Arnstadt / Ilmenau aktuell: Glaube als Hilfe zum Leben - Das Interview mit Pfarrer Herbert Meyer

Am 1. Juni wird Pfarrer Herbert Meyer die Pfarrgemeinde "St. Elisabeth" in Arnstadt übernehmen. Foto: Andreas Abendroth
Arnstadt: Katholische Pfarrgemeinde | Im Gespräch mit dem zukünftigen Pfarrer der katholischen Gemeinde von Arnstadt, Herbert Meyer

Von Andreas Abendroth

Zum 1. Juni wird Herbert Meyer seinen Dienst als katholischer Pfarrer in der Kreisstadt Arnstadt aufnehmen. Gleichzeitig wird der 50jährige Geistliche als Pfarradministrator für Ilmenau zuständig sein. Derzeit arbeitet der im eichsfeldischen Wingerode geborene als Regens (Leiter) des Priesterseminars in Erfurt. An seiner derzeitigen Wirkungsstätte traf ich Herbert Meyer zum Plausch über Gott und die Welt.

Wie stellt man sich als „Neuer“ auf die spezifischen Eigenheiten in der Pfarrgemeinde und in der kommunalen Gemeinde ein?


Eigentlich ist so ein Wechsel nichts Spektakuläres. Als Pfarrer bin ich natürlich auf meine neue Gemeinde gespannt. Ebenso werden es wohl auch die Menschen im umgekehrten Verhältnis sein. Doch die Menschen müssen auch Verständnis dafür haben, dass ich nicht zu jeder Zeit überall sein kann. Denn die besondere Herausforderung wird sein, dass ich zwei Pfarrer ersetzen muss. Den in Arnstadt und den in Ilmenau. Auch auf die kommunale Gemeinde freue ich mich. Denn wie steht bereits im Buch des Propheten Jeremia geschrieben: „Suchet der Stadt Bestes, und betet für sie zum Herrn; denn wenn's ihr wohl geht, so geht's auch euch wohl.“

Was bedeutet ein Wechsel für die Person Herbert Meyer persönlich?

Jeder Abschied ist schmerzvoll. Auf der anderen Seite steht die Freude auf Neues. Was bleibt, sind viele Freunde und langjährige Freundschaften. Ich finde neue Orte spannend. Deshalb habe ich auch schon einmal einen Spaziergang durch Arnstadt gemacht und mich sehr wohl gefühlt. Und als Bahn-Fan habe ich mir auch gleich einmal den Hauptbahnhof, als Visitenkarte der Stadt, angesehen. 103 Züge halten hier und es gibt einen ICE mit dem Namen Arnstadt. Gespannt bin ich auf das Bahnmuseum im Lokschuppen. Außerdem werde ich am Anfang über so manchen Tipp dankbar sein: Wo gibt es ein gutes Feierabendbier? oder Wo finde ich die passende Strecke zum Joggen?

Was bedeutet lebendige Gemeinde – gelebter Glaube?

Glaube ist ein Geschenk. Man kann ihn nicht weitergeben wie ein Buch. Ihn muss man lebendig leben. Die Gemeinde sollte sich nicht abschotten, sondern ein Licht sein. Als Hilfe zum Leben. Als Angebot für den Suchenden. An Gott zu glauben bedeutet auch zuhören zu können.

Wie modern kann der Glaube an Gott sein?

Kann Glaube modern sein? Die einen glauben an Gott, die anderen glauben, dass es Gott nicht gibt. Die Existenz Gottes kann man nicht hundertprozentig beweisen aber auch nicht widerlegen. Auch kann die Kirche keinem vorschreiben, wie er zu glauben hat. Oftmals hat man das Gefühl, kirchliche Gesetze scheinen höher zu stehen als die Gebote. Doch die Kirche ist keine Fabrik zur Herstellung von Verboten. Eigentlich müsste man fragen: „Wie persönlich kann Glauben sein?“ Jeder geht seinen eigenen persönlichen Weg des Glaubens oder ist auf der Suche nach ihm. Den Glauben sehe ich als Zeichen der Lebenserfüllung. Denn wer glaubt, ist im Leben nie alleine.

Wie stehen Sie zur Ökumene?

In der Diaspora geht es nur gemeinsam. Wir müssen nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame suchen. In den letzten 50 Jahren sind die Kirchen aufeinander zugegangen. Es geht um die Glaubwürdigkeit der Christen. Im Johannes-Evangelium heißt es ja bereits: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ Auf die Region Arnstadt-Ilmenau umgemünzt heißt dies, dass das Kirchen-Boden-Personal dafür zuständig ist, dass der Himmel für alle Menschen offenbleibt, man den Blick auch auf die Zukunft einer gemeinsamen Kirche ausrichtet.

VITA:
Herbert Meyer wurde am 5.12.1964 in Wingerode (Eichsfeld) geboren und am 30.6.1990 im Erfurter Dom St. Marien zum Priester geweiht. Als Kaplan arbeitete er in Mühlhausen, Jena und in Heiligenstadt. In Mühlhausen baute er zudem als Militärpfarrer im Nebenamt die Soldatenseelsorge mit auf. 1998 wurde Meyer Pfarrer in Geismar, 2005 in Küllstedt und 2007 in Apolda. Seit 2014 ist er Regens des Priesterseminars in Erfurt. Am 1. Juni 2015 wird er das Pfarramt Arnstadt und als Pfarradministrator Ilmenau übernehmen.
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