Auf den Hund gekommen! Jörg und Petra Scheffel erfüllten sich mit ihrer Airedale-Zucht einen Lebenstraum

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Wer das Haus von Jörg und Petra Scheffel in Hausen bei Arnstadt betritt, sollte das keineswegs in Seidenbluse oder gar weißen Hosen tun. Bevor der Gast beides schützen kann, ist er umringt von vier leidenschaftlichen und neugierigen Airedale-Terriern, die akribisch prüfen, wen ihre Herrschaft ins Revier gelassen hat. AA-Redakteurin Jana Scheiding sprach mit den Züchtern über deren Hundeleben, das seit 2. Mai von zehn Welpen auf den Kopf gestellt wird.

Wie sind Sie denn auf den Hund gekommen?
Petra Scheffel: Das ist ein Kindheitstraum von mir, leider hatten wir nicht die erforderlichen Wohnverhältnisse. Mein Mann liebt Airedals und so zogen wir nach Hausen in ein Haus mit großem Grundstück und begannen 1998 mit der Zucht.

Hatten Sie gleich Erfolg?
Jörg Scheffel: Unseren ersten Wurf hatten wir erst 2005. Man muss schon Geduld aufbringen und darf sich das nicht zu einfach vorstellen. Oft genügt es nicht, einen Rüden und eine Hündin zusammenzubringen. Wir lasen viel über das Thema und hatten einen erstklassigen Tierarzt.

Wie viele Würfe haben Sie im Jahr?
Jörg Scheffel: Einen. Wir wollen Hunde züchten, nicht vermehren. Das ist uns wichtig. Wir stellen unsere Hunde gern aus und freuen uns über die Pokale, die sie gewinnen. Da sind schon einige zusammengekommen.

Sie leben hier im Haus mitten unter den Tieren. Wie verhindern Sie mehrere Würfe?
Petra Scheffel (lacht): Ja, wir leben im Zwinger. Das tun wir, um die Welpen zu sozialisieren. Sie müssen alle alltäglichen Situationen kennenlernen, um in ihrem späteren Leben gut zurechtzukommen.
Jörg Scheffel: In unserem Haus lebt allerdings nur die Mutter. Wir züchten in Linie, also innerhalb der Verwandtschaft. So züchtet man positive Eigenschaften heraus, schafft aber auch negative. Deshalb muss man neues Erbgut einbringen. Manchmal fahren wir um die halbe Welt, um einen geeigneten Rüden zu finden.

Was lieben Sie am Airedale?
Jörg Scheffel: Seine Gelehrigkeit. Der Airedale war einst Meldehund des Militärs, sehr eigensinnig und hochintelligent. Er ist kein Spezialist, sondern ein Allrounder: Für Schutz, Wache und Meldung einsetzbar. Und er ist - wie alle Terrier - ein aktiver Hund. Heute züchten wir keine Hunde für Jäger, sondern für aktive Menschen. Der Airedale kann leicht 40 Kilometer am Stück zurücklegen.
Petra Scheffel: Unsere Hunde haben auch jede Menge Flausen im Kopf. Wenn man nicht aufpasst, räumen sie die Taschen unserer Gäste aus oder zerlegen die neuen Schuhe.

Wie ist Ihr Tagesablauf mit aktuell zehn Welpen?
Petra Scheffel: 6 Uhr aufstehen, Welpen füttern, saubermachen, die Großen füttern, erst dann kümmern wir uns um uns selbst. Mein Mann arbeitet im Schichtbetrieb, ich halbtags. Nur so funktioniert es. Wir können die Hunde höchstens zwei, drei Stunden allein lassen.

Wie ist es mit Urlaub?
Petra Scheffel: Urlaub ist ohne Hunde nicht mehr vorstellbar. Natürlich können wir nicht alle mitnehmen. Wenn wir unterwegs sind, hat unsere Tochter Jana hier alles im Griff. Sie ist Zuchtwart und hat gerade eine Ausbildung als Zuchtrichterin begonnen. Auf Ausstellungen wird sie dann Tiere begutachten.

Welche Eigenschaften muss ein Airedale mitbringen, um dort zu punkten?
Jörg Scheffel: Bewertet werden Gang, Wesen, Anatomie und Schönheit. Der Hund muss an einer Vorführleine laufen und sich - ähnlich wie ein Model - präsentieren. Er muss sich anfassen und ins Gebiss schauen lassen. Er darf nicht aggressiv sein, auch nicht gegenüber Artgenossen. Er muss also wesensfest gezüchtet worden sein.

Was empfehlen Sie Menschen, die sich einen Hund anschaffen möchten?
Jörg Scheffel: Vorher zu überlegen, ob sie genügend Zeit und Lust haben. Und vor allem, ob sie sich den Hund leisten können. Denn Tierfutter und Arztbesuche sind teuer.
Petra Scheffel: Einen Hund zu haben, hat schon etwas mit Idealismus zu tun.


Hintergrund:
Mitte des 19. Jahrhunderts züchteten englische Bauern den Airedale im Tal des Flusses Aire in der Grafschaft Yorkshire, weil man einen vielseitig einsetzbaren Hund brauchte. Er ist ein Mischling aus Otterhund und englischem Terrier. Auch Gordon Setter und schottische Schäferhunde sollen eingekreuzt worden sein.
Der Airedale hütete Haus und Hof, jagte Ratten, Mäuse, Marder und wurde zur Jagd mitgenommen.
Ein ausgewachsener Hund wiegt zwischen 20 und 30 Kilo, Airedales werden zwischen 10 und 14 Jahre alt.
In Deutschand gibt es zurzeit etwa 100 Züchter mit ungefähr 1000 Welpen.
Die Zucht läuft bei Hündinnen im 8. Lebensjahr aus, bei Rüden, so lange Deckungskraft besteht.
Bringt ein Wurf mehr als sechs Welpen hervor, muss der Züchter eine einjährige Zuchtpause einlegen.
Jörg und Petra Scheffel sind mit ihrem "Airedale-Zwinger von den drei Gleichen" Mitglied im Klub für Terrier 1894 e.V. Kelsterbach, der zum Verband deutsches Hundewesen (VdH) gehört.

Termin:
4./5. Juli Terrierausstellung der Ortsgruppe Erfurt mit 27 Rassen von Airedale bis Yorkshire auf dem Possen in Sondershausen. Jörg Scheffel ist dort Ausstellungsleiter.

www.terrier-von-den-drei-gleichen.de
www.airedale-kft.de
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1 Kommentar
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Constanze Fuchs aus Gotha | 04.07.2015 | 16:09  
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