Arnstadt macht halbe Sachen: Stadtführerin Renate Friedel zeigt uns einen besonderen Turm

Renate Friedel ist seit 1988 Stadtführerin und kennt in Arnstadt jeden Stein.
Arnstadt: ... |

Seit sie ihre Prüfung als Stadtführerin abgelegt hat, betrachtet Renate Friedel "ihr" Arnstadt mit anderen Augen. Mittlerweile kennt sie hier jeden Stein. Sie hat eine ganze Liste von Geheimtipps zusammengetragen, doch heute führt der Weg an die Längwitzer Mauer zu einem halben Turm, der für Führungen zu weit abgelegen ist und dessen Schicksal kaum jemand kennt.

Unterwegs gibt es eine Lektion in Stadtgeschichte. "Arnstadt hatte einst fünf Stadttore: Riedtor, Längwitzer, Erfurter, Wachsenburger und Neutor. Ried- und Neutor existieren noch, die anderen wurden im Zug der Modernisierung abgetragen."
Das geschah, weil die Tore von einstigen Stadtvätern als unmodern angesehen oder einfach dem zunehmendem Verkehr im Weg waren. Auch das Riedtor sollte vor Jahrzehnten der Abrissbirne geopfert werden, was Bürgerproteste zum Glück verhinderten. Heute würde man diese Probleme anders lösen und die alte Bausubstanz erhalten, ist sich Renate Friedel sicher.
"Zwischen diesen Toren gab es Wachtürme, von denen bis auf einen heute keiner mehr vollständig existiert. Bemerkenswert ist der halbe Turm an der Längwitzer Mauer. Früher schaute man dort hinaus, um Feinde rechtzeitig zu erkennen und das Umfeld im Auge zu behalten."
Die Stadtmauer von Arnstadt wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts errichtet. Sie war 2292 Meter lang. Am Fuß maß sie in der Breite 1,20 Meter, nach oben verjüngte sich dieses Maß auf 90 Zentimeter. Am Neutor war sie zwölf, an anderen Stellen - zum Beispiel im Schlossgarten - acht Meter hoch.
Der sogenannte Halbschalenturm an der Längwitzer Mauer wurde 1430 - natürlich vollständig - in die Stadtmauer eingefügt. Das Bemerkenswerte an ihm ist, dass 1817 Wohnhäuser auf und an die Stadtmauer und den Turm gebaut und erst 1984 wieder abgerissen wurden. Ein großer Teil wertvoller Bausubstanz ging dabei verloren. "Nach der Wende wurde die Mauer saniert und der ehemalige Wachturm blieb zur Hälfte erhalten", weiß Stadtführerin Friedel. Von den alten Bauten ist sie nahezu begeistert. "Das sind geschichtliche Zeugnisse, die auch für unsere Nachfahren wichtig sind."


Zur Person:
Renate Friedel zog vor 54 Jahren nach Arnstadt, wo ihr späterer Ehemann Alwin als Kirchenmusikdirektor arbeitete. Weil die Familie aufgrund dessen viel Besuch empfing und die Gäste Arnstadt kennenlernen wollten, absolvierte Renate Friedel 1988 einen Lehrgang als Stadtführerin, wollte aber die Prüfung nicht ablegen. Dazu musste sie erst überredet werden. Heute ist Friedel eine beliebte und bekannte Stadtführerin, die unter anderem als Tratschtante im Kostüm oder bei der Themenführung "Unheimliches Arnstadt" auftritt.
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1 Kommentar
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Renate Jung aus Erfurt | 18.03.2015 | 22:19  
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