Arnstädter Verein rettet das Alte Spital und die Stadt muss nicht einen Cent dazubezahlen

Die Glasfenster in der Kapelle sind einige hundert Jahre alt.
Arnstadt: ... |

„Ich habe einen Zettel in der Hand, weil ich ziemlich aufgeregt bin“, gesteht Christian Hühn in der Kapelle des Alten Spitals, das die Arnstädter seit jeher Spittel nennen. Der Vereinschef des „Kuratoriums zur Sicherung der Interessen des Vereinigten St. Georgs und St. Jacobs Stift“ will sein Glück mit der Öffentlichkeit teilen.

Ein langer Instanzenweg liegt hinter ihm und seinen Mitstreitern vom Verein. Jetzt ist das Dach des Gebäudes, das ihnen so am Herzen liegt, fast neu – jedenfalls regnet es nicht mehr durch. Die ehemals beliebte Spittelbar ist wiedereröffnet und steht künftig als Veranstaltungsort zur Verfügung. Im Moment ist dort eine Ausstellung des Arnstädter Malers Dorsten Klauke und anderen Künstlern zu sehen.
Ohne den Verein würde das 600 Jahre alte Haus vermutlich gar nicht mehr stehen. Für ihn kam alles anders als gedacht. „Zu dieser Immobilie gehörten etwa 20 Hektar Grundbesitz am Kesselbrunn. Die wollten wir veräußern und mit diesem Geld das Haus sanieren.“ Doch die Rechnung ging nicht auf: Das Areal wurde verstaatlicht und der Verein musste einen neuen Weg beschreiten. Seit 1992 kämpft er um den Erhalt des Spittels, in dem sich in grauer Vorzeit wohlhabende Menschen ihre Pfründe sicherten. „Das war eine Art altersgerechtes Wohnen“, erklärt Vereins-Vize Andreas Bähr. „Als junge Leute zahlten die Menschen in einen Fonds ein und erwarben damit ein Anrecht, im Alter hier zu wohnen und gepflegt zu werden.“ Eines der Pfründnerzimmer will der Verein für eine Dauerausstellung in den Originalzustand versetzen.


Hintergrund:
Das Vereinigte St. Georg- und St. Jacob-Stift, besser bekannt als der Spittel, ist eines der bekanntesten Gebäude in Arnstadt. Urkundliche Ersterwähnung: 1379.
Von der mittelalterlichen Anlage sind die Außenmauern übrig, Umbauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert bestimmen das Erscheinungsbild.
Der 1782 im Obergeschoss gebaute Kirchsaal dient seit 1946 der Altlutherischen Gemeinde als Gotteshaus.
Vor der Wende diente das Haus als Asyl für obdachlose Menschen.
Die Nutzungsanpassungen aus über 600 Jahren führten zu statischen Problemen, das Haus musste gesichert werden.
Wohnungen wird es im Spittel nicht mehr geben, der Eingriff in die Gebäudesubstanz wäre zu groß.
1992 übergab die Stadt Arnstadt das Gebäude an das Kuratorium zur Sicherung der Interessen des Vereinigten St. Georgs- und St. Jacobs Stift e.V., der sich seither für Erhalt und Nutzung des Gebäudes einsetzt.

www.spital-arnstadt.de
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3 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 17.06.2015 | 00:34  
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Gabriele Wetzel aus Zeulenroda-Triebes | 18.06.2015 | 22:26  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 19.06.2015 | 11:18  
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