Studentin, die weiß, wie sie auf ihre Umgebung wirkt.
Das ist also Einstellungsvoraussetzung in den Feengrotten. Wann gehen Feen eigentlich in Rente? "Das dauert. Sehen Sie, ich bin schon 1027 Jahre alt." Wieder das bezaubernde Lächeln. "Ich denke, so lange sich die Frauen das Feenhafte, Jugendliche bewahren können, sind sie glaubwürdig. Eine unserer Feen ist schon 30."

Melissa streift als Wasserfee durch's Feenweltchen


Wenn Melissa Gierth nicht Tischtennis spielt oder tanzt, streift sie gern als Wasserfee mit ihren Glitzerflügeln - im Haar ein buntes Band, Federn oder Schmetterlinge - durchs Feenweltchen, oberhalb der Grotte. Drei Bereiche gibt es dort: die der Waldgeister, Lichtelfen und Feen.
Zum Schminken kommen nicht nur Mädchen. "Jungs wollen als Trolle angemalt werden. Oder sie bekommen Spinnennetze und Drachen. Die Mädchen wollen meistens Flügel", erzählt Fee Melissa. "Oft kommen sie schon so verkleidet zu uns. Auch viele Eltern verkleiden sich und wollen von uns Feen geschminkt werden. Dann lauschen sie andächtig unseren Geschichten. Man spürt, wie sie die Abgeklärtheit des Erwachsenen nach und nach ablegen."
Im Weltchen können sich die Kinder austoben, klettern, Schätze suchen, Musik hören, tanzen oder basteln. Es gibt Riechkästen und feenhafte Grottentouren. Das bringt viele Eltern auf die Idee, die Geburtstage ihrer Sprösslinge bei den Feen zu feiern. "Es ist schön, Zeit für die Kinder zu haben und in dieser Weise auf sie einzugehen", sagt Melissa Gierth. Bei alldem darf natürlich der Feenstaub nicht fehlen. Woraus der besteht, will die Fee nicht verraten. "Das ist ein Berufsgeheimnis."
Ab und an geben Kinder den Feen unverblümt zu verstehen, dass sie an den ganzen "Feenquatsch" nicht glauben, doch Melissa lässt sich davon die Freude nicht verderben: "Ich bleibe cool und bitte die Ungläubigen, ihren Wunsch trotzdem in den Feenbriefkasten zu werfen. Die meisten tun es."


Zur Sache:
In den Feengrotten arbeiten zurzeit drei festangestellte und zwölf freiberufliche Feen.
Saison im Feenweltchen ist von Ostern bis Oktober.
Öffnungszeiten: 9.30 bis 18 Uhr, 17 Uhr letzter Einlass.
Im Juni wird dort das Feenfest gefeiert, in der Saison sind Geburtstage und Zuckertütenfeste möglich.
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2 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 13.09.2015 | 13:27  
12.762
Renate Jung aus Erfurt | 21.09.2015 | 02:02  
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